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Lokales Blobels Vermächtnis - Nobelpreisträger hinterlässt Universitätskirche Leipzig
Leipzig Lokales Blobels Vermächtnis - Nobelpreisträger hinterlässt Universitätskirche Leipzig
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00:31 25.02.2018
Günter Blobel Quelle: Foto: Uwe Meinhold (dpa)
Leipzig

 Der Tod des Nobelpreisträgers Günter Blobel (die LVZ berichtete) hat in Leipzig Betroffenheit ausgelöst. Denn als Vorsitzender des Paulinervereins hat Blobel entscheidende Aktivitäten für den Wiederaufbau der 1968 gesprengten Paulinerkirche gestartet. In Leipzig sind jetzt historische Dokumente aufgetaucht, die Blobel hinterlassen hat, damit diese an die Universität Leipzig weitergereicht werden können. Auch ein Teil seiner großzügigen Spenden für den Wiederaufbau stehen noch bereit.

„Günter Blobel hat unseren Verein in den entscheidenden Jahren 2001 bis 2003 geführt“, betont Ulrich Stötzner, der den Paulinerverein aktuell leitet. Als Erstunterzeichner eines „Aufrufs an die Freunde der Paulinerkirche“ habe er im Juli 2001 zahlreiche Unterstützer für die Idee des Wiederaufbaus gewonnen und damit die bis dahin in Leipzig kaum vorhandene öffentliche Diskussion deutlich befördert. „Im Dezember 2001 hat er auch einen Aufruf initiiert, in dem zahlreiche Nobelpreisträger aus der ganzen Welt den Wiederaufbau der Paulinerkirche forderten“, erinnert Stötzner. „Diese für die Universität Leipzig höchst ehrenwerte Wortmeldung blieb zu seinem Bedauern unbeantwortet.“

„Der Kampf hat sich gelohnt“

Als Vorsitzender des Paulinervereins hat Blobel auch auf das 2003 ausgelobte Qualifizierungsverfahren zur Gestaltung von Augusteum und Universitätskirche Einfluss genommen. Die Entscheidung für den Entwurf des Architekten Erick van Egeraats hat er mit den Worten begrüßt: „Ich bin begeistert, mit einem solchen Ergebnis hatte ich nie und nimmer gerechnet.“

Blobel nannte Van Egeraats Architektur „genial“ und „zukunftsweisend“. Leipzig könne sich mit diesem großartigen, Zeichen setzenden Bau glücklich schätzen, erklärte er öffentlich. An dem Festgottesdienst zur Wiederindienststellung der Kirche konnte er aber infolge seiner fortgeschrittenen Krebs-Erkrankungen nicht mehr teilnehmen. Er bedankte sich für die Einladung zum 3. Dezember 2017 mit den Worten: „Es ist ein großer Tag für Leipzig. Unser langer Kampf hat sich gelohnt.“

Original-Aufruf hinterlassen

Seiner langjährigen Leipziger Vertrauten, der Gohliserin Jutta Kreitz, hat der Medizinnobelpreisträger die Originale seiner im Dezember 2001 geschriebenen Aufrufe für den Wiederaufbau der Paulinerkirche zur Verwahrung überlassen. „Ich überlasse Dir, wie Du diese Zeitdokumente in der Zukunft verwendest“, heißt es in seinem Begleitschreiben. „Ich möchte allerdings, dass diese Papiere der Nachwelt nicht verloren gehen.“

Er könne sich vorstellen, dass die Dokumente an die Universität Leipzig gehen, aber nur „wenn die endlich mal einen vernünftigen Rektor haben“, schrieb er unter anderem mit Blick auf die Weigerung der Universität, den Neubau am Augustusplatz wieder offiziell Paulinerkirche zu nennen. Auch eine Übereignung an ein Institut wie die Leipziger Universitätsbibliothek sei denkbar, „aber nur dann, wenn eine sichere Aufbewahrung gewährleistet ist“.

Spende für Kanzel-Restauration

Darüber hinaus spendete der in den USA lebende Blobel dem Paulinerverein nach der Jahrtausendwende mehrere zehntausend Dollar für dessen Arbeit. Rund 30 000 Euro davon sind noch verfügbar und – zusammen mit weiteren 20 000 Euro aus anderen Spendern – für die Restaurierung sowie das Anbringen der aus der gesprengten Paulinerkirche geretteten Kanzel zurückgestellt.

Von Andreas Tappert

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