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Neues Leipziger Naturkundemuseum will Besucherzahlen verdreifachen

„Gewaltiges Potenzial“ Neues Leipziger Naturkundemuseum will Besucherzahlen verdreifachen

Der neue Direktor des Leipziger Naturkundemuseums hegt große Pläne. Das Traditionshaus soll nach einem Umzug zu internationaler Geltung kommen. Das soll sich auch in den Besucherzahlen niederschlagen.

Visualisierung der Pläne für das neue Naturkundemuseum in Leipzig.

Quelle: Naturkundemuseum Leipzig

Leipzig. „Leipzig will überall in der Champions League spielen – das gilt natürlich erst recht fürs Naturkundemuseum“, sagt Ronny Maik Leder. Der Museumschef hat neun Monate nach seinem Dienstantritt eine Grundkonzeption für das neue Haus vorgelegt, das ab 2020 am neuen Standort in der Halle 7 der Baumwollspinnerei eröffnen soll. Fertig sind außerdem erste Planungen für den Umbau der Etagen, die der Stadtrat auf der September-Tagung beschließen soll.

Die Leipziger Baumwollspinnerei Verwaltungsgesellschaft mbH baut die Halle an der Spinnerei-/Ecke Saarländerstraße derzeit um und saniert sie. 2018 sollen die Bereiche für das künftige Theaterhaus mit Räumen für das LOFFT, das Leipziger Tanztheater und das Theater der jungen Welt fertig sein. Danach ist das Museum dran, das mehr als 5600 Quadratmeter beziehen wird (Kosten: 10,1 Millionen Euro, davon 2,5 Millionen für die museale Ausstattung).

Das Leipziger Naturkundemuseum soll nach Umzug und Neueröffnung im Jahr 2020 dreimal so viele Besucher anziehen wie bisher. Die Bilder zeigen, wie das neue Haus aussehen könnte.

Zur Bildergalerie

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) sagt: „Wir haben endlich ausreichend Platz, eine moderne, ansprechende und zeitgemäße Ausstellung zu schaffen.“ Nach einer schier endlosen Standortdebatte sei das Projekt nun endlich „im Zeitplan“. Für die Planung stellt die Stadt 700.000 Euro in den Jahren 2017/18 bereit.

Das Museum soll sich in das stark kunstaffine Umfeld der Baumwollspinnerei einfügen, dabei aber selbstbewusst eigene Strahlkraft entfalten. So wird als „Westtor“ ein großzügig gestalteter Eingangsbereich die Besucher von Museum und Theater empfangen. „Es wird einen Glasvorbau geben, der das Gebäude öffnet, ohne in die denkmalgeschützte Fassade einzugreifen. Dadurch wird das Haus attraktiver erschlossen“, kündigt der Direktor an.

Da der Industriebau in Skelettbauweise errichtet wurde, gibt es viele Möglichkeiten, Decken durchzubrechen und Raumgrößen zu verändern. So entsteht ein großzügiges Atrium. Zentrale und publikumswirksam inszenierte Themenbereiche des Museums werden das Mammut von Borna, die Tiefseeexpedition Valdivia sowie die berühmten Dermoplastiken Herman ter Meers. Drum herum werden viele andere Themen platziert und vertieft.

Pläne für das neue Naturkundemuseum, wie sie am Mittwoch gezeigt wurden.

Pläne für das neue Naturkundemuseum, wie sie am Mittwoch gezeigt wurden.

Quelle: André Kempner

Leder plant beispielsweise keineswegs, das Mammut zu rekonstruieren, das im Jahr 1908 in einer Lehmgrube am Wyhra-Ufer entdeckt und als Skelett damals nahezu vollständig erhalten wurde. Einst als Attraktion der Prähistorischen Sammlung im Völkerkundemuseum ausgestellt, wurde es in der Bombennacht des 4. Dezember 1943 zerstört. „Ich möchte die Geschichte erzählen, wie die Reste im Bauschutt geborgen wurden und inzwischen in ganz Deutschland verstreut sind“, schildert Leder.

Drumherum wird unter anderem die Leipziger Grauwacke, die tertiäre Nordsee, Leipzig im Quartär, die Erstbesiedelung durch Menschen in der Region sowie die Landschaftsentwicklung in der Bronzezeit bis heute erläutert.

Als Gegenpol zur Musikhistorie möchte der Museumschef darstellen, wie viele hervorragende, oft vergessene Wissenschaftler die Stadt hervorgebracht hat. So wird die Tiefseeexpedition, die der Leipziger Zoologie-Professor Carl Chun 1898 mit dem Forschungsschiff Valdivia startete, ins Blickfeld gerückt. Und es geht wirklich in die Tiefe – in ein Schaudepot im Keller beispielsweise.

Besucherzahlen sollen verdreifacht werden

Ebenso ein Knüller sind die Dermoplastiken. Geplant ist eine „Skulptur der Tiere, die die Welt noch nicht gesehen hat.“ An vielen Details werde noch vertiefend gearbeitet – unterstützt von einem hochkarätigen Beraterteam von Wissenschaftlern.

Das neue Haus sieht neben Depots für die jetzigen und zukünftigen Sammlungen des „Archivs des regionalen Naturraums“ moderne Arbeitsräume, Werkstätten und Tagungsräume vor. Viel Platz erhält die Museumspädagogik, um den Bildungsauftrag besser umsetzen zu können. Aber auch an die Fachgruppen wird gedacht. Im Veranstaltungssaal ist Platz für 250 Leute. Ziel sei es, mindestens 140.000 Besucher pro Jahr für die Ausstellungen und Begleitprogramme zu begeistern. Im derzeitigen alten Haus kommen laut Leder trotz eingeschränkter Öffnung wegen Brandschutzproblemen immer noch rund 46.000 Besucher.

Architekten und Museumsteam haben noch viel Arbeit vor sich, die Visionen in konkrete Bauplanungen umzusetzen. Die Stadt überarbeitet auch das Verkehrskonzept. Kleine Brötchen bäckt Leder dabei allerdings nicht: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir das besucherstärkste Museum Leipzigs werden.“

Mathias Orbeck

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