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Lokales Neues Super-Geläut für St. Nikolai – die Finanzierung steht
Leipzig Lokales Neues Super-Geläut für St. Nikolai – die Finanzierung steht
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19:28 21.01.2019
Friedrich-Wilhelm von Rauch, Bernhard Stief und Harald Langenfeld (von links) freuen sich im Nordturm der Nikolaikirche über den erfolgreichen Abschluss der Spendenaktion „Aus 1 mach 3“. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Herren sind ausgesprochen gut gelaunt, strahlen beim Fototermin im Nordturm um die Wette und üben sich in Übereinstimmung: Es sei famos, was da in den zurückliegenden 14 Monaten geschehen sei. Die Entscheidung, auf Risiko zu setzen, habe sich ausgezahlt. Und überhaupt: Die Nikolaikirche, sie sei nun einmal etwas ganz Besonderes und die Glocken seien bekanntlich die Seele eines Gotteshauses. Ergo: Alles richtig gemacht, der 30. Jahrestag der entscheidenden Leipziger Montagsdemonstration im Zuge der Friedlichen Revolution kann kommen! An jenem 9. Oktober 2019 wird es erstmals zu hören sein, das neue achtstimmige Super-Geläut von St. Nikolai. Friedrich-Wilhelm von Rauch, der Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Harald Langenfeld, Vorstandschef der hiesigen Sparkasse und stellvertretender Vorsitzender der Stiftung, sowie Pfarrer Bernhard Stief freuen sich schon darauf. Und ganz Leipzig soll sich mit freuen.

Gleich ein ganzes Gebirge

Ein Drittel der veranschlagten Projektkosten in Höhe von mehr als 600 000 Euro hatte die Gemeinde im Dezember 2017 bereits sicher. Das Gros der Investitionssumme – satte 400 000 Euro – aber fehlte noch, sollte sich aus Spenden rekrutieren. Kein Aufgaben-Berg, sondern gleich ein ganzes Gebirge. Dann kamen Sparkassenstiftung und Sparkasse um die Ecke und winkten mit „Aus 1 mach 3“. „Die Nikolaikirche steht für den Ruf nach Frieden und Freiheit. Ihr wollen wir zu einer kräftigen, neuen Stimme verhelfen“, begründete Langenfeld damals das Engagement von Stiftung und Kasse. Der Guss von sechs neuen Glocken, der Bau eines neuen Glockenstuhls für den Nordturm und die Sanierung des bestehenden Tragwerkes im Südturm, das alles sei zu packen, „wenn jeder vierte Leipziger einen Euro gibt“, rechnete der Sparkassenchef seinerzeit vor.

138 522,22 Euro von 314 Gönnern

Es finden sich am Ende zwar nicht 150 000 einzelne Spender mit jeweils einem locker sitzenden Geldstück, sondern „nur“ 314 Gönner, aber deren Gaben – Gesamtsumme: 138 522,22 Euro – machen den Braten fett. Die Sparkassen-Leute registrieren es mit Wohlwollen, verbuchen es als „Zeichen eines beeindruckenden bürgerschaftlichen Engagements“. Und sehen sich jetzt selbstverständlich in der Pflicht. „So tragen wir unseren Teil dazu bei, dass die große ,Osanna‘ und die fünf weiteren neuen Glocken in Kürze ihren Platz in der Nikolaikirche finden werden“, sagt Langenfeld zum Abschluss der Vervielfältigungsaktion am Montag. Nikolaipfarrer Stief ist erleichtert und findet die passenden Worte: „Dank der großartigen Unterstützung durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse haben wir eine breite Öffentlichkeit für unser Glockenprojekt erreicht. Wir haben nun nicht nur das Geld, sondern auch die Zustimmung vieler Menschen aus Stadt und Land für unser neues Geläut.“

Comeback für die „Osanna“

Momentan hängen drei Glocken im Nordturm. Zwei von ihnen bleiben erhalten, fünf kleinere neue Klangkörper kommen hinzu. Der mächtigen neuen Festtagsglocke „Osanna“, deren bronzene Vorgängerin 1917 während des Ersten Weltkrieges zum Zwecke der Rüstung der Garaus gemacht wurde, bleibt der Südturm vorbehalten. Mitte/Ende des nächsten Monats werden beide Türme eingerüstet. Ende Februar/Anfang März beginnen erste vorbereitende Arbeiten. Am letzten März-Wochenende wird das aktuelle, wenig erbauliche Geläut letztmals zu hören sein. Danach erfolgt seine Demontage. „Von der Stundenglocke in der Laterne einmal abgesehen ist unsere Kirche von April bis Oktober stumm“, erläutert Lutz Steuernagel von der gemeindlichen Lenkungsgruppe Glockenprojekt.

So läuft die Glockenweihe ab

Die Weihe des neuen Geläuts geht am Sonnabend, 29. Juni, ab 14 Uhr auf dem Nikolaikirchhof über die Bühne. Dabei ist die erste und einzige Aufführung eines Auftragsstücks des Leipziger Komponisten Günther Neubert geplant, bei dem die acht Glocken einbezogen werden. Bereits am Tag zuvor sind alle Leipziger eingeladen, das Eintreffen der Klangkörper auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz zu verfolgen. An jenem Freitag, 28. Juni, steht ab 18 Uhr ein Festumzug mit den Bronzestücken über den Ring an – vorbei an Propstei-, Thomas- und Reformierter Kirche, die dabei läuten werden. Der Aufzug der Glocken beginnt am Sonntag, 30. Juni, und setzt sich in den ersten Juli-Tagen fort.

Am letzten Juni-Wochenende soll dann feierliche Weihe sein. Geplant ist ein Mega-Event für alle Leipziger (Lesen Sie dazu auch den Info-Kasten). Der Aufzug des Geläuts, die Installation der Antriebstechnik sowie das Einschwingen und das Abstimmen der Glocken folgen ab Juli.

Gusstermin noch offen

Doch zunächst einmal müssen „Osanna“ & Co. gegossen werden. Das passiert in der Gießerei Bachert in Neunkirchen/Baden. „Der Formbau für die ,Osanna‘ hat begonnen, der genaue Gusstermin steht aber noch nicht fest. Es wird wohl März“, erläutert Pfarrer Stief. Im April würden dann die fünf kleinen Schwestern folgen. „Es ist schon noch einiges zu tun“, sagt der Geistliche. Aber der Optimismus lebt. Jetzt, da die Finanzierung steht.

Von Dominic Welters

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