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Lokales Nationalbibliothek in Leipzig bekommt erneut mehr Platz – moderner Anbau wird eröffnet
Leipzig Lokales Nationalbibliothek in Leipzig bekommt erneut mehr Platz – moderner Anbau wird eröffnet
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09:00 04.05.2011
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Leipzig

Je zwei Exemplare bekommt die Deutsche Nationalbibliothek für ihre Sammlungen in Frankfurt/Main und Leipzig.

Täglich sind es je 1000 Neuzugänge. Das entspricht viereinhalb Regalkilometern im Jahr. Die beiden Standorte der Nationalbibliothek haben daher chronischen Platzmangel. Die ehemalige Deutsche Bücherei in Leipzig wurde nun zum vierten Mal vergrößert. Für knapp 60 Millionen Euro entstand ein Anbau, der am kommenden Montag festlich eröffnet wird. Er beherbergt auch das von Berlin nach Leipzig umgezogene Deutsche Musikarchiv und das Deutsche Buch- und Schriftmuseum.

Leipzig. Am Donnerstag ist im Rahmen des 1. Mitteldeutschen Bauforums der Leipziger Architekturpreis zur Förderung der Baukultur verliehen worden. Zu den Preisträgern gehört der Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek am Deutschen Platz, der Neubau eines Kindergartens in der Erich-Zeigner-Allee und der Umbau einer Fabrikanlage in Plagwitz.

„Eigentlich wäre dieser Neubau schon 2002 gebraucht worden“, sagt der Direktor der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, Michael Fernau. „Wir haben schon seit Jahren keinen Platz mehr für die Neuzugänge und mussten sie auslagern.“ In dem neuen Neungeschosser mit drei unter- und vier oberirdischen Magazinetagen sind daher schon zu Anfang 17 der 136 Regalkilometer wieder belegt. Der Bau der Stuttgarter Architektin Gabriele Glöckler bietet auf einer Fläche von zwei Fußballfeldern Platz für mehr als fünf Millionen Bücher, über eine Million Tonträger, 5000 Videos, 800.000 Notendrucke und weitere Archivalien. Das entspricht dem, was die Nationalbibliothek binnen zwei Jahrzehnten sammelt.

Täglich kommen 600 Besucher in die Deutsche Nationalbibliothek in der Buchstadt Leipzig, die ursprünglich Deutsche Bücherei hieß. Sie erhalten auch einen Einblick in verschiedene architektonische Epochen. Zwischen 1914 und 1916 war die Deutsche Bücherei als prächtiges Frührenaissance-Gebäude gebaut worden. Hinter der geschwungenen Fassade gab es um 1930 die erste Erweiterung im Stil der Neuen Sachlichkeit, Ende der 50-er Jahre die Zweite im typischen DDR-Look inklusive Arbeiter-und-Bauern-Reliefs. In den 70-er Jahren schließlich entstand neben dem Hauptgebäude ein „Büchersilo“: ein 55 Meter hoher fensterloser Turm mit einem Rohr-Transportsystem.

Für den nun entstandenen „Vierten Erweiterungsbau“ gab es einen europaweiten Architekturwettbewerb, den die Stuttgarterin gegen mehr als 200 Konkurrenten gewann. Sie entwarf eine vielfarbige gläserne Fassade in Form eines Buchrückens. „In dieser Fassade steckt extrem viel Arbeit“, sagt sie. „Sie ändert ihre Farben chamäleonartig, je nach Sonneneinstrahlung.“ Die Farbzusammenstellung folgt einem außergewöhnlichen Prinzip: Die Architektin „übersetzte“ die Tonhöhen der 4. Goldbergvariation von Bach in Rot-Töne. Die Glasfassade hält 95 Prozent der schädlichen Lichteinflüsse ab. Gewärmt und gekühlt wird der Neubau per Geothermie.

Im Innern des modernen Anbaus gibt es strenge klimatische Vorschriften: In den Papier-Magazinen muss die Luftfeuchtigkeit bei 50 Prozent liegen, die Sammlung mit 200.000 Schellackplatten braucht 30 Prozent Luftfeuchte. Entstanden sind zudem ein Lesesaal mit 20 Plätzen und Lese-Ecke mit Sesseln sowie ein Musik-Lesesaal mit ebenso vielen Plätzen. Dort kann Musik gehört und gespielt werden. Teilweise sind die Tische mit einer Klaviatur ausgestattet. Damit die Besucher auch die Werke von nostalgischen Tonträgern wie Grammophon oder Schellackplatte hören können, werden diese im eigenen Tonstudio des Deutschen Musikarchivs digitalisiert.

Sobald der Neubau eröffnet ist, muss Fernau schon wieder das nächste Bauprojekt in Angriff nehmen. „Am 9. Mai wird eröffnet und am 10. beginnt die Planung für den fünften Erweiterungsbau“, sagt der Direktor. „Wir wüssten auch schon, wohin wir ihn bauen könnten.“

Sophia-Caroline Kosel, dpa

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