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Neuer Musikpavillon könnte auch WC-Notstand im Leipziger Clara-Park beenden

Entwicklungskonzept Neuer Musikpavillon könnte auch WC-Notstand im Leipziger Clara-Park beenden

Es ist viel mehr als die Idee von einem neuen Musikpavillon, die Studenten der HTWK für Park-Gastronom Eberhard Wiedenmann visualisiert haben. Der Neubau könnte auch den WC-Notstand im Clara-Zetkin-Park beenden, den die Stadt seit Jahren verdrängt.

So könnte die Ausflugsgaststätte „Musikpavillon“ künftig aussehen: Mit dem Glas-Neubau anstelle des bisherigen Holzhauses ließe sich auch das Problem der bislang fehlenden öffentlichen Toiletten im Clara-Zetkin-Park lösen. Die WC-Anlage würde der Betreiber großzügig unter der Gaststätte integrieren.

Quelle: Grafik Musikpavillon

Leipzig. Es ist viel mehr als die Idee von einem neuen Musikpavillon, die Studenten der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) für Park-Gastronom Eberhard Wiedenmann visualisiert haben. Der Neubau könnte auch ein Problem lösen, das die Stadt seit Jahren hartnäckig verdrängt.

Mit sechs symbolisch am Eingang zur Parkgaststätte aufgestellten Dixi-Klos machte Wiedemann gestern zusammen mit den Stadträten Sabine Heymann (CDU) und Siegfried Schlegel (Linke) auf ein drückendes Problem aufmerksam: Der Clara-Zetkin-Park braucht mehr öffentliche Toiletten!

„An so sonnigen Tagen wie am vergangenen Sonntag bildet sich regelmäßig eine lange Schlange vor unserer Toilette“, berichtet der Gastronom. Wartezeiten von 15 bis 30 Minuten seien dann keine Seltenheit, weil die WC nicht nur von den Gästen des Musikpavillons, sondern auch von den übrigen Parkbesuchern aufgesucht werden. Denn es gibt nur ein öffentliches WC im gesamten Park – und das steht unweit der Dahlienterrasse, abseits und versteckt an einem Betriebshof der Stadtreinigung. „Das Problem wird durch die Stadt komplett auf die Gastronomen im Park abgewälzt“, sagt Wiedenmann. „Aber wir können nicht den ganzen Park mit unseren Toiletten versorgen.“ Momentan verfügt der Musikpavillon über fünf Frauen- und zwei Herren-WC. Zu wenig für die seit Jahren extrem steigende Zahl von Erholungssuchenden, die in Leipzigs beliebtesten Park strömen. Im Parkkonzept werde das Thema Sanitäranlagen bisher nicht berücksichtigt. Das kritisieren auch die Stadträte Schlegel und Heymann. „Weil Toiletten die Stadt Geld kosten“, stehe in dem Parkkonzept, das die Ratsversammlung heute beschließen soll, nur unverbindlich: „Prüfung eines weiteren öffentlichen Toilettenstandortes im Johannapark und/oder Clara-Zetkin-Park aus dem Rahmenvertrag für City-Toiletten für die gesamte Innenstadt“. Das reicht den beiden Stadträten nicht aus. „Leipzig ist eine wachsende Stadt und die Menschen werden älter, da ist ein weiteres öffentliches WC zu wenig“, ist Linken-Politiker Schlegel überzeugt. Und dass sich die Parkbesucher mangels Alternativen in die Büsche schlagen müssen, wenn sie mal müssen, ist für seine CDU-Ratskollegin Heymann kein hinnehmbarer Zustand: „Wir können den Park übersäuern, aber dann führen wir auch den Denkmalstatus ad absurdum.“

Doch bevor irgendwo im Park neue WC-Häuschen hingestellt werden, sollten nach Ansicht von Schlegel bestehende baulichen Anlagen genutzt werden. Auch Gastronom Wiedenmann sieht die Lösung darin, „die vorhandenen Standorte weiter zu verdichten“. Er sei bereit zu privaten Investitionen, doch dafür brauche er „Spielräume, um diese zu refinanzieren“. Wiedenmann würde deshalb den Musikpavillon im Stile einer Orangerie nach einem internationalen Architekturwettbewerb neu errichten. Unter einer Konstruktion aus viel Glas, die sich besser als das jetzige Holzhaus in die Landschaft einfügen würde, ließen sich dann im Keller eine moderne, großzügige und barrierefreie öffentliche Toilettenanlage direkt an der Hauptverkehrsachse des Parks errichten. In einem Vorentwurf haben Studenten der HTWK eine grobe Raumaufteilung bereits mit untersucht: 24 WC für Frauen, zehn WC und zehn Urinale für Herren, dazu die jeweiligen Waschräume fänden unter dem Gebäude Platz. Wiedemann rechnet dafür mit Investitionskosten von 1,5 Millionen Euro. Mit 400 Plätzen würde der neue Musikpavillon zwar nicht größer, er böte im Winter statt der derzeit 40 dann aber 100 Plätze, die eine bessere wirtschaftliche Nutzung der Gaststätte ermöglichten.

In einem Änderungsantrag zum Parkkonzept fordern denn auch die beiden CDU- und Linken-Stadträte gemeinsam mit weiteren Ratskollegen der Fraktionen von SPD und Grünen explizit, zur Überwindung des WC-Notstandes im Park „die Potenziale der ansässigen Gastronomen sowie des Schachzentrums zu nutzen“ und die Gastronomen, die zusätzliche WC-Kapazitäten schaffen, „finanziell und planerisch“ dabei zu unterstützen.

Von Klaus Staeubert

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