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Lokales Neuer Leipziger Rabbiner Jochanan Guggenheim in Frankfurt ordiniert
Leipzig Lokales Neuer Leipziger Rabbiner Jochanan Guggenheim in Frankfurt ordiniert
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14:48 26.09.2016
Blick in die Leipziger Synagoge. (Archivfoto) Quelle: dpa
Frankfurt a.M.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat am Montag in Frankfurt am Main die Ordination von drei Rabbinern gefeiert – darunter auch von Jochanan Guggenheim. Der gebürtige Duisburger soll künftig Rabbiner Zsolt Balla in der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig unterstützen.

„Die Ordination neuer Rabbiner zeigt wie kaum ein anderes Ereignis die Stärke unserer Gemeinschaft“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster am Montag in der Frankfurter Westend-Synagoge. Schuster warnte, durch den Erfolg der Partei AfD und anderer Rechtspopulisten sowie der steigenden Zahl von Islamisten wehe „ein kalter, heftiger Wind durch Deutschland“. Ihm setzten die jüdischen Gemeinden ihre Werte und Gebote entgegen. „Wir zeigen, dass das geht. Wir lassen unsere Werte nicht einfach wegpusten. Das haben wir schon über Jahrtausende bewiesen“, sagte Schuster.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bezeichnete die Ordination der Rabbiner als „ein herausragendes Ereignis und Anlass großer Freude für unser Land“. Es sei „die Fortsetzung eines Stücks bedeutender deutsch-jüdischer Geschichte“, sagte Bouffier. Das jüdische Leben habe wieder einen festen Platz in der deutschen Gesellschaft. „Mit der Rückkehr der jüdischen Kultur ist auch unser Land wieder zu unserer Kultur zurückgekehrt.“ Die Perspektive des jüdischen Glaubens sei für die gesamte Gesellschaft eine Bereicherung. Israel- und Judenfeindlichkeit „dulden wir nicht“, sagte der Ministerpräsident.

Die drei ordinierten Theologen haben nach Angaben des Zentralrats der Juden ihre Ausbildung am orthodoxen Rabbinerseminar in Berlin abgeschlossen. Rabbiner Nosson Kaplan wird Assistenzrabbiner der Jüdischen Gemeinde Osnabrück. Jochanan Guggenheim wird ab Oktober in Leipzig als Assistenzrabbiner arbeiten, und Rabbiner Benjamin Kochan ist als Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde Erfurt sowie als Landesrabbiner von Thüringen tätig. „Für eine jüdische Gemeinde ist es ein großer Gewinn, einen eigenen Rabbiner zu haben. Das stärkt den Zusammenhalt und die Identifikation“, sagte Zentralratspräsident Schuster.

Seit 2009 werden wieder orthodoxe Rabbiner in Deutschland ordiniert. In jenem Jahr wurde auch das Rabbinerseminar in Berlin als Nachfolgeinstitution für das 1938 durch die Nationalsozialisten geschlossene Hildesheimer'sche Rabbinerseminar in Berlin gegründet. Bisher wurden nach Angaben des Zentralrats in München, Leipzig, Köln und zuletzt 2014 in Würzburg insgesamt acht orthodoxe Rabbiner nach einem Studium zu Geistlichen erklärt. Angehende Rabbiner der liberalen Richtung können in dem 1999 gegründeten Abraham-Geiger-Kolleg an der Universität Potsdam ihr Studium absolvieren. Es steht nach eigenen Angaben in der Tradition der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, die 1942 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde.

Die erste Ordination eines liberalen Rabbiners in Deutschland nach 1945 fand 2006 in Dresden statt. Meistens gibt es nach Angaben des Zentralrats abwechselnd in einem Jahr eine Ordination liberaler Rabbiner und im anderen Jahr eine Ordination orthodoxer Rabbiner.

Von LVZ

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