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Naturkundemuseum Leipzig: Widerstand gegen Umzug in den Bowlingtreff

Naturkundemuseum Leipzig: Widerstand gegen Umzug in den Bowlingtreff

In die Rettungsversuche für das Naturkundemuseums kommt neuer Schwung. Auf einer von der grünen Ratsfraktion organisierten Podiumsdiskussion kündigte Kultur-Bürgermeister Michael Faber (parteilos) an, dass der überarbeitete Masterplan für das Museum "voraussichtlich im Juni" in den Stadtrat kommen wird.

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Umstrittener Standort: Im Rathaus wird der Bowlingtreff auf dem Leuschnerplatz als Standort für neue Naturkundemuseum favorisiert. Im Gespräch ist auch der bisherige Standort, der mit Erweiterungsbauten komplettiert werden könnte.

Quelle: André Kempner

Der Rat werde dann nicht nur über den Standort entscheiden, sondern auch über Ausrichtung und Finanzvolumen.

 Die weit über hundert Zuhörer, die am Dienstagabend ins Neue Rathaus gekommen waren, gaben sich mit dieser Ankündigung nicht zufrieden. Die Stadt müsse genau abwägen, in welcher Liga das neue  Naturkundemuseum spielen soll, wurde gefordert. Während sich Faber für ein "sehr gutes kommunales Museum" aussprach, plädierte Professor Arnold Müller, Kustos der geologisch-paläontologischen Sammlung der Leipziger Uni, für einen höheren Anspruch. Seine Botschaft: Wenn Leipzig die Potenziale der Universität - zum Beispiel der Biologen oder der Geologen - nutzen würde, könnte ein naturkundliches Museum für ganz Mitteldeutschland etabliert werden, das ähnliche Strahlkraft besitze, wie zum Beispiel das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle mit der Himmelsscheibe. "Leipzig könnte ein regional großes Museum entwickeln, das zum Beispiel die Transformation von einer Bergbau- zu einer Kulturlandschaft zeigt", so Müller. Ein ausreichender Fundus sei vorhanden. "Mit diesem Ansatz könnten viele Dinge untersucht werden, die auch Forschungskapazitäten rechtfertigen."

 Der kulturpolitische Sprecher der grünen Ratsfraktion, Wolfram Leuze forderte ein deutliches Bekenntnis der Stadt zum Museum. "Wir brauchen die verbindliche Aussage von Oberbürgermeister Burkhard Jung, dass er zum Naturkundemuseum steht", sagte er. Erst danach könne fundiert über den Standort des neuen Museums entschieden und schließlich ein Direktor eingestellt werden, skizzierte er das Vorgehen.

 Heftige Kritik gab es an der Idee, das neue Naturkundemuseum im ehemaligen Bowlingtreff am Wilhelm-Leuschner-Platz zu etablieren. Die Untergeschosse seien zu feucht und würden den wertvollen Fundus des Museums zerstören, hieß es. Auf Fabers Hinweis, alles sei reparabel, gab es Widerspruch. "Das Wasser findet innerhalb weniger Jahrzehnte immer einen Weg", hieß es.

 Eine hitzige Diskussion gab es auch zum Zeitplan. Ziel sei, so Faber, in den Jahren 2018 und 2019 zu bauen und das Museum 2020 zu eröffnen. Damit dies gelinge, müsste der Stadtrat "im Prinzip 2014 mit der Aufstellung der Haushaltspläne für 2015 und 2016 bereits deutliche Zeichen setzen" - sprich: das erste Geld für die Bauplanung, für die konzeptionelle Arbeit und für die Bauvorbereitung bereitstellen. Wenn Leipzig weiter so wachse wie bisher, könnte es aber konkurrierende Infrastrukturvorhaben geben, schränkte der Bürgermeister ein. Denn eine Stadt mit 600 000 Einwohner brauche eine aufwändigere Infrastruktur als eine mit 500 000. "Das könnte dazu führen, dass sich das Naturkundemuseum auch noch ein oder zwei Jahre verschiebt."

 Die Zuhörer wollten davon nichts wissen. Sie forderten ein Interim und eine Zusage von der Stadt, dass "spätestens 2015" mit der inhaltlichen Profilierung des neuen Hauses begonnen wird. "Wir brauchen einen Ratsbeschluss der festlegt, dass das Museum im Jahr 2020 eröffnet wird", forderte Peter Täschner, Vize-Vorsitzender des Fördervereins Naturkundemuseum. In diesem Ratsbeschluss sollte auch stehen, dass das neue Gebäude "24 bis 25 Millionen Euro kostet". Faber sicherte zu, sich dafür einzusetzen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2014
Andreas Tappert

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