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Lokales Neuauflage fürs älteste Medizin-Kompendium der Welt
Leipzig Lokales Neuauflage fürs älteste Medizin-Kompendium der Welt
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07:00 06.02.2018
Blick in einen der Lesesäle der Bibliotheca Albertina. In diesen Jahr gibt es zum 475. Geburtstag der Uni-Bibliothek zahlreiche Veranstaltungen. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig.

475 Jahre Leipziger Uni-Bibliothek (UBL): Der 2017 bei einem deutschlandweiten Wettbewerb als „Bibliothek des Jahres“ ausgezeichneten UBL steht in diesem Jahr ein großes Jubiläum ins Haus. 1543 war sie auf Betreiben der sächsischen Landstände und dem als Reformrektor in die Geschichte der Alma mater eingegangenen Caspar Borner gegründet worden. Er übernahm das erste Direktorat der damaligen Bibliotheca Paulina. Borner hatte beim regierenden Herzog Moritz von Sachsen die Übereignung des hiesigen Dominikaner-Klosters an die Uni erreicht, so dass auch dessen Schriftgut den Besitzer wechselte. Allerdings legte der humanistisch gesinnte Gelehrte Wert darauf, dass nur für die Wissenschaft bedeutsame Bücher des Klosters zur Uni kamen. „Die Auswahl wurde sehr sorgfältig vorgenommen“, erklärt UBL-Direktor Professor Ulrich Johannes Schneider. Er hat sich nochmals intensiv mit der Historie befasst und ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: „Nach meinem Kenntnisstand ist die UBL sogar die älteste deutsche Altbestandsbibliothek, die nicht auf eine fürstliche Sammlung oder den Buchfundus einer Fakultät zurückgeht.“

Für Schneider und seine Kollegen ist das ein Grund mehr, im Jubiläumsjahr mit vielen Höhepunkten aufzuwarten. Dabei helfen gleich mehrere glückliche Fügungen: „2018 weiht die Universität zwei neue, modern ausgestattete Bibliotheksstandorte ein – den im bildungswissenschaftlichen Zentrum auf dem Campus Jahnallee und den an der Liebigstraße. Das wird natürlich gefeiert“, blickt Schneider voraus. Das Domizil in der Liebigstraße wird die Bestände der Medizin und der Naturwissenschaften unter einem Dach vereinen, an der Jahnallee bekommen jene der Erziehungs- und der Sportwissenschaften ihr ansehnliches Quartier. Und ein weiteres glückliches Zusammentreffen gibt es: Seit 300 Jahren besteht die Münzsammlung der UBL. Im Zeitenlauf ist sie auf 86000 Stück angewachsen und damit die größte derartige universitäre Sammlung in Deutschland. In der zweiten Jahreshälfte wird das mit einem numismatischen Kolloquium und einer Ausstellung bedacht. 

Auch mit einem bisher nur andernorts angebotenen, innovativen Veranstaltungsformat wartet die UBL in diesem Jahr auf – dem sogenannten Kultur-Hackathon. Unter dem Label „Coding da Vinci Ost“ spüren dabei interdisziplinäre Teams den kulturellen Datenschätzen  in  Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nach und setzen sie ideenreich in neue Kontexte. Zum Kick-off treffen sich die Akteure am 14. und 15. April in der UBL, dann folgen neun Wochen Projektarbeit und anschließend die Präsentation. „Am 16. Juni geht dann bei uns die Hackathon-Siegerehrung über die Bühne“, so Schneider. Für die damit verbundenen Prämierungen in verschiedenen Kategorien stehen auch Teile jenes Preisgeldes zur Verfügung, das die UBL als „Bibliothek des Jahres 2017“ bekommen hatte.

„Wir bereiten noch eine ganz besondere Überraschung zum 475. Geburtstag vor“, verrät Schneider. Sie rankt sich um den Papyrus Ebers, einer vor rund 3600 Jahren im alten Ägypten gefertigten Handschrift mit heilkundlichen Ratschlägen. Sie gilt als weltweit ältestes vollständig überliefertes Medizin-Kompendium und wurde 1872 vom Leipziger Ägyptologen Georg Ebers für die UBL erworben. Ursprünglich als rund 19 Meter lange Schriftrolle geschaffen, wurde sie noch im 19. Jahrhundert aus konservatorischen Gründen zerschnitten und verglast. Nun ist UBL-Chefrestaurator Jörg Graf dabei, dem Papyrus Ebers seine einstige Rollengestalt zurückzugeben. Als Replik sollen zwei Exemplare geschaffen werden. „Natürlich mit in Ägypten hergestelltem Papyrus, der hier in Leipzig speziell bedruckt wird“, erklärt Schneider. Eine der Nachbildungen soll in der UBL bleiben und in diesem Jahr öffentlich gezeigt werden, die andere ist als Geschenk für die Bibliothek in Alexandria bestimmt.

Bei der Vorausschau auf das Jubiläumsjahr zählt Schneider weitere Highlights auf. So wird der UBL-Stammsitz, die Bibliotheca Albertina, zur Station des Leipziger Notenbogens und bringt dabei ihre musikalischen Raritäten zum Erklingen. Außerdem ist die UBL Ausrichter  einer Konferenz, bei der in die Bibliothekszukunft geschaut wird. Am UBL-Gründungsdatum, dem 24. Oktober, könnte die Tagung stattfinden. „Oder zumindest in zeitlicher Nähe“, meint Schneider.

Von MARIO BECK

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