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Naturkundemuseum in die Spinnerei: Die Skepsis in Leipzigs Stadtrat bleibt

Zukunft des Naturkundemuseums Leipzig Naturkundemuseum in die Spinnerei: Die Skepsis in Leipzigs Stadtrat bleibt

Fördermittel könnten das Lockmittel sein: Die Verwaltungsspitze hat dem Stadtrat nun offiziell den Umzug des Naturkundemuseums in die Halle 7 der Baumwollspinnerei vorgeschlagen. Doch bei vielen Stadträten herrscht noch viel Skepsis.

Neue Heimat Baumwollspinnerei? Ob der gerade von René Diebitz präparierte Tiger dort samt Naturkundemuseum ab 2020 eine neues Domizil findet, wird im Stadtrat nun debattiert. Die Verwaltung hat die Lösung nun offiziell vorgeschlagen.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Der Sibirische Tiger ist fertig. Mit viel handwerklicher Kunst hat René Diebitz die Wildkatze fürs Naturkundemuseum präpariert. Das Großprojekt ist nach einem Jahr fertig und kann am Wochenende in Augenschein genommen werden. Viel länger als ein Jahr dauert mittlerweile ein anderes Großprojekt: die Standortsuche für das Museum. Doch auch da hat die Verwaltung sich nach mehrjährigem Hin und Her festgelegt. Das modernisierte Museum soll im Jahr 2020 in Halle 7 der Baumwollspinnerei öffnen. Wie bereits berichtet, haben Prüfungen ergeben, dass der Standort für ein Museum grundsätzlich geeignet ist. Vom kommenden Jahr an wird – falls der Stadtrat auf der Tagung im Januar zustimmt – nun eine Museumskonzeption für den neuen Standort erarbeitet. Die konkrete Planung beginnt dann (nach derzeitigem Zeitplan) 2017 – bis dahin soll auch ein neuer Direktor gefunden sein. Die Stelle ist seit Februar 2014 unbesetzt. Das jetzige Domizil am Goerdelerring wird nach Umzug des Museums verkauft. Vom Erlös soll ein Teil der Ausgaben bestritten werden.

 „Ich bin froh, dem Stadtrat endlich einen Vorschlag unterbreiten zu können und hoffe, dass es eine breite Befürwortung für die nun angedachte Variante geben wird“, wirbt Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos). Annette Körner (Grüne), die Vorsitzende des Kulturausschusses: „Die Verwaltung hat endlich die Karten auf den Tisch gelegt, um einen Auftrag vom Stadtrat zu erhalten. Ob sie ihn bekommt, muss sich aber erst zeigen.“ Viele seien zwar offen für neue Konzepte. Doch noch überwiege die Skepsis. „Es sind noch viele Fragen offen, ob die Spinnerei wirklich der bessere Standort ist.“ Körner gehört ebenso wie Skadi Jennicke (Linke) und Katharina Schenck (SPD) zu den Stadträten, die einen Antrag gestellt haben, bis Jahresende eine Entscheidung zu treffen. Und zwar aus Angst, dass Fördermittel verfallen. Doch das sei wohl nicht der Fall, wie die Verwaltung versicherte.

Die Vision: Freie Theaterszene und das Museum sollen auf dem Areal der Baumwollspinnerei unter ein Dach. Wie berichtet, können Lofft und Leipziger Tanztheater die oberen Etagen der Halle 7 nutzen. Auch das Theater der Jungen Welt erhält dort zusätzliche Flächen. Die Baumwollspinnerei Verwaltungsgesellschaft geht als Bauherr davon aus, dass die Sanierung der Halle sowie ihr Ausbau für Theaterzwecke etwa 18 Monate dauert. Veranschlagte Kosten: 11,75 Millionen Euro, davon sind etwa 85 Prozent durch Fördermittel gedeckt. Für die Eröffnung wird Juli 2017 angepeilt. Anschließend ist der Ausbau der Ausstellungs- und Depoträume fürs Naturkundemuseum dran. Das könnte etwa 2000 Quadratmeter für Dauer- sowie Sonderschau, Museumspädagogik, Kassen und Garderobe sowie einen Veranstaltungsraum nutzen. Im Untergeschoss gibt es Flächen für Depots mit und ohne Tageslicht, in einer weiteren Etage Platz für Büros, die Werkstätten und weitere Depots. Genaue Kosten müssen aber noch detailliert ermittelt werden, heißt es. „Diese Variante ist finanziell für die Stadt umsetzbar. Mit Hilfe von Städtebaufördermitteln wird der städtische Haushalt bei der Finanzierung deutlich entlastet“, sagt Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU). Dennoch ist vieles ungeklärt: „Meine Fraktion möchte wissen, wie die Folgekosten sowohl für das Theaterhaus als auch für den Betrieb und den Innenausbau Naturkundemuseum im Haushalt abgesichert sind. Wenn wir so viel Geld investieren, muss das nachhaltig erfolgen“, betont Linken-Politikerin Skadi Jennicke.

Von Mathias Orbeck

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