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Lokales Neuer Eigentümer vom Hotel Astoria ist sehr verschwiegen und umstritten
Leipzig Lokales Neuer Eigentümer vom Hotel Astoria ist sehr verschwiegen und umstritten
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00:17 09.06.2016
Steht seit fast 20 Jahren leer und verfällt zusehends: das altehrwürdige Hotel Astoria. Jetzt wurde es an einen israelischen Fonds-Experten verkauft. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Kauft wirklich jemand ein abgewirtschaftetes Gebäude für etwa zehn bis zwölf Millionen Euro, ohne einen konkreten Plan damit zu verbinden? Diese Frage trieb in den vergangenen Tagen so manchen Projektentwickler in Leipzig um. Zehn bis zwölf Millionen Euro – das war der Preis, der Interessenten hin und wieder vom früheren Eigentümer Blackstone genannt wurde. Doch der riesige Vermögensverwalter aus den USA schickte sich nie wirklich an, die einstige Nobelherberge aus einem mit vielen Schulden belasteten Immobilien-Paket herauszulösen.

Erst Ende 2015 verkaufte Blackstone das ganze Paket mit einem Dutzend früherer DDR-Interhotels für 600 Millionen Euro an zwei andere Milliardenkonzerne. Diese reichten jüngst zehn Häuser davon – laut der Hotel- und Gaststättenzeitung für rund 800 Millionen Euro – an ein französisches Konsortium sowie die Kölner Event-Hotel-Gruppe weiter. Hierzu gehörten auch das The Westin und Radisson Blu in Leipzig. Wie die LVZ exklusiv berichten konnte, jedoch nicht das vor reichlich 100 Jahren eröffnete Astoria.

Auf Nachfrage bestätigte gestern die Berliner Firma Intown Property Management einen Bericht der Bild-Zeitung, dass sie die Immobilie neben dem Leipziger Hauptbahnhof erworben hat. Nach LVZ-Informationen hatten sich auch ortsansässige Projektentwickler um den Kauf des denkmalgeschützten Gebäude-Ensembles bemüht, jedoch keinen heißen Draht zu den bisherigen Besitzern gefunden. Auch Anfragen aus dem Rathaus zum Stand der Dinge waren von Blackstone immer wieder ignoriert worden, so Stadtplanungsamtsleiter Jochem Lunebach. „In den letzten zehn Jahren war das Astoria für uns nur eine Blackbox. Man kam einfach an niemanden heran“, sagte er vor wenigen Tagen. „Ich hoffe, dass sich dies nun ändert. Gleich wer der neue Eigentümer ist.“

Allerdings gilt auch Intown als schwieriger Partner. In Hannover hat sich die Stadtverwaltung erste vorige Woche in ungewöhnlich scharfem Ton über den Berliner Investor beklagt. Dort konnte Intown bei einer Zwangsversteigerung im Februar 2015 das riesige Ihme-Zentrum mit mehreren Büro-Hochhäusern sowie Handelsflächen für 16,5 Millionen Euro kaufen. Nun hieß es in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus Hannover: „Nach mehr als einem Jahr Gesprächen betrachtet die Landeshauptstadt ihre Erwartungen an den Investor als nicht erfüllt.“

Ebenfalls 2015 erwarb Intown die Immobilie eines veralteten Hotels in Hannover, für das der bisherige Betreiber Maritim seinen Pachtvertrag nicht mehr verlängern wollte. Zwar folgte bald ein Architektenwettbewerb zur Umgestaltung in ein modernes Hotel. Doch zunächst sollte das Haus für zwei bis drei Jahre als Flüchtlingsunterkunft dienen. Bei dem dafür notwendigen Umbau, so berichteten Zeitungen in Hannover, gab es erhebliche Probleme und Verzögerungen.

Intown gehört zum äußert intransparenten Firmenreich des milliardenschweren Fonds-Experten Amir Dayan. Der Israeli ist als Projektentwickler in Osteuropa, Schweden, den Benelux-Staaten und vor allem in Deutschland aktiv, nutzt als Sitz von Gesellschaften häufig Zypern. In Berlin ist Dayan als Geschäftsführer der Firma PBM Germany eingetragen, die vor allem Nobelhotels oder Apartmenthäuser für Touristen und Geschäftsreisende entwickelt. In Hannover verhandelte Dayan mehrfach selbst für Intown mit Oberbürgermeister Stefan Schostock. Es war fast schon eine Ehre: Dayan gilt als sehr öffentlichkeitsscheu, aus seinen Firmen dringt nur selten etwas nach außen.

Immerhin: Unter anderem mit dem Crowne Plaza am Potsdamer Platz in Berlin und dem Holiday Inn am Dresdner Zwinger hat Intown jüngst neue Hotels aus alten Mauern geschaffen. Folglich ist es sicher mehr als ein Fingerzweig, dass ein Vertrauter Dayans gestern der LVZ zur Zukunft des Astorias erklärte: „Mit Hotels kennen wir uns am besten aus.“ Mehr allerdings wollte er nicht sagen.

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