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Neue Häuser aus alten Materialien – Leipziger Firma Atrium macht es vor

Clevere Lückenfüller Neue Häuser aus alten Materialien – Leipziger Firma Atrium macht es vor

Die Leipziger Firma Atrium baut neue Häuser aus alten Materialien. Die gebäude sind besonders energiesparend und massiv.

Die Betriebskosten der Zollhäuser in Plagwitz liegen bei 1,21 Euro pro Quadratmeter.

Quelle: privat

Leipzig. Das Schließen von Baulücken ist ein überragendes Thema für Leipzigs Stadtentwicklung in den nächsten Jahren. Eine Firma, die dabei ebenso ungewöhnlich wie clever vorgeht, residiert in der Waldstraße. Sie engagiert sich aber in verschiedensten Lagen, hat zum Beispiel erst unlängst ein Wohnensemble an der Ecke Eilenburger-/Riedelstraße als „Tor zum Lene-Voigt-Park“ fertiggestellt.

Die Atrium Baubetreuungsgesellschaft errichtet Häuser, die „kein ästhetischer Einheitsbrei“ sind, sagt Inhaber Michael Suhr. Sie stemme sich bewusst gegen den Trend, immer dickere Wärmedämm-Verbundsysteme an die Fassaden zu heften, um strenge Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu erfüllen. Dass es auch anders und vor allem besser geht, habe die Firma bei den Zollhäusern am Plagwitzer Güterbahnhof bewiesen. 2013 wurde dort die Umwandlung eines leerstehenden, 200 Meter langen und denkmalgeschützten Klinkergebäudes in 22 Eigentumswohnungen abgeschlossen. „Inzwischen liegen erstmals die Betriebskostenabrechnungen vor und weisen einen Mittelwert von 1,21 Euro pro Quadratmeter aus“, berichtet der Atrium-Chef stolz. Der Durchschnitt in Leipzig etrage 2,30 Euro – also nahezu das Doppelte.

Die Betriebskosten der Zollhäuser in Plagwitz liegen bei 1,21 Euro pro Quadratmeter.

Die Betriebskosten der Zollhäuser in Plagwitz liegen bei 1,21 Euro pro Quadratmeter.

Quelle: privat

Das Geheimnis dieses Erfolgs sei eine Kombination aus eigenem Blockheizkraftwerk, einem Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung und dem Einsatz mineralischer Innendämmplatten. Als Ersatz für den nicht vorhandenen Keller bekam jede Wohnung noch einen Übersee-Container hinters Haus. „Diese Idee stammte vom Denkmalschutz“, sagt er.

Bei ihren Neubauten erreiche die Firma sogar stets den sehr hohen Standard eines KfW-Effizienzhauses 40, was fast einem Passivhaus entspricht. So wurden die Nebenkosten für die 29 Wohnungen im „Tor zum Lene-Voigt-Park“ auf 1,40 Euro pro Quadratmeter kalkuliert. Weil bei diesem Sechsgeschosser nicht auf den Fahrstuhl verzichtet wurde, ist dies ein wenig mehr als bei den flachen Zollhäusern in Plagwitz. In der Neubau-Kita Platnerstraße an der Gohliser Mühle, die Atrium ebenfalls restaurierte, kamen durch Solarthermie und Pufferspeicher 1,21 Euro pro Quadratmeter heraus.

Auf dem Gelände einer früheren Großwäscherei an der Eilenburger Straße entstand jüngst dieser Neubau, der fast den Energiestandard eines Passivhauses erreicht.

Auf dem Gelände einer früheren Großwäscherei an der Eilenburger Straße entstand jüngst dieser Neubau, der fast den Energiestandard eines Passivhauses erreicht.

Quelle: privat

Erdwärme, Photovoltaik oder eben die modernen Lüftungssysteme, die übrigens besonders geeignet für Allergiker sind – das alles gehöre heute zum Alltag vieler Projektentwickler, so der 51-Jährige. Ein Unterschied sei jedoch, dass Atrium auf alle Materialien verzichtet, für die noch keine Langezeitstudien vorliegen. „Damit sichern wir die Wertbeständigkeit der Objekte. Von der Holztreppenstufe bis zum Dach – wir versuchen nicht, das Alte zu kopieren, aber das Schöne des alten Materials aufzunehmen.“ Um die Energieeffizienz zu erreichen, konstruiere das 1994 gegründete Unternehmen einfach die Außenwände dicker. „Und zwar massiv, wie bei unseren Vorfahren.“ Die Wohnungen am Lene-Voigt-Park hätten dennoch moderate 2500 Euro pro Quadratmeter gekostet.

Ein weiterer Neubau dieser Art mit 22 Wohnungen ist schon fast fertig. Er heißt „St. Florian“, steht in der Franz-Mehring-Straße gleich neben der Feuerwache Nord. Als nächstes sollen Häuser in der Volckmarstraße am Friedenspark und ab Herbst in der Ehrensteinstraße am Richter-Park entstehen. Zudem gehe Atrium einen ganz besonderen Standort an: Neben den wunderbaren Jugendstilhäusern in der Straße des 18. Oktober sei ein energieeffizienter Neubau mit 22 Wohnungen „im gleichen Stil“ geplant, erläutert Suhr. Man darf gespannt sein.

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