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Naturkundemuseum in Leipzig könnte Richard-Wagner-Haus werden

Pläne von Verband Naturkundemuseum in Leipzig könnte Richard-Wagner-Haus werden

Bayreuth will er keineswegs kopieren: Doch Leipzig braucht ein Richard-Wagner-Haus. Das sagt zumindest der Richard-Wagner-Verband und hat dabei eine konkrete Immobilie im Blick: das Naturkundemuseum am Goerdelerring, das mit dem Umzug der Sammlung in Halle 7 der Baumwollspinnerei Ende 2020 praktisch frei wird.

In der Fotomontage von LVZ-Grafiker Patrick Moye bereits Wirklichkeit: ein Richard-Wagner-Haus in der Lotzingstraße 3 – dort, wo jetzt noch das Naturkundemuseum beheimatet ist.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Eigentlich hat Leipzig aber eine Wagner-Ausstellung. Die Kulturstiftung Leipzig betreibt im Keller der Alten Nikolaischule die kleine Schau „Der junge Richard Wagner 1813 bis 1834“. Und das sogar am authentischen Ort: Immerhin hat Wagner, der zwar kein sonderlich guter Schüler war, 1828 bis 1830 die Alte Bürgerschule besucht. „Dort wird der junge Wagner vorgestellt, das sehe ich als Ergänzung“, sagt Verbandschef Thomas Krakow: „Wir möchten Wagner in Beziehung zur Messestadt Leipzig setzen, der von hier kommt und dann international Furore gemacht hat. Schließlich wird er in allen großen Opernhäuser dieser Welt gespielt.“ So hatte der „Ring des Nibelungen“ zwar in Bayreuth Premiere, der internationale Durchbruch gelang aber erst nach der Aufführung in Leipzig. „Deshalb möchten wir Leipzig als Zentrum der Wagnerpflege thematisieren.“

Die Wagner-Stiftung, die letztlich Träger des Hauses werden würde, bekommt viele Nachlässe, von denen eine Ausstellung profitieren könnte. „Viele Sammler haben Angst, was mit ihren Schätzen wird und befürchten, dass die Kinder sie wegwerfen.“ Mittlerweile hat der Verband beispielsweise eine große Präsenzbibliothek zusammengetragen. „Von der Bibel und Marx abgesehen, erscheint die meiste Literatur über Wagner. Das in einem Lese- und Forschungsraum einen breitem Publikum zugänglich zu machen, wäre ganz wichtig.“ Vorstellbar sei auch, mit moderner Technik Aufführungen aus aller Welt zu zeigen – anhand weniger Originale. „Ich habe einen Taktstock von Arthur Nikisch, der in der Oper das Trauerkonzert nach Wagners Tod dirigiert hat“, nennt Krakow ein Beispiel und denkt dabei eine interaktive Präsentation, die auch junge Leute anspricht. Das könnte durchaus so eine Attraktion werden, wie das Effektorium im Mendelssohnhaus, wo Besucher ein Orchester aus mannshohen Säulen mit Boxen dirigieren können. „Das wollen wir nicht kopieren, die Präsentation soll jedoch modern und zeitgemäß werden. Denn es soll kein Museum werden, wo die Leute gähnen.“

Dabei gibt es durchaus wertvolle Stücke. So konnten 2013 beispielsweise in der Stadtbibliothek schon einmal wenige Stücke aus der Lussato-Sammlung gezeigt werden. Sammler Bruno Lussato hatte einst nahe Paris ein privates Kulturzentrum betrieben. Die wertvollen Autographen, seltenen Erstausgaben von Partituren und weiterer Musikliteratur sowie diverse Kunstwerke und andere Unikate lagern inzwischen im Depot der Französischen Nationalbibliothek in Paris. „Sein Sohn Pierre Lussato, der in London lebt, würde uns die Sammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen. Voraussetzung ist aber, dass wir die entsprechenden Räume haben.“ Das wäre auch für die Forschung wichtig.

Bevor das spätere Musikgenie Bayreuth und die Welt mit seiner Musik eroberte, hinterließ Wagner in 19 Orten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen viele Spuren, die es wert wären, in einer Ausstellung dargestellt zu werden. Die wäre ein Meilenstein auf dem Weg, Leipzig als mitteldeutsches Wagner-Zentrum zu etablieren. „Wir möchten einen lebendigen Ort, an dem auch Kammermusik aufgeführt wird, eben wie bei Schumann, Grieg, Mendelssohn“. Für den Wagner-Verband wäre es laut Krakow zwar kein Problem, das komplette Gebäude des Naturkundemuseum thematisch mit Angeboten rund um den Komponisten zu füllen. Er würde sich aber auch mit zwei Etagen begnügen, um anderen Interessenten – etwa der Notenspur als Klammer für die Musikstadt Leipzig – eine Heimstatt zu bieten.

Wie soll das alles aber finanziert werden? „Ich sehe da vor allem Bund und Land in der Pflicht, die Fördermittel für die Musikstadt – das ist nun einmal unsere Stärke – beisteuern könnten“, sagt Krakow. Darüber hinaus gibt es private Mäzene, die so ein Projekt durchaus fördern würden. Der Wagner-Verband arbeitet nun daran, aus der Grundidee ein Konzept für das Haus zu entwickeln und sucht Verbündete, auch in der Politik. Zur Buchmesse steht aber zunächst ein weiteres Projekt an: Am 23. März wird im Festsaal des Alten Rathauses eine Neuauflage der Schrift „Vom Judenthum in der Musik“ präsentiert, natürlich kommentiert und in ihrer Wirkungsgeschichte beschrieben (20 Uhr). Seit Veröffentlichung jenes Werkes gilt der Komponist als Antisemit.

Von Mathias Orbeck

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