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Neuer Streit ums Paulinum in Leipzig: Kommt jetzt die rollende Kanzel?

Neuer Streit ums Paulinum in Leipzig: Kommt jetzt die rollende Kanzel?

Im Streit um den Einbau der alten Pauliner-Kanzel in den neuen Aula/Kirchenbau am Augustusplatz wird der Ton schärfer: Die Universität Leipzig hat ein restauratorisches Gutachten erstellen lassen, in dem von einer mobilen Kanzel die Rede ist.

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Das Paulinum am Augustusplatz.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Der Paulinerverein ist empört.

 Die Kanzel war kurz vor der Sprengung der alten Uni-Kirche im Jahr 1968 geborgen worden und gilt als wichtigstes Ausstattungsstück des vernichteten Sakralbaus - besonders wegen ihrer barocken Formensprache und filigranen Schnitzereien. Renommierte Geistesgrößen haben auf ihr gepredigt, darunter im 20. Jahrhundert Franz Lau, Hanns Bardtke, Dedo Müller, Ernst Sommerlath, Studentenpfarrer Siegfried Schmutzler, Pater Gordian sowie Rundfunkpfarrer Heinz Wagner.

 Das wertvolle Stück ist derzeit in mehrere Einzelteile zerlegt in einem Kunstdepot der  Kustodie eingelagert. Laut Uni-Gutachten ist der Kanzelkorb "in seiner statischen Einheit unversehrt". Es wird aber "nicht empfohlen", die Kanzel in die wiedererstandene Aula einzubauen. Denn diese besitze keine Regelung der relativen Luftfeuchtigkeit und deshalb könnte bei Großveranstaltungen mit bis zu 600 Besuchern Feuchtigkeit eingetragen werden, die zu "Klimaspitzen mit möglichen negativen Auswirkungen auf das Objekt" führen. Auch im neuen, deutlich kleineren Andachtsraum sei die Platzsituation für die Kanzel "zu beengt". Dort sei es "schwierig", sie zu befestigen, "ohne die freie Sicht auf die Epithapien zu zerstören". Dagegen könnten die Kanzelbauteile bei einer mobilen Lösung "klimatisiert und räumlich abgeschlossen" zwischengelagert werden.

 

Auch die mobile Lösung wird skizziert: Die Kanzel könnte auf einer "verdeckten Stahlunterkonstruktion" aufgebaut und auf einem "noch zu bestimmenden Transportgestell abgesetzt" werden, heißt es. Für die "Verankerung im Nutzungszustand" sei "auch eine Erweiterung der Rahmenkonstruktion mit vertikalen Stielen denkbar". Hierfür könnte der Kanzelkorb "über vier Ankerpunkte an die Stütze angehängt" werden. Auch Nachteile sind aufgelistet: Beim Transport, Montieren und Demontieren der Kanzelteile sei "mit Schäden an der originalen Substanz" zu rechnen. Deshalb sollte das Aufstellen der Kanzel "nur in Ausnahmefällen und so selten wie möglich" geschehen.

 Für den Paulinerverein ist das völlig inakzeptabel. Vereinsvorsitzender Ulrich Stötzner nennt es "geradezu absurd", dass in der Universität ernsthaft Überlegungen zu einer mobilen Kanzel angestellt werden. "Unser Verein hat bereits 2005 beschlossen, eine vom Nobelpreisträger Günther Blobel initiierte Großspende von 50000 Euro für die Restaurierung der Kanzel zur Verfügung zu stellen. Dieses Geld wartet seitdem auf Abruf." Die Kanzel sei sowohl im Siegerentwurf von 2004 als auch im veränderten Entwurf von 2005 als fester Einbau in der Aula enthalten gewesen - dies müsse jetzt auch so umgesetzt werden.

 Stötzner lässt auch nicht die klimatischen Bedenken gelten. In der Pauliner-Aula müssten keine Großveranstaltungen mit 600 Personen durchgeführt werden, meint er. Für solche gebe es genug andere Möglichkeiten. Wenn die Uni die Obergrenze auf rund 500 Besucher begrenzt, wäre nicht nur das Klima-Problem deutlich geringer. "In der Aula könnten dann auch die sechs Säulen eingebaut werden, auf die zwischenzeitlich verzichtet wurde", so der Vereinsvorsitzende. Gleichzeitig pocht er auf eine Vereinbarung, die die Evangelische Landeskirche, der Freistaat, die Stadt, die Universität und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Dezember 2008 abgeschlossen haben. Sie legt fest, dass die vor der Sprengung geretteten Teile der Universitätskirche St. Pauli nach ihrer Restaurierung an den historischen Ort zurückzubringen sind.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.03.2013

Andrea Tappert

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