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Lokales Neugeborenen-Screening: Uniklinik Leipzig fürchtet um Qualität in Sachsen
Leipzig Lokales Neugeborenen-Screening: Uniklinik Leipzig fürchtet um Qualität in Sachsen
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06:00 13.02.2018
Neugeborenen wird nach der Geburt Blut entnommen und auf bestimmte Erkrankungen untersucht.  Quelle: Foto: dpa
Leipzig

Allen Neugeborenen in Sachsen werden kurz nach der Geburt fünf Tropfen Blut aus der Ferse entnommen. Die Proben gingen bislang sofort ans UKL oder nach Dresden; sie wurden dort auf seltene Stoffwechselerkrankungen hin untersucht. Von 1991 bis 2016 wurden am Screeningzentrum der Universität Leipzig bei 721 Neugeborenen solche Erkrankungen festgestellt. Doch der Vertrag zwischen den Kassen und dem Screeningzentrum Sachsen wurde zum 31. Dezember gekündigt. Jetzt können die Geburtskliniken im Freistaat ihre Proben auch an eines der zwölf deutschlandweit zugelassenen Labore schicken, die möglicherweise günstiger sind.

Wird nach Befunden künftig schnell genug reagiert?

Fleig fürchtet nun um die Qualität des Screenings. Denn die schnelle Reaktion und die Kontrolle der Behandlung sind bei manchen Krankheiten entscheidend, manchmal lebensnotwendig, sagt der UKL-Chef. Nach einer Diagnose schlägt das Screeningzentrum umgehend Alarm, informiert die Eltern, leitetet zentral die nötigen Maßnahmen in die Wege, überwacht die Qualität. Fleig bezweifelt, dass das in Zukunft weiterhin so funktioniert: „Wer die Diagnostik in Sachsen am Ende macht, ist zweitrangig, solange sie qualitätsgesichert ist. Aber wir befürchten, dass eine Funktion unter den Tisch fällt: dass aus den Befunden rechtzeitig die richtigen Konsequenzen gezogen werden.“

Ohne zügige Behandlung drohen schwere Schäden

Beispiel: Galaktosämie, eine Störung im Abbau von Milchzucker. Ohne schnelle Behandlung drohen schwere Leber- und Nierenschäden, geistige und körperliche Behinderung, es kommt zu Todesfällen in den ersten Monaten. Oder: Phenylketonurie (PKU), eine Störung des Eiweißstoffwechsels. Wird sie nicht erkannt und nicht behandelt, führt das auch hier zu schwersten geistigen und körperlichen Behinderungen.

AOK sieht keine Probleme

Bei der AOK Plus sieht man die Sache nicht so dramatisch: „An der Leistung des Neugeborenen-Screenings ändert sich gar nichts“, sagt Sprecherin Hannelore Strobel. „Es wird weiterhin für jedes Kind in Sachsen durchgeführt und von den Krankenkassen vergütet. Nur die Finanzierung ändert sich, ohne dass die Versicherten davon etwas bemerken.“ Alle Labore seien verpflichtet, die Befunde zu kontrollieren, zu bewerten und notwendige Maßnahmen einzuleiten, so Strobel.

Von Björn Meine

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