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Neues Quartier für das Paul-Flechsig-Institut in ehemaliger Hautklinik

Hirnforschung auf 1000 Quadratmetern Neues Quartier für das Paul-Flechsig-Institut in ehemaliger Hautklinik

Nach rund zwei Monaten Umzugsstress ist alles an Ort und Stelle im neuen Domizil: Das tonnenschwere Elektronenmikroskop genauso wie der wertvolle und deutschlandweit einmalige Fundus von Präparaten für die Alzheimer-Forschung. Und die rund 60 Mitarbeiter des Paul-Flechsig-Institutes für Hirnforschung der Leipziger Uni haben sich häuslich eingerichtet.

Institutschef Thomas Arendt (rechts) und Abteilungsleiter Andreas Reichenbach.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Gut 20 Jahre war das Team um Institutsdirektor Professor Thomas Arendt auf dem Campus an der Jahnallee ansässig, jetzt – nach einer langen Phase des Wartens – ist der Ortswechsel endlich vollzogen. In der zum medizinischen Forschungszentrum umgebauten ehemaligen Hautklinik an der Liebigstraße können die Experten auf zwei Etagen wieder ihrem wissenschaftlichen Tagwerk nachgehen. „Die ersten Planungen für das Quartier gab es schon 1998“, erinnert sich der 60-jährige Arendt. Bis Ende letzten Jahres zog sich der 2007 gestartete und in mehreren Etappen erfolgte Umbau des einst nach den Plänen des Architekten Arwed Rossbach errichteten, mächtigen Gebäudeensembles letztlich hin. 77 Millionen Euro flossen in die Runderneuerung. Von den etwa 13 000 Quadratmetern Gesamtnutzfläche stehen den Hirnforschern rund 1000 zur Verfügung.

„Alles ist funktional sehr hochwertig, und natürlich ist es ein Gewinn, dass hier viele Forschungsdisziplinen unter einem Dach vereint sind“, meint Arendt beim Rundgang. Namensgeber Flechsig (1847–1929), einer der Väter der Neuroanatomie, der 1877 auf den Lehrstuhl für Psychiatrie der Uni berufen wurde, grüßt als Relief-Bildnis von der Wand. Im Konferenzraum hat ein Teil der üppigen Sammlung von tierischen Hirn-Präparaten seinen Platz gefunden, Blätter des dazugehörigen anatomischen Atlanten sollen noch gerahmt und gehängt werden. In die Institutsbüros und Laboratorien im zweiten und dritten Stock lässt sich nicht nur per Fahrstuhl gelangen, sondern auch über das denkmalgerecht herausgeputzte Rossbachsche Treppenhaus. „Historie trifft auf Moderne“, merkt Arendt an.

Sein Kollege Professor Andreas Reichenbach, von Hause aus eine Frohnatur mit Schalk im Nacken, und mit 65 der Senior des Institutes, hat nichts zu mosern am neuen Domizil. „Wir sind näher dran an unseren Projektpartnern von der Uni-Augenklinik und der Veterinärmedizinischen Fakultät.“ Das einzige, was er vermisst, ist der schöne Ausblick, den sein Arbeitsplatz an der Jahnallee hin zum Stadion bot. Bei einem der Fenster seines jetzigen Büros lässt er immer die Jalousie zu. „Wenn man da rausschaut, wird man schwermütig – nur Dachlandschaft mit Blitzableitern, Antennen und technische Anlagen.“ Weil Reichenbach keiner ist, der gerne Lobeshymnen singt, gilt der Satz „Das ist keine Fehlplanung“ aus seinem Munde schon als großes Kompliment für die Institutsherberge mit der verstärkten Decke für das gewichtige Elektronenmikroskop und den breiten Fluren.

Vor dem Zimmer, das für Professor Uwe Hanisch reserviert war, steht eine Vase mit einer weißen Rose. „Der Schock sitzt tief, der Verlust hat uns gelähmt“, sagt Arendt. Uwe Hanisch war im April – kurz vor seinem 54. Geburtstag – verstorben. Doch das Gedenken ist auch Ansporn, um bei den Projekten weiter voranzukommen. Alzheimer ist ein großes Thema, Arendt ist auf diesem Gebiet schon lange unterwegs und Wegbereiter eines Bluttests zur Diagnostik dieser das Hirn löchernden Krankheit. In den USA wird er bereits im klinischen Bereich eingesetzt, derzeit steht für den Institutschef aber vor allem Grundlagenforschung auf der Agenda, bei der es um eine kardinale Frage geht. Ist Morbus Alzheimer, der beim Menschen, nicht aber bei Tieren auftritt, gewissermaßen eine evolutionäre Erblast? „Wir verfolgen ein phylogenetisches Konzept“, erklärt Arendt und umreißt kurz diesen stammesgeschichtlich fixierten Ansatz. Er beruht auch auf Erkenntnissen, dass von Alzheimer besonders stark betroffene Areale in der Individualentwicklung erst spät reiften und bestimmte Neuronen Erbgutanomalien aufweisen. „Wir müssen noch stärker in die Zellanalytik investieren, um die Genexpression und Proteincodierung zu verstehen.“ Von Natur aus sei der Homo sapiens eigentlich nur für eine rund 40-jährige Lebenszeit gemacht, meint Arendt. „So ist der Bauplan angelegt. Alzheimer, der im höheren Alter auftritt, ist darin nicht vorgesehen.“

Abteilungsleiter Reichenbach hat in seinem Zimmer eine Galerie mit Titelseiten renommierter Wissenschaftszeitschriften zu hängen, in denen Artikel publiziert wurden, die auch seine Handschrift tragen. Der letzte stammt von 2014, erschien im Journal Experimental Eye Research und rankt sich um die dreidimensionale Modellierung der Sehgrube Fovea centralis. Seit Längerem befasst er sich im Schulterschluss mit Experten der Augenklinik und der Tiermedizin mit der Lichtleitung in der Netzhaut und dem Ort des schärfsten Sehens. Kooperationspartner ist auch das Max-Planck-Institut für Zellbiologie und Genetik in Dresden, wo Nachwuchsgruppenleiter Moritz Kreysing mit Reichenbach an einem Strang zieht. In Leipzig hatte er Physik studiert. „Es macht Spaß, mit solchen Kollegen zusammenzuarbeiten und fachübergreifend an wissenschaftlichen Grenzlinien zu operieren“, sagt Reichenbach. Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat er gerade einen neuen Projektantrag gestellt. Im Falle der Bewilligung würde das Vorhaben drei Jahre gefördert. So lange wird er noch am Flechsig-Institut aktiv sein – auch als Emeritus. „Was ich angefangen habe, bringe ich auch zu Ende.“

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