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Neue Gewässertherapie für Leipzigs Auensee: Tiefenbelüfter kämpfen gegen Fischsterben an

Neue Gewässertherapie für Leipzigs Auensee: Tiefenbelüfter kämpfen gegen Fischsterben an

Der Auensee im Nordwesten Leipzigs wird ordentlich durchgewirbelt: und zwar mit Sauerstoff. Von kommenden Frühjahr an soll eine neue Gewässertherapie, die auf zehn Jahre angelegt ist, die Qualität des Wassers deutlich verbessern.

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Kampf gegen Fischsterben: Neue Technik im Leipziger Auensee für verbesserte Wasserqualität

Quelle: Jakob Richter

Leipzig. Dabei kommen in dem zwölf Hektar großen See Tiefenbelüfter zum Einsatz.

"Momentan ist das kein See, sondern eine Kloake", beschreibt Andreas Kruspe von der Wasserwirtschaft des Amtes Stadtgrün und Gewässer die Lage. Mit einem Rohr wird das Wasser am Grund belüftet und steigt dabei nach oben. Anschließend befreit ein Entgasungskopf das belüftete Nass von giftigen Gasen. Das Fallrohr sorgt dafür, dass es wieder in die Tiefe sinkt.

Die Gesamtkosten der Anlage für die Planung, den Elektroanschluss als auch Strom und Miete belaufen sich auf rund 254.000 Euro. Nach Aangaben des Amtes für Stadtgrün und Gewässer sollen die Rohre und der Entgasungskopf nach zehn Jahren in das Eigentum der Stadt Leipzig übergehen.

„Wir können den Auensee nicht sterben lassen“, sagt Friedrich Richter, Präsident des Landesverbandes Sächsischer Angler. Er ist froh, dass in dem Gewässer seit zwei Jahren kein großes Fischsterben mehr aufkam und erinnert sich nur ungern an die Katastrophe im Jahr 2008, als elf Tonnen Fisch verendeten. Karpfen, Zander, Schleien und andere Arten wurden damals am Ufer aufgesammelt.

„Die schlechte Wasserqualität liegt auch an den Temperaturen. Je heißer es ist, umso mehr Algen entstehen“, begründet er. Im 16 Meter tiefen Auensee leben rund 15 verschiedene Fischarten. „Erst vor kurzem haben wir Raubfische wie Hechte aber auch Aale nachgesetzt, weil derzeit so viele kleine Fische vorhanden sind“, erklärt Richter, der als Geschäftsführer des Anglerverbandes Leipzig und den dazu gehörenden 11.000 Mitgliedern aus 200 Vereinen regelmäßig in der hiesigen Seenlandschaft regulierend eingreift. Jährlich engagieren sich die Angler vier bis fünf Stunden ehrenamtlich. Fischbestände von rund 350 gepachteten oder gekauften Gewässern werden dabei gepflegt.

Da der Auensee keine oberirdischen Zu- oder Abgänge hat und nur Grundwasser zufließt, das sauerstofflos und aufgrund der enormen Menge an Nährstoffen belastet ist, bilden sich leicht toxische Blaualgen. Der See verliert so sein Gleichgewicht, weil Fäulnis- und Zersetzungsprozesse ablaufen.

So nimmt ab einer Wassertiefe von zweieinhalb Metern der Sauerstoffgehalt sprunghaft ab und das giftige Schwefelwasserstoff zu. „Dadurch leben die Fische nur noch im oberen Bereich und kommen kaum an Nahrung in unteren Regionen heran“, verdeutlicht Richter das Problem.

In den vergangenen Jahren veranlasste die Stadt immer wieder Notbelüftungen, um das Aussticken der Fische durch Blaualgen zu verhindern. Jetzt soll die langfristig angelegte Gewässertherapie Sedimente am Grund abbauen. Um Vandalismusschäden vorzubeugen, werden die Belüfter jeweils im Herbst geflutet und sinken dann unter die Wasseroberfläche.

Bei wärmeren Temperaturen im Frühjahr taucht die Anlage dann wieder auf. Parallel zur Therapie werden, wie schon seit Jahren, Proben entnommen und von der Universität Leizpig untersucht. "Gerade im ersten Jahr ist das wichtig, um Fortschritte zu erkennen", erklärt Kruspe und blickt in die Zukunft: "Der Auensee soll kein Badeort werden. Davon haben wir in Leipzig genug. Wir wollen langfristig einen Landschaftssee aus ihm machen, wo ausgewogene Verhältnisse herrschen."

Neu ist das Problem im Auensee nicht. Das Leiden des Standgewässers begann bereits Anfang der 1940er Jahre, als Schlammeinspülungen zu anderthalb Meter dicken Ablagerungen führten. In den 1960er Jahren gelangten immer mehr Schadstoffe aus Chemiebetrieben in den See, der nun umzukippen drohte.

1979 verhängte die Stadt absolutes Badeverbot. Bereits im Jahr 2000 begann die Renaturierung des damaligen Badesees, welche die sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt förderte. Dabei waren „Unterwasserstaubsauger“ in Einsatz. Der Grund wurde von 17.000 Kubikmetern Schlamm befreit. Angestrebt war damals, das Gewässer wieder zum Baden freigeben zu können. Doch daraus wurde nichts. Wie sich herausstellte, blieben die Böden nach der Behandlung belastet.

Der Auensee war einst eine beliebte Badeoase. Er entstand mit dem Bau des Leipziger Hauptbahnhofes. Bis 1913 wurde im Auwald am Rande von Wahren der Kies ausgebaggert. Das Restloch füllte sich mit Grundwasser, fast eine halben Million Kubikmeter Wasser. Noch 1913 öffnete das Strandbad seine Pforten und entwickelte sich schnell zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Leipziger.

Rund um den Badeort entstand zwischen 1912 und 1914 der Luna-Park, damals Deutschlands größtes Vergnügungsparadies. 1932 kam jedoch das Aus, der Betreiber meldete Insolvenz an. Der Luna-Park wurde noch vor Beginn des Zweiten Weltkrieges abgerissen. Was blieb, war das prächtige Hauptrestaurant, zu jener Zeit die gastronomische Perle in Leipzig. Dieses Gebäude wurde 1936 in „Haus Auensee“ umbenannt und dient heute als Konzerthalle.

Annett Böhm, Günther Gießler, Mathias Orbeck

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