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Lokales Neubau der Leipziger Propsteikirche war deutlich teurer als geplant
Leipzig Lokales Neubau der Leipziger Propsteikirche war deutlich teurer als geplant
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17:27 05.01.2016
Die neue Leipziger Propsteikirche kostete knapp 30 Millionen Euro – 4,4 Millionen mehr als ursprünglich veranschlagt.  Quelle: Kempner
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Leipzig

 Die im Mai geweihte katholische Propsteikirche in Leipzig hat deutlich mehr gekostet als ursprünglich geplant. Mit 29,4 Millionen Euro lag der größte Kirchenneubau in Ostdeutschland nach der Wende mit rund 4,4 Millionen Euro über den Planungen. Das sagte Pfarrer Gregor Giele am Dienstag auf Anfrage von LVZ.de. Die Mehrkosten müsse die Gemeinde selbst stemmen und werde dafür die Einnahmen durch den Verkauf der alten Kirche am Rosental verwenden, erklärte Giele. Die Verhandlungen darüber stünden kurz vor dem Abschluss.

Die Zusatzkosten begründete der Propst mit einem „Mix aus mehreren Faktoren“. Zum einen sei die um rund ein dreiviertel Jahr längere Bauzeit ins Gewicht gefallen. Zum zweiten habe der Ausbau der Nonnenmühlgasse als Zufahrtsstraße mehr Geld verschlungen als gedacht. Fundamente aus der Vorkriegszeit mussten ausgegraben und entsorgt werden. Auch höhere Baupreise machten der Gemeinde St. Trinitatis zu schaffen. „Wir hatten mit Steigerungen von zehn Prozent im Laufe der Bauphase gerechnet“, so Giele. „Am Ende lagen sie in manchen Bereichen bei 12,5 bis 13 Prozent.“

Schaumglas statt Mineralwolle

Nicht zuletzt habe auch eine Entscheidung für mehr Nachhaltigkeit zu höheren Kosten geführt. Bei der Dämmung des ökologisch prämierten Vorzeigebaus wurde modernes Schaumglas statt der ursprünglich vorgesehenen Mineralwollplatten verwendet. „So eine Kirche soll für immer gebaut werden. An die Dämmung kommt man später aber nicht mehr ran“, begründete Giele. Allein dies habe Mehrkosten im hohen sechsstelligen Bereich nach sich gezogen. Die Statikprobleme durch die Glocken – sie werden erst im Laufe des Jahres eingebaut – sollen dagegen ohne finanziellen Mehraufwand gelöst werden.

Auch Schwierigkeiten beim Bau der Zufahrtsstraße verteuerten den Neubau. Quelle: Kempner

Die Gemeinde hatte während der Bauphase von Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro gesprochen. Diese bezogen sich, so Giele, jedoch nur auf das Gotteshaus inklusive Gemeindezentrum und vier angeschlossenen Wohnungen. Die Innenausstattung der Kirche schlug zusätzlich mit zwei Millionen Euro und das Grundstück mit einer Million Euro zu Buche. Ein großer Teil davon wurde durch das Bistum Dresden-Meißen sowie durch Spenden getragen. Bis Ende Oktober sind laut Giele 7,1 Millionen Euro zusammengekommen.

Im Zuge der Kirchweihe am 9. Mai 2015 war vom Bistum bereits verlautet worden, dass für die Gestaltung der Außenanlagen, städtebauliche Auflagen und eine stärkere Nachhaltigkeitsorientierung noch einmal sieben Millionen mehr notwendig seien – insgesamt 25 Millionen Euro. „Der 2009 aufgestellte Finanzierungsplan hatte diese Gesamtsumme auch veranschlagt“, stellte Giele klar. Für die darüber hinausgehenden Mehrkosten muss nun die Gemeinde geradestehen. Das Bistum gehe aber zunächst in Vorleistung. Eine Zwangsabgabe der Mitglieder werde es „auf keinen Fall“ geben, betonte Giele. Auch die Stadt werde nicht finanziell belastet.

Mit einem Festgottesdienst wurde am 9. Mai 2015 in Leipzig die katholische Propsteikirche geweiht. Die Besucher erlebten eine kleine Sensation: Papst Fanziskus hat ein persönliches Grußwort nach Leipzig gesendet. Darin heißt es: Die neue Kirche öffne ihre Tore auch für die, die Christus nicht kennen. Der Gottesdienst wurde in den Außenbereich des Hauses am Martin-Luther-Ring übertragen.

Investoren wollen alte Kirche am Rosental kaufen

Einen beträchtlichen Teil der zusätzlichen Kosten will die Propstei durch den Verkauf des baufälligen, im Juni von der Stadt jedoch unter Denkmalschutz gestellten Gotteshauses am Rosental aus dem Jahr 1982 auffangen. Die Verhandlungen mit potenziellen Käufern, laut Giele handelt es sich um Immobilien-Investoren, befänden sich „auf der Zielgerade“. Voraussichtlich noch im Januar soll es einen Notartermin geben. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, Giele bestätigte jedoch: „Wir bewegen uns hier im Millionenbereich.“

Ein Abriss des Gebäudes an der Emil-Fuchs-Straße ist wegen des Denkmalschutzes nicht möglich, wohl aber eine neue Nutzung des Gotteshauses und des dazugehörigen rund 5000 Quadratmeter großen Grundstücks. Laut Giele gibt es dafür unterschiedliche Konzepte von der Wohnbebauung über kulturelle Zwecke bis zur Gastronomie. Ob künftig gegessen und getrunken werden darf, wo früher gebetet und gebeichtet wurde – darüber entscheide der künftige Eigentümer.

Von Robert Nößler

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