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Neue Stolpersteine in Leipzig für Elli Helm, Familie Rafe und andere NS-Opfer

Gedenken Neue Stolpersteine in Leipzig für Elli Helm, Familie Rafe und andere NS-Opfer

Am Montag hat der Kölner Künstler Gunter Demnig wieder sogenannte Stolpersteine vor Leipziger Wohnhäusern angebracht, die an Opfer der NS-Diktur erinnern.

Günter Demnig (Mitte) mit Clara und Barbara Ringel, Orly Goldstein und den Schülern der Neuen Nikolaischule bei der Verlegung der Stolpersteine in der Hainstraße 31 in Leipzig.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig/Chemnitz/Dresden. 334 Stolpersteine – ebenerdig vor früheren Wohnstätten der zwischen 1933 und 1945 verfolgten, deportierten und ermordeten Mitbürger verlegt – waren bislang auf Leipziger Gehwegen eingelassen worden. Am Montag kamen 27 hinzu. Schon um 9 Uhr hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig vor Ort erneut zu Mörtel und Kelle gegriffen, um gleich die ersten 14 davon in der Hainstraße 31/Ecke Brühl 2 ins noch frische Pflaster vorm neuen Einkaufstempel Hainspitze in den Boden einzulassen. Ein bewegender Augenblick für Angehörige und Nachfahren der jüdischen Familie Rafe, die teils aus Tel Aviv, teils aus New York angereist waren. Und für neun Zwölftklässler der Neuen Nikolaischule, die sich speziell diese vom Erich-Zeigner-Haus-Verein initiierte Stolperstein-Geschichte zum Schülerprojekt gemacht hatten! „Es ist einfach ein Gänsehautmoment“, sagte Josefine von der Projektgruppe, als abschließend alle eine weiße Rose auf die Steine legten, begleitet von Musiker André Bauer mit einem sanften Saxophon-Solo. „Es ist gut, dass diese Schicksale für die Allgemeinheit im öffentlichen Bild sichtbar werden und an diese Menschen erinnern“, so Josefines Mitstreiter Victor. Auf diesen Abschluss ihrer langen Recherchearbeit „stolz zu sein“ wollte er es dennoch nicht nennen. „Dazu ist das, was da damals passierte, einfach zu traurig“, fand er.

„Zum Projektstart waren wir seinerzeit ja noch von fünf Familienmitgliedern der Rafes ausgegangen. Doch die Schülerrecherche ergab: Hermann Rafe war ,nur’ eines von vier Kindern der Eltern Boruch und Ester Rafe“, erzählte Henry Lewkowitz, der Vize-Vorsitzende des Zeigner-Haus-Vereins. Letztlich zählte die Familie dann über drei Generationen bis zu 14 Mitglieder, die unterschiedlichen Repressionen und KZ-Aufenthalten während des Nationalsozialismus ausgesetzt waren und eigentlich alle mit einem Stolperstein bedacht werden müssten. Acht Familienmitglieder kamen ums Leben, vier Angehörige überlebten, zwei starben im Zuge der Verfolgung. Zunächst konnten die Nikolai-Schüler einen Kontakt mit Clara Herc-Ringel in New York herstellen, deren Mutter eine geborene Rafe war und die der Projekttrupp im Online-Archiv Yad Vashem gefunden hatte. Geboren 1929, hatte Clara das Ghetto Lodz und die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau sowie Bergen-Belsen überlebt. Durch sie erfuhren die Leipziger vom Familienzweig, der seinerzeit nach Israel geflohen war: Per Facebook machten sie da letztlich in Tel Aviv Orly Goldstein aus. Sie ist Hermann Rafes (1905–1989) Enkelin, ihre Mutter Bat Ami dessen Tochter.

Dass gestern nun für alle Rafes ein Stein in Sichtweite ihrer früheren Wohnstätten Hainstraße 31/Brühl 2 verlegt wurde, sollte so eine Art symbolische Familienzusammenführung nach all den Schrecken der Naziverfolgung sein.

Der ältesten der angereisten Rafe-Nachfahren, die 86-jährige Clara Herc-Ringel, war anzusehen, wie schwer ihr ums Herz war, als die kleinen Steine mit den Namenszügen ihrer Angehörigen auf dem Messing in den grauen Septemberhimmel blinkten. „Ich habe gute Erinnerungen an diesen Platz, wo ich als Kind zuhause war“, so die gebrechliche alte Dame. „Und schlechte. Weil ich mit Vater, Mutter und Schwester von hier aus 1938 zunächst ins Ghetto Lodz gebracht wurde – und als einzige von ihnen überlebte.“

Für Josefine, Victor und Mitstreiter steht unterdessen fest, dass sie sich fortan auch um die Pflege „ihrer“ Stolpersteine kümmern werden.

Von Angelika Raulien

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