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Neuer Urmensch: Leipziger Forscher an Entdeckung in Südafrika beteiligt

Paläontologie Neuer Urmensch: Leipziger Forscher an Entdeckung in Südafrika beteiligt

Wissenschaftlicher Paukenschlag: Anhand von Fossilen aus Südafrika ist eine neue Urmenschen-Spezies dingfest gemacht worden. Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie waren bei dem internationalen Großprojekt dabei.

Sitz des Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie am Deutschen Platz.
 

Quelle: Archiv

Leipzig.  Zuwachs für die urzeitliche Ahnengalerie des modernen Menschen: Ein internationales Forscherteam, dem auch Experten des Leipziger Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie (Eva) angehören, hat heute für einen wissenschaftlichen Paukenschlag gesorgt: Demnach entpuppten sich in Südafrika gefundene Fossilien als einer bisher unbekannten Menschenspezies zugehörig. Federführend bei den Untersuchungen waren Fachleute aus Südafrika und der National Geographic Society. Die Projektleitung oblag Professor Lee Berger von der Universität Witwatersrand in Johannesburg. In der großen Mannschaft, die die Funde eingehend analysierte, wirkten Matthew Skinner und Tracy Kivell vom Eva mit, das in Leipzig am Deutschen Platz seinen Sitz hat.

Im Journal eLife ist heute die Entdeckung publiziert worden. Außerdem wird umfassend über Details der Studie berichtet. Einen Namen bekamen die ausgestorbenen Erdenbürger auch: Homo naledi wurde die Menschenart getauft. Naledi bedeutet in der sogenannten Sosotho-Sprache Stern. Die Namensgebung ist ein Hinweis auf die Fundstätte der menschlichen Überreste, die in der Rising-Star-Höhle im Nordwesten Johannesburgs aufgetaucht waren. Mehr als 1500 Fossilienfragmente konnten die Wissenschaftler dort seit 2013 inventarisieren und fanden heraus, dass sie die Überreste von mindestens 15 Individuen der Art Homo naledi sind. Aufgrund der Fülle des Materials ließ sich die Anatomie dieser Spezies sehr gut rekonstruieren. Rund 1,50 Meter maßen ihre Vertreter und brachten etwa 45 Kilogramm auf die Waage. Die Knochen zeugen auch von einem grazilen Körperbau und von einem Gehirn, das nur die Größe einer Orange hatte.

Anhand der Zähne und anderer Eigenschaften des Schädels stellten die Spezialisten fest, dass der Homo naledi bei diesen Merkmalen den frühesten Vertretern der Gattung Mensch ähnelte – etwa dem Homo habilis, der vor 1,5 Millionen Jahren von der Bildfläche verschwand. Die Schultern würden eher denen von Menschenaffen ähneln, erklärte Skinner und seine Eva-Kollegin Kivell ergänzte, dass die Hände des Homo naledi zur Werkzeugbenutzung geeignet waren. Mit seinen stark gebogenen Fingern könnte er auch ein geschickter Kletterer gewesen sein. Seine Füße unterscheiden sich kaum von denen des modernen Menschen, die langen Beine weisen ihn als ausdauernden Läufer aus.

Im November 2013 konnte bei einer Expedition erstmals jene schwer zugängliche Kammer der Rising-Star-Höhle erreicht werden, in der die Fossilien konserviert waren. Sie stammen von Kindern und jüngeren sowie alten Erwachsenen. Im März letzten Jahres wurde dann erneut zu der Kammer vorgedrungen, um die knöchernen Zeugnisse aus der Vergangenheit ans Licht zu holen. Zwei Monate später fand ein internationaler Workshop statt, bei dem rund 50 Fachleute die Funde eingehend sondierten. Skinner und Kivell nahmen daran teil. „Das war eine unbeschreibliche und produktive Erfahrung“, so Kivell. Bei der Zusammenkunft versuchten sich die versammelten Experten auch einen Reim darauf zu machen, warum der Höhlenraum zum Grab für so viele Homo naledi wurde. Verschiedene Szenarien wurden durchgespielt: Massensterben, Tötungen durch Raubtiere, Transport der Leichname durch Wasser an diesen abgeschiedenen Ort. All diese Varianten wurden verworfen. Als plausibelste Erklärung bleibe nur übrig, dass die Homo naledi ihre Verstorbenen bewusst in der Kammer bestatteten, meinte Teamchef Berger. Bisher wurde davon ausgegangen, dass nur der Homo sapiens so etwas praktiziert.

Bereits 2010 konnte mit dem Denisova-Menschen eine bis dato unbekannte Art der Gattung Homo identifiziert werden. Damals spielte das Eva bei dem Wissenschaftskrimi die Hauptrolle. Unter der Leitung von Professor Svante Pääbo gelang es, aus dem winzigen Stück eines rund 30 000 Jahre alten Fingerknochens das Erbgut zu rekonstruieren. Ein DNA-Abgleich offenbarte dann, dass der fossile Rest von einem Menschen stammte, der weder Homo sapiens noch Neandertaler war. Wie der Homo neanderthalensis starb auch die Denisova-Spezies aus. Ihren Namen hatte sie nach der Fundstelle bekommen – der Denisova-Höhle im Altai-Gebirge, wo 2008 russische Wissenschaftler auf das Fingerknöchelchen gestoßen waren.

Von Mario Beck

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