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Lokales Neues Geschäft in der Ratsfreischulstraße sorgt für ein Stück Argentinien in Leipzig
Leipzig Lokales Neues Geschäft in der Ratsfreischulstraße sorgt für ein Stück Argentinien in Leipzig
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23:59 31.01.2014
Peter (links) und Ramona Zeggel (rechts) mit Tochter Janine und Freund Agustin Fernandez Echegaray im Argentinien-Shop in der Ratsfreischulstraße. Quelle: André Kempner

Geschäft ist fast das falsche Wort: Bei "Don Fernandez" fühlt man sich wie in einer guten Stube. Ein Stück Argentinien mitten in der Leipziger City: Alles, was im Laden steht und hängt, stammt aus fünf Familienbetrieben des südamerikanischen Landes. Schalen, Tabletts, Bilderrahmen aus Alpaka-Silber mit Ziegenhorn, Pashmina-Schals mit Andenmuster, Gürtel und Lederwaren, Schmuck, Stoffe, Decken, Tischläufer. Den Matetee, der in Argentinien immer und überall getrunken wird, gibt es natürlich auch. Ebenso die Karamelcreme Dulce de Leche, fürs Frühstück genauso unentbehrlich wie für die Deutschen Nutella. Und Grillzubehör, da die Argentinier oft und gern grillen.

So interessant wie der Laden ist auch das Pärchen, das ihn führt: Janine Zeggel (25) aus Rostock und ihr Lebensgefährte Agustin Fernandez Echegaray (29) aus Córdoba. Beide sind Studenten: Janine studiert in Leipzig Übersetzung, und Agustin ist Jura-Fernstudent an seiner Heimatuniversität Córdoba. Ihren Laden in Leipzig brauchen sie nicht nur zum Nebenbei-Gelderwerb, sondern er ist der Ort, an dem sich die beiden endlich gemeinsam niederlassen und ihre Ruhe finden können.

Kennengelernt haben sie sich 2010 in Mexiko. Nach einem halben Jahr stand fest, dass sie zusammenbleiben wollen. Sie versuchten es in London (da durfte Agustin nicht einreisen), gingen für mehrere Monate zum Arbeiten nach Andorra und Mexiko, wollten zusammen in Spanien studieren (da wurde Janine nicht angenommen, weil ihr eine Prüfung fehlte), planten ein Leben in Argentinien (da erhielt sie aufgrund bürokratischer Hindernisse keinen Studienplatz). In Leipzig wurde nun alles gut: Janine kann studieren, Agustin bekam eine Daueraufenthaltsgenehmigung, der Druck der Behörden sitzt ihnen nicht mehr im Nacken.

Mittlerweile ist der junge Argentinier Angestellter in Schwiegervaters Firma. Denn das "Don Fernandez" ist ein Familienbetrieb; Janines Papa hat zum Laden mehr als nur einen Pfennig dazubezahlt - er hat ihn komplett finanziert. Peter Zeggel (54), Physiker, besitzt in Rostock eine Unternehmensberatung, in der auch seine Frau Ramona (52) mitarbeitet. Von 2010 bis 2012 war er im Vorstand von Hansa Rostock, zuständig fürs Marketing. Davor leitete er eine Medizintechnik-Firma und war Inhaber mehrerer Patente.

Mit Hilfe der Eltern, die sich mächtig für die Kinder ins Zeug legten, schaffte es das Weltenbummler-Paar, das Geschäft auf die Beine zu stellen. Janines Eltern suchten von Rostock aus die Ladenräume, organisierten den beiden eine Wohnung und richteten sie ein, kauften auf Trödelmärkten das rustikale Laden-Mobiliar zusammen, halfen den jungen Leuten beim Auspacken von einer halben Tonne Ware, die in elf großen Kisten direkt aus Argentinien ankam - von Agustin eigenhändig überseefest verpackt. "Wir sind das erste Geschäft in Deutschland, das solche argentinischen Produkte anbietet", versichern alle vier.

Dass zwei Studenten sechs Tage die Woche arbeiten und Haushalt und Hausaufgaben auf den Sonntag verschieben, ist auch nicht unbedingt normal. "Es ist eine Herausforderung, aber weil wir es so wollten, haben wir auch die Kraft", sagt Janine Zeggel. Die Eltern springen ein, wenn Prüfungen oder Urlaub anstehen. Ansonsten müssen sich die beiden allein bewähren.

Glück für Zeggels, dass ihr Sohn Jan (28) weniger Reisefieber ausbrütet. Als ehemaliger Weltmeister im Orientierungstauchen ist er schon genug herumgekommen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.02.2014

Kerstin Decker

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