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Nach spektakulärer Milliardenpleite: Ex-Baulöwe Schneider erneut wegen Betrugs angeklagt

Nach spektakulärer Milliardenpleite: Ex-Baulöwe Schneider erneut wegen Betrugs angeklagt

Einst wurde Jürgen Schneider wegen Betrugs in Milliardenhöhe verurteilt, nun soll der frühere Baulöwe 67.000 Euro ergaunert haben. Die Bonner Staatsanwaltschaft klagte den 76-jährigen Pleitier wegen Betrugs in drei Fällen an.

Bonn. Davon seien zwei Fälle beim Versuch geblieben, teilte die Behörde am Dienstag mit. Schneider hatte bei seiner spektakulären Milliardenpleite in den 90er Jahren auch große Banken mit Immobilienprojekten hereingelegt.

Das Imperium des Immobilienmoguls und seine Verbindungen nach Leipzig

Vor 16 Jahren brach das Imperium des Immobilienmoguls Jürgen Schneider zusammen. Im April 1994 stellte die Deutsche Bank Strafanzeige, das Insolvenzverfahren wurde eröffnet und Schneider flüchtete nach Florida. In Leipzig und anderen Städten bangten viele Handwerksfirmen um ihre Zukunft. Sie saßen auf ihren Rechnungen und das Entsetzen war groß – galt Schneider doch zuvor als der Retter vieler historischer Bauten.

Im Westen bereits als erfolgreicher Unternehmen bekannt suchte er 1990 nach einem geeigneten Ort für sein Ostengagement und verliebte sich in Leipzig: „Bezaubert von der Anmut des historischen Kerns hatte ich Leipzig vom ersten Moment an ins Herz geschlossen.“ Vom Flair angetan wollte er selbst der Stadt das historische Gesicht wieder geben: „Im inneren Ring der Messestadt lag eine bauliche Schönheit im Dornröschenschlaf, und ich war der Prinz, der sie wach küssen wollte – und konnte“, schrieb er später. Doch als er 1991 damit begann, in Leipzig eine Immobilie nach der anderen zu kaufen, hatte er in den alten Bundesländern bereits einen Schuldenberg von fast zwei Milliarden D-Mark angehäuft. „Zu teuer eingekauft, zu teuer gebaut und zu teuer verwaltet“, urteilte später Konkursverwalter Gerhard Walter.

Der Immobilienguru hatte über Jahre hinweg Mietverträge und Baupläne gefälscht, Informationen zurückgehalten und fehlerhafte Rechnungen aufgestellt. Die Banken überprüften seine Angaben nicht, ließen sich blenden und beschwatzen. Beim Zusammenbruch seines Imperiums hinterließ er bei über 50 Geschäftsbanken den Gesamtbetrag von 5,4 Milliarden D-Mark Schulden, der sich nach dem Verkauf der meisten Immobilien auf 2,4 Milliarden D-Mark verringerte. „Ich wunderte mich selbst, das es so einfach war“, sagte Schneider während des Prozesses.

Der aktuelle Vorwurf: Schneider erschleicht sich 67.000 Euro

Nun der neuerliche Vorwurf: Laut Anklage soll Schneider zwischen Oktober 2008 und Februar 2009 mit Vertretern von Firmen oder Fondsgesellschaften über Investmentgeschäfte verhandelt haben. Dabei soll er vorgegeben haben, aus dem Familienvermögen seiner Frau, das er verwalte, Darlehen von mehreren Millionen Euro investieren zu wollen. Tatsächlich war er laut Anklage weder bereit noch in der Lage, das Geld zu zahlen.

Stattdessen verlangte er in allen drei Fällen eine Art Sicherheit vorab - zur Prüfung der Investition, als Bearbeitungsgebühr oder auch „als Zeichen, dass man an das Projekt glaube“. Eine Firma, die an Spielbanken beteiligt gewesen war, zahlte tatsächlich 67.000 Euro - bevor sie nur einen Cent gesehen hatte. Laut Anklage hat Schneider sich Unternehmen ausgesucht, die sich „tendenziell im zwielichtigen Bereich aufhalten“ - darunter eine Firma, die ein Internetportal für den Begleitservice von Callboys und Callgirls einrichten wollte.

Das Landgericht Frankfurt hatte Schneider 1997 wegen Betruges in Milliardenhöhe zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Davon musste er einen Teil absitzen.

Das Verfahren gegen Schneider findet in Bonn vor einem Schöffengericht statt. Einen Termin gibt es noch nicht.

Jenifer Hochhaus/dpa

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