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Neue Stolpersteine erinnern an jüdisches Leben in Leipzig

Insgesamt 389 Mahnmale Neue Stolpersteine erinnern an jüdisches Leben in Leipzig

Stein für Stein: Zur Erinnerung an jüdisches Leben in Leipzig wurden am Sonnabend vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig 29 neue Stolpersteine in die Gehwege verlegt. Damit liegen insgesamt 389 Mahnmale für die Opfer der NS-Diktatur vor den ehemaligen Wohnorten ermordeter Bürger.

Frisch eingelassen: Fünf der 29 neuen Stolpersteine in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Stein für Stein: Zur Erinnerung an jüdisches Leben in Leipzig wurden am Sonnabend vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig 29 neue Stolpersteine in die Gehwege verlegt. Damit liegen insgesamt 389 Mahnmale für die Opfer der NS-Diktatur vor den ehemaligen Wohnorten ermordeter Bürger.

„Deine Freude, dass ich noch lebe, wird aufgehen in der Trauer, dass ich allein nur geblieben bin.“ Diese Worte schrieb Salomon Lederberger im Juli 1945 an seine Schwester in Palästina. Die Eltern und die kleinere Schwester wurden ermordet. Über 70 Jahre später stehen Nachfahren vor dem Wohnhaus der ehemaligen Leipziger Familie in der Funkenburgstraße 14. „Wir sind das erste Mal in Leipzig“, sagt Talya Lador-Fresher. „Es ist für uns ein sehr bewegender, emotionaler Moment.“ Als 13-Jähriger habe ihr Großvater Salomon Leipzig verlassen müssen. „Es wurde für ihn ein Sehnsuchtsort. Immer wieder hat er von der Stadt erzählt. ,Leipzig ist die schönste Stadt der Welt‘.“ Wiedergesehen habe er sie nicht. Heute fühlt sich Talya dem Andenken ihrer Vorfahren verpflichtet. Die 45-Jährige engagiert sich als israelische Botschafterin in Wien. Nach Leipzig hat sie ihre Tochter und ihren Sohn mitgebracht. Gemeinsam erkunden sie die Stadt, von der Salomon Lederberger nur noch erzählen konnte.

Auch vor der Schmidt-Rühl-Straße 5 b stehen Angehörige einer ehemaligen Leipziger Familie. Damals lebte Sally Forst in Schönefeld. „Sally war Jude. Deshalb sollte seine Familie aus Deutschland abgeschoben werden. Der derart bedrängte Mann nahm sich das Leben und rettete damit seine Frau und seine Tochter“, berichtet Achim Beier von der Arbeitsgruppe Stolpersteine, welche die Aktionen organisiert. Eine weitere Station an diesem Tag führt in die Nordstraße 27. Auch hier hat sich eine große Gruppe versammelt. Darunter Schüler der 94. Ober- und UNESCO-Projektschule in Grünau. „Wir haben uns im Neigungskurs mit jüdischem Leben in Leipzig beschäftigt“, erzählen Jasmin und Lucy. „Viele Schicksale berühren uns tief. Heute wollen wir an eines erinnern: An den Lebensweg von Theodor Boss. Er wohnte in dem ehemaligen Haus in der Nordstraße 24. Theodor gehörte zu den jüdischen Männern, die nach der Pogromnacht 1938 verhaftet und 1941 im Konzentrationslager Dachau ermordet wurden.“

Mit dem Thema Hass und Ausgrenzung setzen sich die Schüler bereits das gesamte Schuljahr auseinander. Im Theater der Jungen Welt (TdjW) besuchten sie das Stück „Juller“, das an den deutsch-jüdischen Nationalspieler Julius „Juller“ Hirsch erinnert. „Macht den Mund auf. Engagiert euch für eine friedliche, gerechtere Welt ein“, habe TdjW-Intendant Jürgen Zielinski die Mädchen und Jungen gemahnt. „Mit unserem Kommen wollen wir Verantwortung zeigen“, sagen die Schüler der 94. und legen weiße Rosen neben den blank geputzten Stolperstein.

Erinnerungsmale liegen seit Sonnabend auch an der Dohnaniy-/Ecke Hans-Poesche- Straße. In dieser Gegend wohnten die Eheleute Kessel. Auch ihr Leben wurde zerstört. Die Eltern konnten nur sieben ihrer neun Kinder ins Ausland retten. Sie selbst und zwei ihrer Kinder wurden in Riga und Auschwitz ermordet. Berührend ist auch das Schicksal der Familie Pomeranz. Sie gehörte zu jenen, die mit dem ersten Todestransport nach Riga kamen. Stolpersteine sind nun auf dem Parkplatz an der Querstraße nicht zu übersehen. Erinnern und mahnen möchten diese auf dem Gehweg in der Karl-Heine-Straße 47. „Hier wohnte Georg Rosenbaum. 1933 gelang ihm die Flucht nach Holland. Nach der deutschen Besatzung brachte man ihn in die Lager Westerbork, Theresienstadt, Auschwitz und Bergen-Belsen, wo er ums Leben kam. Seine Mutter wurde befreit und überlebte Theresienstadt“, berichtet Beier.

Ingrid Hildebrandt

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