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Lokales Nächstes Karli-Beben abgesagt - Stadt Leipzig: Chance auf Fortsetzung besteht
Leipzig Lokales Nächstes Karli-Beben abgesagt - Stadt Leipzig: Chance auf Fortsetzung besteht
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19:47 11.07.2017
Zweimal im Jahr lockte das Karli-Beben seit 2014 auf die Südmeile, wie hier vor der Feinkost. Das für 16. September geplante Straßenfest fällt aus. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

 Die Seismografen auf der Karl-Liebknecht-Straße werden in diesem Herbst erstmals seit 2014 nicht ausschlagen. Das Karli-Beben, das fest zum Veranstaltungskalender der Stadt gehörte und zuletzt zweimal jährlich zwischen 20.000 und 30.000 Menschen ins Zentrum-Süd und die Südvorstadt lockte, hätte am 16. September zum achten Mal stattfinden sollen. Doch am Dienstag wurde Leipzigs größtes Straßenfest überraschend abgesagt.

„Nach reiflicher Überlegung hat der Verein feststellen müssen, dass zusätzliche ordnungsrechtliche Auflagen und Forderungen seitens der Stadt Leipzig den Verein als Veranstalter finanziell überfordern“, teilte der Karli Beben e.V. knapp mit. Organisationschef und Volkshaus-Wirt Andreas Bürger verweist auf Nachfrage von LVZ.de auf ein verschärftes Sicherheitskonzept, das städtische Ämter und Polizei aufgrund des gestiegenen Anschlagsrisikos zur Bedingung für das Straßenfest gemacht hätten.

Betonsperren und zusätzliche Security gefordert

Massive Barrieren, zum Beispiel sogenannte Nizza-Sperren aus Beton, hätten an der Nord- und Südseite der Karl-Liebknecht-Straße aufgestellt werden müssen. Damit sollte verhindert werden, dass Fahrzeugen auf die Straße gelangen. Auch beim Leipziger Stadtfest im Juni kamen diese bereits zum Einsatz. Zusätzliche Wachleute und Sanitäter wären für das Straßenfest ebenfalls notwendig geworden. Auch wenn die Anforderungen noch nicht konkret beziffert gewesen seien, hätte sie der Verein „weder finanziell noch organisatorisch in der Kürze der Zeit leisten können“, begründet Bürger die Absageentscheidung.

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Am Samstag kamen viele Besucher zum siebten "Karli-Beben". Fotos: André Kempner

Der 59-Jährige schätzt, dass sich die Zusatzkosten auf 5000 bis 8000 Euro belaufen hätten. Das Budget für das Straßenfest hätte sich damit um rund 50 Prozent erhöht. Es lag zuletzt bei etwa 14.000 Euro, wurde von den beteiligten Händlern und Gastronomen getragen und deckte unter anderem Sperrungen und Straßenreinigung ab. Natürlich sei das Karli-Beben für die beteiligten Gastronomen und Händler immer auch ein „lukratives Geschäft“ gewesen. „Es ist aber immer auch die Frage, wie weit man ins Risiko gehen kann, wenn eine Veranstaltung zum Beispiel mal ins Wasser fällt. Die mehreren tausend Euro können wir nicht mal so locker stemmen“, bedauert Bürger.

Hoffnung auf Fortsetzung 2018

Eintritt zu erheben sei für den Verein keine Lösung gewesen. „Wir wollen den Charakter des Fests erhalten, auch dass man sich frei bewegen kann. Alles andere wäre schon rein organisatorisch gar nicht möglich“, sagt Bürger. Das Karli-Beben war Anfang 2014 als Reaktion der vom zweijährigen Umbau der Südmeile geplagten Wirte und Händler aus der Taufe gehoben worden – und entwickelte sich zum Erfolg. Auch nach der Fertigstellung der Karl-Liebknecht-Straße und des Peterssteinwegs Ende 2015 wurde es fortgeführt.

Das Rathaus, laut Bürger bereits seit zwei Wochen über die Absage informiert, verteidigte auf Anfrage der LVZ die Haltung der Behörden. „Für das zweite Karli-Beben in diesem Jahr gab es keine grundsätzlich neuen Forderungen an den Veranstalter. Allerdings wurde durch die Polizeibehörden eine Nachbesserung bei der Anzahl der zehn vom Verein eingesetzten Ordner erwartet. Gleiches gilt für die geforderten Zufahrtssperren am Nord- und Südende der Veranstaltungsfläche“, betonte Helga Kästner, die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes.

Nachbesserungen seien zwar als erforderlich angesehen, „im Frühjahr dieses Jahres vom Veranstalter jedoch nicht realisiert worden“. Es habe im Vorfeld hinsichtlich des modifizierten Sicherheitskonzeptes zwischen Polizei, Ordnungsamt und Branddirektion sowie dem Karli-Beben-Verein Konsens geherrscht. „Die vorgesehenen Maßnahmen sind inhaltlich nie strittig gewesen“, hob Kästner hervor. Dass deren Umsetzung ausblieb, habe offenbar am Veranstaltungsbudget gelegen. Die diskutierten „Nachsteuerungsbedarfe“ aber seien letztlich „unvermeidlich“.

Kommune untersützt Vorbereitung

Die Tür zwischen der Kommune und den Party-Machern steht trotz der Absage weiter offen. „Die Veranstaltungsbehörde hat deutlich ihre Unterstützung für die Vorbereitung der nächsten Veranstaltungen erklärt und bewertet die Zusammenarbeit mit dem Vorstand als eng und vertrauensvoll“, stellte Vize-Amtsleiterin Kästner klar.

Auch Volkshaus-Wirt Bürger sieht für die Beben-Zukunft nicht gänzlich schwarz. Nach der Sommerpause werde es weitere Gespräche geben, bestätigte er. „Wir bleiben im Dialog und hoffen auf eine Lösung für den April 2018.“ Neue Sponsoren wären eine Möglichkeit, die gestiegenen Kosten abzufedern.

Robert Nößler/Dominic Welters

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