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Lokales Nachfolger gesucht – Unternehmen ringen um Fortbestand
Leipzig Lokales Nachfolger gesucht – Unternehmen ringen um Fortbestand
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00:36 17.05.2018
Hier ist die Nachfolge geglückt: Hans-Jürgen Zetzsche (rechts) übergab unlängst seine Funktaxenzentrale 4884 an Thomas Bühnert (links) und Thomas Voigt. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Mit einschneidenden Veränderungen hat die hiesige Wirtschaft zu kämpfen. Grund: Die Gründergeneration der Nachwendejahre tritt allmählich ab. Allein aus Altersgründen stehen im Freistaat Sachsen jedes Jahr weit mehr als 1000 Unternehmensübergaben an – Tendenz steigend. Neueste Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn prognostizieren für den Zeitraum 2018 bis 2022 rund 6200 Firmenübergaben im Land Sachsen.

2000 Inhaber und Gesellschafter sind 60 oder älter

Auf lokaler Ebene sind die Zahlen nicht minder dramatisch. „Im Handwerk des Kammerbezirks Leipzig, also der Stadt Leipzig und der Landkreise Leipzig und Nordsachsen, erreichen circa 2000 Inhaber und Gesellschafter in diesem Jahr das 60. Lebensjahr oder sind älter. Das sind rund 16 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe“, sagt Andrea Wolter, die Pressesprecherin der Handwerkskammer (HWK) zu Leipzig: Das Problem der Unternehmensnachfolge werde sich in den kommenden Jahren also verschärfen, so die HWK-Sprecherin. „Eine erfolgreiche Übergabe ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. Oft vergehen Jahre, um eine Lösung für die Beteiligten zu finden“, betont denn auch Kristian Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig. Eine Nachfolge sollte daher frühzeitig und vor allem strategisch angegangen werden. „Nicht zu unterschätzen ist der Aspekt des Loslassens durch den Inhaber, der sein Lebenswerk in andere Hände gibt“, bemerkt HWK-Sprecherin Wolter.

Jeder dritte Betrieb will eine familieninterne Lösung

Laut einer Befragung der sächsischen Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern sowie des Landesverbandes der freien Berufe, an der sich im vergangenen Jahr knapp 2800 Unternehmen aus dem Freistaat mit geschäftsführenden Gesellschaftern, Geschäftsführern oder Inhabern im Alter von 50 Jahren und älter beteiligt hatten, strebt etwa jeder dritte Betrieb eine familieninterne Lösung an. In der Industrie will sogar knapp die Hälfte der Unternehmen Eigentum und Leitung innerhalb der Familie belassen. Knapp ein Viertel der Familien sucht nach familienexternen Nachfolgelösungen, vor allem durch Übergabe an externe Dritte beziehungsweise an andere Unternehmen oder den Verkauf an einen Investor. Eine Übergabe an Mitarbeiter wird kaum in Betracht bezogen. 29 Prozent der Betriebe können derzeit noch nicht absehen, wer als Nachfolger infrage kommt. Jede fünfte Firma geht davon aus, dass der Betrieb nicht mehr weitergeführt, also stillgelegt wird.

Nun kommen die geburtenschwachen Jahrgänge

Hinzu kommt, dass die Zahl der potenziellen Unternehmer rückläufig ist. „Zum einen, weil nun die geburtenschwachen Jahrgänge das ,Gründungsalter‘ erreichen. Zum anderen, weil die Neigung zur Selbstständigkeit in Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit geringer ist“, sagt Handwerkskammersprecherin Wolter. Dabei besteht bei einer Übernahme die Chance, mit einem am Markt eingeführten Unternehmen aktiv zu werden und auf einen bekannten Namen zu setzen. Im besten Fall gehen Stammkunden, Ausstattung, Lieferbeziehungen und Fachkräfte auf den oder die neuen Besitzer über. Die Unternehmensplanung ist bei einer Übernahme im Vergleich zu einer Gründung berechenbarer.

„Mit jeder Firma, die vom Markt verschwindet, geht Know-how verloren“

Wie wichtig die Weiterführung von Unternehmen ist, erläutert Sprecherin Wolter wie folgt: „Der Erhalt sowie die Wertschöpfung der regionalen Wirtschaft sowie die dringend benötigten Fachkräfte verbleiben in der Region. Mit jeder Firma, die vom Markt verschwindet, geht Know-how verloren und fallen Arbeitsplätze weg.“

Die Gründe, warum die Suche nach einem Nachfolger nicht klappt, sind vielschichtig: zu hoher Kaufpreis, zu wenig oder gar keine Mitarbeiter, kaum Fachkräfte, zu hoher Altersdurchschnitt im Unternehmen.

Freistaat Sachsen lockt mit Förderangeboten

Im Freistaat Sachsen gibt es verschiedene Förderangebote, um den Prozess der Unternehmensnachfolge im Einzelfall finanziell zu unterstützen. Über die Sächsische Aufbaubank (SAB) beispielsweise kann ein Zuschuss von bis zu 50 Prozent zu den Kosten der Beratung und unterstützenden Begleitung einer Unternehmensnachfolge beantragt werden. So sind innerhalb eines Kalenderjahres Ausgaben bis zu 20 000 Euro für Nachfolgeberatungen förderfähig. Des Weiteren gewährt der Freistaat Unterstützung in Form von Förderkrediten, Bürgschaften, Beteiligungen sowie Zuschüssen.

Von Stephanie Helm

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