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Nach dem Erdbeben in Nepal: Leipziger Filmemacher bangt um Freunde

Nach dem Erdbeben in Nepal: Leipziger Filmemacher bangt um Freunde

Er kennt Nepal wie seine Westentasche, lebt und arbeitet seit 18 Jahren viele Monate im Jahr in Kathmandu. Die Nachricht von der verheerenden Erdbeben-Katastrophe traf den Leipziger Expeditions- und Abenteuerfilmer Martin Gremmelspacher wie ein Schock.

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Der Leipziger Filmemacher Martin Gremmelspacher bangt um Freunde in Nepal.

Quelle: Privat

Leipzig/Kathmandu. Aus der Ferne bangt er um Freunde, zur Hilflosigkeit verdammt.

„Vielleicht ist das Telefon nur kaputt. Oder es gibt keinen Strom“, sagt Gremmelspacher. Seit die Nachricht vom Beben den Leipziger erreichte, versucht er, Freunde und Bekannte im rund 6500 Kilometer entfernten Erdbeben-Gebiet im Himalaya zu erreichen. Er hat noch Hoffnung, „aber es kommen immer mehr schlechte Nachrichten rein“, sagt er.

Gegenüber LVZ-Online schildert er sehr persönlich seine Sicht auf die Lage:

„Es ist äußerst tragisch. Die Familie eines Freundes ist komplett unter dem Haus begraben, er selbst war in Indien als es passierte. Weitere Bekannte werden vermisst. Ich habe gestern - soweit es überhaupt ging - mit Nepal telefoniert, habe auch selbst einige Anrufe bekommen. Freunde aus Freiburg waren gerade beim Trekking in der Everest-Region, auch da habe ich keine Neuigkeiten.

Ich kenne das Land. Die Häuser im Kathmandu Valley sind auch ohne Erdbeben baufällig, dünne Wände tragen Betondecken, die meisten Häuser auf dem Land sind an Berghängen gebaut, die mit den ganzen Dörfern ins Tal rutschen, wenn die Erde bebt. Ganze Ortschaften sind daher verschwunden, keiner weiß wirklich Bescheid, denn die allermeisten Gegenden konnten noch nicht einmal überflogen werden.

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Zusammengestürzte Häuser in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Noch immer werden weitere Leichen geborgen. 

Quelle: Narendra Shrestha

Ich habe selbst erlebt, wie ein Dorf verschwunden ist. Beim Hinweg in einer Region in Dorpathan war das Dorf noch da, auf dem Rückweg war es begraben. Alleine in jenem Dorf sind über 300 Menschen umgekommen und das ganz ohne Erdbeben, ein einfacher Bergrutsch genügte. Und ich spreche hier von hunderten solcher Dörfer, von denen jetzt viele unter Geröllmassen begraben sind.

 

Als ich von dem Unglück gehört habe, war mir auch sofort klar, dass es nicht hundert, sondern tausende Opfer geben muss, ich bin ganz sicher, dass sich die Zahl auf weit über 30.000 erhöhen wird. Trotzdem, die Hoffnung stirbt immer zuletzt.“

Mit den Händen im Dreck schürfen

Offiziell gehen Beobachter am Montag von mehr als 3900 Toten in der Beben-Region aus. Auch aus Deutschland schicken Hilfsorganisationen Unterstützung: Zelte, Nahrungsmittel, Medikamente, Wasseraufbereitungsanlagen. „Aber die Situation ist schwierig, schildert Gremmelspacher. Auch Hilfsorganisationen könnten nur über den Flughafen Neu-Dehli reisen. In Nepal sind viele Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten.

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Helfer der I.S.A.R. Germany warten am Flughafen in Frankfurt auf den Abflug in Richtung Nepal.

Quelle: Christoph Schmidt

„Die Deutsche Botschaft in Kathmandu ist heil geblieben“, weiß Gremmelspacher, der am Telefon immer wieder um Fassung ringt. Auch von dort aus werden Hilfsaktionen koordiniert. Dass er selbst nicht vor Ort ist, begreift er als Glück – und Unglück: „Ich fühle mehr denn je, wo jetzt und gerade jetzt mein Platz ist. Auch wenn ich mit meinen zwei Armen und Händen auch nur im Dreck schürfen kann, möchte ich dort sein und helfen, da sein, Wasser kaufen und verteilen und was auch immer überhaupt möglich ist zu tun.“ Eine Produktion in Portugal macht es dem Doku-Filmer unmöglich, Europa zu verlassen. Der dicke Kloß im Hals ist unüberhörbar, als er das erklärt.

Fragile Verbindung

Bleibt nur das Telefon, diese in solchen Zeiten so fragile Verbindung. Und sie bringt manchmal auch traurige Gewissheit. Gremmelspacher hat Freunde verloren. Die Katastrophe hat Gesichter, und Namen. Aber der Expeditionsfilmer versucht, über den dunklen Rand der eigenen Trauer hinaus zu denken. Die Menschen brauchen sauberes Wasser, sagt er, vor allem das, weil sich sonst Krankheiten wie Lauffeuer ausbreiten. „Es ist gut, wenn gespendet wird. Möglichkeiten gibt es genug.“

Martin Gremmelspacher (52), geboren in Freiburg, ist Dokumentar- und Expeditionsfilmer. Zahlreiche Beiträge hat er für Vox, ProSieben, DSF und die ARD produziert. Nepal ist eine Art zweiter Heimat, dort kennt er fast jedes Tal und spricht auch Nepalesisch. 2002 drehte im Himalaya großteils die Besteigung der Ama Dablam (6858 Meter). Die Besteigung wurde erstmals für die ARD live übertragen. Sein Herz gehört Nepal – seit Ende der 1990er Jahre auch Leipzig.

Die Redaktion von tagesschau.de hat eine Seite mit Hilfsaktionen und Spendenkonten für Nepal zusammengestellt.

Evelyn ter Vehn

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