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Lokales Neues Leipziger Forschungsgebäude für Artenschutz im Zeichen der Biene
Leipzig Lokales Neues Leipziger Forschungsgebäude für Artenschutz im Zeichen der Biene
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18:36 06.03.2019
Im März 2020 sollen die Wissenschaftler einziehen: das neue iDiv-Gebäude auf Leipzigs Alter Messe. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Biene ist nicht die einzige bedrohte Art. Aber „sie ist ein Symbol“, stellt Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) fest. „Wir wissen noch nicht, was es für uns Menschen bedeutet, wenn das Gleichgewicht aus dem Lot gerät.“

Das herauszufinden – und Gegenstrategien zu finden – ist seit 2012 Aufgabe des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) der Universitäten von Leipzig, Halle-Wittenberg und Jena sowie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Am Dienstagnachmittag haben Bauleute, Politiker und Wissenschaftler auf der Alten Messe Richtfest für das iDiv-Gebäude gefeiert. Nur etwas mehr als elf Monate nach dem symbolischen ersten Spatenstich.

Fleißig wie die Bienen sind die Handwerker offensichtlich zu Werke gegangen. „Es ist keine Selbstverständlichkeit“, bedankt sich Sachsens Finanzminister Matthias Haß (CDU) bei ihnen, „dass die Bauarbeiten zeitgerecht und preisgerecht voranschreiten“. 34 Millionen Euro aus dem sächsischen Steuertopf sind für den Bau veranschlagt. Auf 5000 Quadratemetern entstehen neben Büros, Labors und Seminarräumen auch eine kleine Bibliothek, ein Spielraum und ein von außen einsehbares mehrgeschossiges Foyer als Forum für die Öffentlichkeit. „Zu 80 Prozent wurden Baufirmen aus Mitteldeutschland beauftragt“, sagt Petra Förster vom Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement. Generalübernehmer ist die Firma Depenbrock aus Bielefeld. Für März 2020 ist die Übergabe an die iDiv-Wissenschaftler vorgesehen.

„Ein Dreiländerprogramm, wie man es vorher nicht kannte“

Dann sollen Biologen, Chemiker, Physiker, Informatiker, Sozialwissenschaftler, Ökonomen und Experten weiterer Disziplinen aus rund 30 Ländern einziehen. Auch Wissenschaftler, die auf dem Papier in Sachsen-Anhalt oder Thüringen angestellt bleiben. „Es ist ein Dreiländerprogramm, wie man es vorher nicht kannte“, freut sich Walter Rosenthal, Präsident der Jenaer Friedrich-Schiller-Uni und Vorsitzender des iDiv-Kuratoriums. Nur fächerübergreifend kann die Forschung das Artensterben vielleicht bremsen, lautet die Hoffnung.

Ebenfalls im März 2020 beginnt die internationale Begutachtung der bisherigen iDiv-Projekte, auf deren Grundlage die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) entscheidet, ob sie eine dritte millionenschwere Förderperiode bis 2024 bewilligt. Selbst wenn dann die Wissenschaft im Fokus steht: „Der Neubau ist für die DFG ein wichtiges Zeichen“, hofft Rosenthal.

Spätestens danach werden aber die beteiligten Länder stärker selbst in die Biodiversitätsforschung investieren müssen, soll iDiv erhalten bleiben. „Die Schalter stehen in allen drei Bundesländern auf Verstetigung“, glaubt Rosenthal. Für Sachsen bestätigt Ministerin Stange den Eindruck. „iDiv hat den Auftrag, mit der Forschung in die internationale Öffentlichkeit zu gehen – Fakten auf den Tisch zu legen, wachzurütteln.“ Die Schüler, die jeden Freitag für eine bessere Klimapolitik protestieren, haben verstanden, was auf dem Spiel steht, so Stange: „Sie lernen auf einer solchen Demo mehr als in sechs Unterrichtsstunden. Das sage ich als Lehrerin.“

1,7 Millionen Bayern haben ein Volksbegehren für Artenvielfalt unterschrieben, ergänzt die Politikerin. Mit einer Biene als Symbolfigur. Das iDiv-Gebäude wird das Motiv aufnehmen: Kupferne und dunkelgraue Fensterbänder im Wechsel sollen dann keineswegs an Borussia Dortmund erinnern.

Aktuelle iDiv-Studien

Technische Fortschritte in der Landwirtschaft werden nicht ausreichen, um das Artensterben aufzuhalten. Schuld daran sei das Wachstum der Weltbevölkerung und der Weltwirtschaft sowie die damit verbundene steigende Nachfrage nach Anbauflächen, so eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Fachblatt „Nature Ecology & Evolution“. Für den Zeitraum zwischen 2000 und 2011 hatten die Wissenschaftler Daten zu Vogelbeständen, zur Landnutzung und zur Fähigkeit der Ökosysteme, CO2 zu binden, mit ökonomischen Modellen verknüpft.

Demnach verschwinden Tierarten vor allem in tropischen Regionen – etwa um Platz für Rinderzucht oder Ölsaaten zu machen. Letzteres sei auch „eine Folge der verstärkten Förderung von Biokraftstoffen, die dem Klimaschutz dienen soll“, so Studienkoordinator Henrique M. Pereira. Die Industrieländer auf der Nordhalbkugel seien also mitverantwortlich für den tropischen Artenschwund.

Der weltweite Handel hat nach einer weiteren Studie unter iDiv-Beteiligung zu einer „Globalisierung der Pflanzenverbreitung“ geführt. Betroffen seien insbesondere Inseln: Mit Erde für Gartenmärkte oder Baumaßnahmen gelangten oft auch sogenannte Mykorrhiza-Pilze in zuvor abgeschottete Ökosysteme, heißt es in der Veröffentlichung in „Nature Ecology & Evolution“. Diese wiederum bringen eingeschleppten Pflanzen, mit denen sie eine Symbiose eingehen, Vorteile gegenüber einheimischen Arten.

Von Mathias Wöbking

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