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Neuer Leipziger Agenturchef: Bald eine Sechs vor dem Komma

LVZ-Sommerinterview Neuer Leipziger Agenturchef: Bald eine Sechs vor dem Komma

Seit gut 100 Tagen ist der neue Chef der Arbeitsagentur im Dienst. Steffen Leonhardi (48) leitet die 650 Mitarbeiter starke Behörde als Nachfolger von Reinhilde Willems, die in die Regionaldirektion der Arbeitsagentur nach Chemnitz wechselte.

Steffen Leonhardi (48) ist Diplom-Verwaltungswirt (Studium: 1993 bis 1996 in Mannheim). 1996 wurde er Rehabilitationsberater bei der Agentur für Arbeit in Zwickau, später in Oschatz. 2003 war er dort Team-, später Bereichsleiter. Ab 2005 baute Leonhardi als Geschäftsführer die Arge Oschatz-Torgau auf. 2011 bis 2013 war er in der Regionaldirektion Chemnitz tätig und wurde 2014 in die Arbeitsagentur Riesa berufen – zunächst als operativer Geschäftsführer, später als Vorsitzender der Geschäftsführung. Leonhardi ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt in Oschatz.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig.. Seit gut 100 Tagen ist der neue Chef der Arbeitsagentur im Dienst. Steffen Leonhardi (48) leitet die 650 Mitarbeiter starke Behörde als Nachfolger von Reinhilde Willems, die in die Regionaldirektion der Arbeitsagentur nach Chemnitz wechselte.

Im Jahr 2015 gab es aus Ihrem Haus bei einer Arbeitslosenquote von 8,9 Prozent die Prognose, dass die Zahlen wieder steigen würden – unter anderem durch den Zustrom an Flüchtlingen. Es kam anders.

Im Juni lag die Quote bei 7,6 Prozent – das sind 1,1 Prozentpunkte unter dem Vorjahresmonat, ein sehr deutlicher Rückgang von rund 2700 arbeitslosen Menschen innerhalb eines Jahres. Nach den Prognosen wird es weitere Zuwächse geben, auch bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Arbeitslosigkeit wird weiter sinken. Ich denke, wir haben noch dieses Jahr eine Sechs vor dem Komma.

Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Leipzig ist eine sehr dynamische Stadt. Es gibt natürlich die Leuchttürme wie Porsche, BMW, DHL. Aber die Wirtschafts- und Betriebsstruktur ist mit mehr als 98 Prozent im klein- und mittelständischen Bereich sehr heterogen. Somit gibt es Beschäftigung für viele Menschen mit verschiedenen Abschlüssen.

Die lebensbegleitende Berufsberatung läuft seit März als Modellprojekt in Leipzig, Düsseldorf und Kaiserslautern/Pirmasens. Was steckt dahinter?

Unser Dienstleitungsangebot wird erweitert. Zum einen für Jugendliche am Übergang von der Schule zum Beruf. Die berufliche Orientierung wird gemeinsam mit der Sächsischen Bildungsagentur sowie den Schulen intensiviert und beginnt früher, um zu einer treffsicheren Entscheidung zu kommen. Zum anderen im Erwerbsleben: arbeitslosen oder von Arbeitslosigkeit bedrohten und erwerbstätigen Menschen wird eine Beratung angeboten. So erfahren sie, wie sie am Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig bleiben.

Wie ist der Stand?

Die beruflichen Orientierungsangebote sind angelaufen. Und wir haben bisher rund 200 Leute im Erwerbsleben beraten.

Wie funktioniert die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt?

Bei Agentur und Jobcenter sind knapp 6000 Geflüchtete registriert, davon sind mehr als 90 Prozent im Jobcenter gemeldet. Das sind Arbeitslose, aber zum Beispiel auch Menschen, die einen Integrationskurs besuchen. 2016 ist es gelungen, knapp 600 Leute in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, dieses Jahr sind wir aktuell bei circa 250.

Wieviele der Flüchtlinge sind in Leipzig arbeitslos gemeldet?

Circa 1600. Diese Zahl meint nur die tatsächlich gemeldeten Arbeitslosen. In den 6000 bei Agentur und Jobcenter regis-trierten Menschen sind zum Beispiel ganze Familien enthalten, also auch Kinder.

Wo sind die tätig, die es geschafft haben?

Unter anderem im Servicebereich der Hotelerie und Gaststätten und im verarbeitenden Gewerbe.

Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig (HWK), war nach einer Veranstaltung für Flüchtlinge in der Agentur ernüchtert. 500 waren gekommen, am Ende zeigten 90 Interesse, und nur zehn unterschrieben einen Vertrag. So richtig klappt es nicht, oder?

Das A und O einer Vermittlung ist die Sprache. Ein guter Teil der Geflüchteten besucht derzeit Integrationskurse, um die Sprache zu erwerben. Dazu kommen völlig andere Niveaus bei der Schul- und Berufsbildung. Hier braucht Integration Zeit. Deshalb ist es bei so großen Informationsveranstaltungen normal, dass erstmal wenige mit einem Vertrag rausgehen. Die Voraussetzungen müssen erst geschaffen werden. Entscheidend ist, dass sich Arbeitnehmer und Unternehmen kennen lernen, Voraussetzungen und Anforderungen abgleichen können. Dazu gab es weitere Veranstaltungen, etwa im HWK-Bildungszentrum Borsdorf für den Baubereich – mit einzelnen Erfolgen. Ein junger Mann aus Damaskus hat kurz darauf bei einer Tiefbaufirma begonnen. Wir als Agentur und Jobcenter helfen über individuelle Fördermaßnahmen, die Menschen an den Arbeitsmarkt und mit Arbeitgebern zusammen zu bringen. Mit dem Projekt „Kochen mit Flüchtlingen“ der Fachkräfteallianz Leipzig versuchen wir zum Beispiel, junge Leute an den Beruf des Kochs heranzuführen. Zusammen mit dem Dehoga, dem Leipziger Ratskeller und weiteren Gastronomen.

Was sind neben der Sprache die größten Hürden?

Für die Ausbildung sind bestimmte Grundkenntnisse erforderlich. Die sind sehr unterschiedlich ausgeprägt – je nachdem, in welchem Schulsystem die Menschen großgeworden sind. Manche haben keine Schule besucht, andere haben Grundschulniveau, wieder andere relativ gute, mit unseren vergleichbare, Schulabschlüsse. Bei den Menschen mit Ausbildung oder beruflichen Vorkenntnissen entsprechen etwa 20 Prozent dem hiesigen Ausbildungssystem. 80 Prozent haben Qualifizierungsbedarf.

Zu Ihnen: Was haben Sie nach den
100 Tagen in Leipzig für einen Eindruck?

Es war eine sehr arbeitsreiche, intensive Zeit. Ich habe Netzwerkpartner kennengelernt: Industrie- und Handelskammer (IHK), HWK, Stadtverwaltung, Unternehmer. Ich habe viel zugehört, viel gelernt. In der Agentur gehe ich weiter in die Teams, möchte die Mitarbeiter kennenlernen.

Der größte Unterschied zur Agentur Riesa, die Sie davor geleitet haben?

Leipzig ist mit rund 650 Mitarbeitern ein deutlich größeres Haus als Riesa, wo rund 100 Kollegen arbeiten. Die Stadt hat eine deutlich höhere Dynamik als andere Regionen – zum Beispiel gemessen an der Entwicklung der Beschäftigung.

Was werden Sie ändern?

Mit mir ist am Standort das skizzierte Modellprojekt der lebensbegleitenden Berufsberatung gestartet. Das will ich forcieren und ausbauen. Es wird zusätzlichen Bedarf durch die Beschäftigungssteigerung geben. Hier gilt es, kleine und mittelständische Firmen zu unterstützen, wenn zum Beispiel kein eigener Personalbereich vorhanden ist. Mir ist wichtig, dass es uns weiter gelingt, arbeitslose Menschen an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Fachkräfte zur Verfügung stehen, die gebraucht werden. Und dass die eine Chance bekommen, die einen schweren Zugang zum Arbeitsmarkt haben, zum Beispiel durch eine intensive Qualifizierungsoffensive. Für den Berufseinstieg gilt: Jeder Jugendliche hat Talente, Kompetenzen und Stärken, die wir möglichst vollständig nutzen müssen. Wir können es uns nicht leisten, dass jemand verloren geht. Jeder wird gebraucht.

Interview: Björn Meine

Von Björn Meine

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