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Neues Leipzig-Schild in der Antarktis – Polarkoch Peter: Wir hatten ja kein Internet

Vom „Ping Ping“ zum Südpol Neues Leipzig-Schild in der Antarktis – Polarkoch Peter: Wir hatten ja kein Internet

Gut 14.000 Kilometer südlich von Leipzig hat der Plagwitzer Gastronom Dirk Peter („Ping Ping“) ein Hinweisschild in Richtung Messestadt aufgestellt.

Da lang geht’s zu Blechbüchse, Clara-Zetkin-Park und Karl-Heine-Brücke: Der Leipzig-Wegweiser an der Kohnen-Station in der Antarktis.
 

Quelle: Dirk Peter

Leipzig. Ein Jahrhundert nach der ersten Landnahme am Südpol ist endlich auch die Messestadt im ewigen Eis präsent. Der Plagwitzer Dirk Peter hat unweit der Kohnen-Station zwar keine Leipzig-Fahne, dafür aber ein außergewöhnliches Hinweisschild aufgestellt. Auf dem Wegweiser in Form eines Küchenmessers ist die Entfernung von der südlichsten deutschen Forschungsstation bis nach Leipzig vermerkt: genau 14.139 Kilometer. Wer von diesem Punkt noch weiter bis zum Südpol eilen möchte, braucht nur noch Luft für knapp 1600 Kilometer. Die Wahl der Schildform kommt bei Peter natürlich nicht von ungefähr, denn der Leipziger ist seit vielen Jahren als Koch für die deutsche Polardelegation tätig. Vor kurzem ist der 45-Jährige wieder Mal nach Leipzig zurückgekehrt, schließlich betreibt er hier auch das Restaurant „Ping Ping“ auf der Karl-Heine-Straße. LVZ.de sprach mit ihm.

Herr Peter, die wievielte Rückkehr vom Südpol ist das jetzt eigentlich schon?

Dirk Peter: Es ist mittlerweile die vierte. Nach der Überwinterung beim ersten Mal ab 2011 auf der Station Neumayer III war es nun für mich die dritte Sommersaison auf der Kohnen-Station.

Weit und breit nichts außer Schnee, Leipzig-Hinweisschild und Forschungsstation.

Weit und breit nichts außer Schnee, Leipzig-Hinweisschild und Forschungsstation.

Quelle: Dirk Peter

Welche Erinnerungen sind die dieses Mal herausragend?

Dirk Peter: Mit einer gewissen Routine im Alltag und nach insgesamt über zwei Jahren auf dem Kontinent, sind es immer mehr die Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen, die hängen bleiben. So auf jeden Fall die in der Antarktis entstandenen Freundschaften mit Kollegen, die sich über die Jahre weiter vertiefen und die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern von anderen Instituten – in diesem Jahr beispielsweise mit einem tollen Team vom British Antarctic Survey. Ein Höhepunkt war sicher auch der Besuch auf der indischen Polarstation Maitri in der Schirrmacher Oase in der östlichen Antarktis – das war wie ein Ausflug direkt nach Indien mit grandioser Gastfreundschaft. Es gab dort auch eine Wanderungen durch die atemberaubende Landschaft der Oase, wo einst ja auch die Georg-Forster-Station der DDR – die erste deutsche Polarstation – gestanden hat, in direkter Nachbarschaft zur russischen Novolazarewskaya Station. Auf dieser wurden wir ebenfalls herzlich Willkommen geheißen. Wenn man das erste Mal in die Antarktis kommt, ist es sicher immer die Natur die vorrangig beeindruckt: Die ist und bleibt überwältigend. Für „Dauergäste“ werden die Menschen, die es dorthin zieht, interessanter. Jeder hat Geschichten zu erzählen und man kann in Ruhe zuhören. Wir hatten ja auch kein Internet. Herrlich!

Und Sie hatten Zeit, einen Wegweiser nach Leipzig zu basteln. Warum hängt der an der kleineren Kohnen-Station und nicht an der Hauptdependance Neumayer III?

Dirk Peter: Ganz einfach, weil ich dieses Mal für den kurzen Sommer an Kohnen stationiert war. Die ist etwa 750 km von Neumayer III entfernt, liegt mehr im Inneren des Kontinents, auf knapp 3000 Metern, und nur über den Südsommer geöffnet – wobei in den drei Monaten noch der Frühling und der Herbst mit drin sind. In der Abgeschiedenheit hilft jedes Mittel, um nicht die Orientierung zu verlieren. Es war meine Station an der ich gelebt und gearbeitet hab.

Das Schild ist – gelinde gesagt – nicht gewöhnlich. Wie kam es dazu?

Dirk Peter: Eigentlich gibt es an jeder Station in der Antarktis einen Wegweiser, an dem die Teilnehmer der Forschungsgruppe ihre Heimatorte verewigen. Wir hatten bisher aber noch keinen an der Kohnen-Station, das fiel in diesem Jahr mal auf und so begann ein kreatives Treiben in der Stations-Werkstatt. Anspruch ist es natürlich, einen individuellen Wegweiser zu basteln. Was da plötzlich für Energien freigesetzt werden, überrascht jedes Mal aufs Neue – ich kannte die Prozedur ja schon von Neumayer. Als Koch kam das Messerdesign recht schnell als Idee auf und ich finde es zeigt auch recht gut die Richtung nach Leipzig an. Es ist eine schöne Tradition und zum Anbringen der Schilder – jeder hält sein Design, so gut es geht, bis dahin geheim – gibt es dann auch einen Grund für eine kleine Feier.

Inzwischen sind sie wieder im „Ping Ping“ auf der Karl-Heine-Straße tätig. Gibt es dort auch kulinarische Wechselwirkungen mit der Kochkunst vom Südpol?

Dirk Peter: Ganz sicher. Zum einen vertieft man durch die reduzierten Möglichkeiten in der Antarktis das Handwerk. Zum anderen kommt die Inspiration durch den Zwischenstopp in Kapstadt. Kapstadt ist für mich inzwischen eine lebendige Quelle der Inspiration. Hier wird die Küche sicher nicht neu erfunden, aber es ist die Qualität und eine wirklich aktuelle Küche mit lokalen Bezügen die mich sehr beeindruckt. Gute Küche wird hier mit einer großen Leichtigkeit, unverkrampft verkauft und das praktisch an jeder Ecke. Das hilft mir hier zuhause, inspiriert und unkompliziert an die Arbeit zu gehen und die Dinge aus Sichtweisen zu betrachten, die in andern Kulturen wurzeln. Ich finde das wichtig, um zu verstehen wie Menschen überall gern Gast sind, was sie dafür brauchen und was ich dafür tun kann.

Dirk Peter beim Bau eines Iglu unweit der Kohnen-Station.

Dirk Peter beim Bau eines Iglu unweit der Kohnen-Station.

Quelle: Dirk Peter

Wann geht es das nächste Mal zurück ins Eis?

Dirk Peter: Morgen geht es erstmal ins Tiefkühlhaus. Wann es dann auch wieder in die Antarktis gehen kann, muss meine Familie mitentscheiden. Das ist nichts, was man nur für sich allein macht. Die lange Abwesenheit fordert einiges von meiner Familie, von meinen Freunden und von mir selbst ab. Es ist immer wunderschön, fahren zu können. Aber die Heimkehr ist am Ende doch das Beste daran. Wir werden sehen.

Von Matthias Puppe

Freitag, 3. März ab 19 Uhr, Ping Ping (Karl-Heine-Straße 59): „Pepe Is Back“ – Willkommensfeier mit Menü. Weitere Infos: ping-ping.de

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