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Nach dem Tod im Dienst des Lebens – Gedenkfeier für Körperspender in Leipzig

Veranstaltung des Anatomie-Institutes in der Peterskirche Nach dem Tod im Dienst des Lebens – Gedenkfeier für Körperspender in Leipzig

142 brennende und gesegnete Kerzen mit den Namen jener, die ihren Tod in den Dienst des Lebens stellten. Bei einer bewegenden Feierstunde des Leipziger Uni-Institutes für Anatomie ist in der Peterskirche am Mittwoch Körperspendern gedacht worden.

Alle Plätze in der Peterskirche besetzt: Bei der vom Uni-Institut für Anatomie ausgerichteten Gedenkfeier für Körperspender wurden auch 142 Namenskerzen gesegnet.

Quelle: André Kempner

LEIPZIG. 142 brennende und gesegnete Kerzen mit den Namen jener, die ihren Tod in den Dienst des Lebens stellten. Bei einer bewegenden Feierstunde des Leipziger Uni-Institutes für Anatomie in der Peterskirche ist am Mittwoch Körperspendern gedacht worden. Über 400 Angehörige und Freunde nahmen Abschied von den verstorbenen Frauen und Männern, die als letzten Willen verfügt hatten, dass ihre Leichname die medizinische Lehre und Forschung voranbringen mögen. Bis auf den letzten Platz war das Gotteshaus gefüllt, auch rund 300 angehende Ärzte und das gesamte Kollegium des von Professor Ingo Bechmann geleiteten Anatomie-Institutes hatten sich eingefunden, um ihr Mitgefühl zu bekunden.

Nach verklungenem Orgelspiel sagte Bechmann: „Diese Menschen haben uns ein ungeheuer kostbares Geschenk gemacht. Dafür sind wir zutiefst dankbar.“ Er erinnerte daran, dass ohne Körperspenden keine fundierte Mediziner-Ausbildung möglich ist und sie ebenso für Fortschritte in Diagnostik und Therapie von Krankheiten bedeutsam sind. „Wir sind darauf angewiesen, wenn es darum geht, den Studierenden anatomisches Wissen zu vermitteln. Nur so können sie vieles von dem erlernen, was sie später im Beruf für das Helfen, Lindern und Heilen brauchen.“ An die Hinterbliebenen gewandt, meinte Bechmann, für sie sei es eine lange Zeit des Wartens gewesen, bis nun die Trauergemeinde zusammengekommen sei. „Das hat ihnen ein geduldiges Tragen der Last abverlangt.“ Er sprach Trost zu.

„Symbole der Erinnerung“ nannte der katholische Studentenpfarrer Christian Braunigger die Kerzen. Mit den darauf stehenden Namen und ihrem Verlesen würden „diese Menschen, die Gutes taten“, aus der Anonymität herausgerufen. Mit dem Choral „Befiel Du Deine Wege“, dem Lied „Von den guten Mächten“ und einem konzertanten Bach-Stück wurde die Zeremonie musikalisch gediegen umrahmt. „Mögen die Namen nicht vergessen werden“, gab der evangelische Studentenpfarrer Frank Martin mit auf den Weg, bei dieser letzten Reise in „Frieden, Liebe und Verzeihung“. Die Kommilitonen der Human- und Zahnmedizin mahnte er, Menschen nie als Objekte, sondern als leibselige Wesen zu sehen. „Ärzte sind nicht zum Reparieren berufen, sondern zum Heilen.“

Anatomia clavis et clavus medicinae – die Anatomie ist Schlüssel und Steuerruder in der Medizin, so steht es am Anatomie-Institut in der Liebigstraße geschrieben. Und Simon Yacoub griff das auf, als er namens der Studierenden die mutige Entscheidung hin zu einer Körperspende würdigte. „Wir zollen diesen Menschen größten Respekt und drücken den Angehörigen zugleich unser tiefes Beileid aus.“ Auf solch direkter Basis anatomische Studien betreiben zu können, sei ein großes Privileg.

Die Studenten waren maßgeblich an der Gestaltung der Gedenkfeier beteiligt, die Einladungskarte mit dem Programmablauf zierte ein Spruch des chinesischen Philosophen Laotse: „Was für die Raupe das Ende der Welt, ist für den Rest der Welt ein Schmetterling.“ Zur Beisetzung der Körperspender verfügt das Institut über eine eigene Grabstätte auf dem Südfriedhof, auf Wunsch kann die Bestattung aber auch andernorts erfolgen.

 

Von Mario Beck

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