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Nach zwei Jahren im Container: Leipziger Thomanerchor zieht zurück ins Alumnat

Nach zwei Jahren im Container: Leipziger Thomanerchor zieht zurück ins Alumnat

Am frisch sanierten Alumnat des Thomanerchors laufen die Umzugsarbeiten auf Hochtouren. Nach zwei Jahren im Interims-Container zieht Leipzigs weltberühmter Knabenchor wieder zurück in seinen Kasten.

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Max Gläser (12) im neuen Alumnat des Thomanerchors.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Am 10. April sollen die letzten Kisten verladen werden.

Ein scheinbar ganz normaler Nachmittag am Containerbau in der Sebastian-Bach-Straße, der dem Leipziger Thomanerchor seit zwei Jahren als Unterkunft dient. Vor dem Bau nutzen fünf Thomaner ihre Freizeit für ein Fußballspiel. Einige Jungen machen in den Containern ihre Hausaufgaben. Doch auf den Fluren des Zweckbaus stapeln sich schon die Kartons. Bald hat das Interim ausgedient. „Von dem Umzug werden die Jungs nur wenig mitbekommen“, erklärt Alumnatsleiter Thoralf Schulze. Vor Ostern nahmen die Thomaner persönliche Gegenstände wie Kleidung und Bücher mit nach Hause. „Am 7. April können sie dann direkt in ihre neuen Zimmer im Alumnat einziehen.“

Bis dahin ist noch einiges zu tun. Über 1000 Umzugskartons mit Büromaterial, Akten, und Notenblättern werden von einer Umzugsfirma aus den 156 Containern in den Bau auf der gegenüberliegenden Straßenseite geschafft. Dazu kommen die Musikinstrumente. Unter anderem 16 Flügel und acht Klaviere. Während die Jugendlichen in der kommenden Woche ihre Osterferien genießen, heißt es deshalb für Chorleitung- und Mitarbeiter Kisten ausräumen und Büros einrichten.

Neue Zimmer, neue Möbel

In Stube 5 wird an diesem Mittwochnachmittag trotzdem schon gepackt und geräumt. Hier hat der Domesticus seinen schweren Holzschreibtisch. Das dunkle Stück sticht deutlich zwischen den hellen und modernen Tischen der anderen Thomaner hervor. „Der Tisch wird von Domesticus zu Domesticus weitergegeben und deshalb zieht er auch mit um“, erklärt der Zwölftklässler Simon Jacobs, der das Amt derzeit bekleidet. Er fungiert damit als Sprecher des Chores und arbeitet eng mit der Chorleitung zusammen. Die restlichen Möbel werden den Umzug nicht mitmachen. Im umgebauten Alumnat warten bereits neue Betten, Schreibtische und Stühle auf die „Thomasser“, wie sich die Chorknaben selbst nennen.

Im Gegensatz zum geschäftigen Treiben im Interim herrscht in den Wohnräumen des Alumnats Stille. Vereinzelt bringen die Chorjungen einige Habseligkeiten in ihre neuen Zimmer. Auch der zwölfjährige Max Gläser hat sich die neuen Räume angeschaut und ist begeistert: „Die Stuben sind ganz anders als früher, da hat man ganz neue Möglichkeiten.“ Vor allem die größeren Gemeinschaftsräume gefallen dem Sechstklässler. Schreibtische, die im Interim noch in den Gemeinschaftsraum stehen, haben nun ihren Platz in den Schlafzimmern.

Die 102 Thomaner werden im neuen Alumnat auf zwölf Stuben aufgeteilt, die sich zwischen neun und zwölf Chorjungen aus allen Altersstufen teilen. In den Schlafräumen, die von einem Gemeinschaftsraum ausgehen, übernachten zwei bis drei Jungen nach Klassenstufen getrennt. Die großen Schlafsäle mit bis zu zehn Betten gehören der Vergangenheit an. Die jeweiligen Stubenältesten fungieren auch als Aufsichtspersonen.  

Mehr Platz für die Privatsphäre

„Mit dem Umbau bekommen die Jungs mehr Raum für Rückzugsmöglichkeiten und ihre Privatsphäre“, erklärt Alumnatsleiter Schulze. Das Haus, in dem die Chorjungen den Großteil ihrer Zeit verbringen, solle schließlich auch so etwas wie ein Zuhause sein. Statt wie früher auf einer Etage befinden sich die neuen Wohnräume auf allen vier Stockwerken des Gebäudes verteilt. Gleiches gilt für die kleinen Proberäume, in denen jeder Thomaner Einzelunterricht bekommt. So soll auch der Institutscharakter erhalten bleiben, den das alte Alumnat verströmte. „Es ist eben doch kein Hotel, sondern ein Internat“, so Schulze. „Wenn auch ein sehr gut ausgestattetes.“ 

Personell wird der Chor aufstocken, das Alumnat bietet in Zukunft Platz für 125 Thomaner. Für Proben in der vollen Besetzung schrauben die Handwerker derzeit noch am neu angebauten Proberaum. „Der Saal steht zwar schon länger, aber den letzten Feinschliff bekommt er erst jetzt, damit auch keine Bauarbeiten mehr die verbauten Akustikelemente beeinflussen können“, so Schulze. Im ehemaligen Proberaum befindet sich nun der Speisesaal samt Küche. Offiziell eingeweiht wird das Gebäude am 17. April. „Dann sollten alle Arbeiten abgeschlossen sein“, hofft Schulze.  

Die Umbau des Alumnats ist Teil eines Projekts, das einen Musik-Campus rund um Thomanerchor und Thomasschule zum Ziel hat. Das Forum Thomanum soll letztlich bis zu 1200 Kindern eine musische Bildung ermöglichen. Für den Umbau hatte die Stadt Leipzig rund elf Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Florian Theis

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