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Lokales Neuintendant plant Kurskorrektur in der Oper Leipzig - Gewandhausorchester als Fixpunkt
Leipzig Lokales Neuintendant plant Kurskorrektur in der Oper Leipzig - Gewandhausorchester als Fixpunkt
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16:30 25.03.2011
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Leipzig

„Der Stagione-Betrieb des Hauses wurde vom Publikum einfach nicht angenommen“, sagte Schirmer. Er wolle deshalb das Kernrepertoire der Oper in den kommenden Monaten auf 40 bis 50 Produktionen ausbauen, die dann in regelmäßigen Abständen immer wieder aufgeführt werden können. Schirmer will Leipzig auch stärker als Wagner-Stadt mit einer eigenen szenischen Inszenierung des „Rings der Nibelungen“ etablieren und das Haus für andere Veranstaltungen öffnen. So soll hier beispielsweise an jedem Sonntagmorgen um 11 Uhr ein Spielraum für Lesungen, Kammermusik und Co. geschaffen werden.

Wie Oberbürgermeister Burkhard Jung betonte, wird bei der Neuorientierung der Oper vor allem das Gewandhausorchester als „musikalisches und kulturelles Zentrum der Stadt“ ein große Rolle spielen. Das nach Aussage von Jung in seiner Bandbreite „einzigartige“ Orchester werde die Gesamtsituation am Augustusplatz bestimmen und sich die Oper dadurch noch stärker in Richtung Musikhaus entwickeln. Auch deshalb habe man gerade den bisherigen Generalmusikdirektor Schirmer gewollt: „Wir definieren einen musikalischen Intendanten, so dass auch das Haus selbst mehr von Musik bestimmt wird“, erklärte der sichtlich gut gelaunte Jung.

Schirmer und Jung gaben unisono auch bekannt, dass offenbar sogar der einst im Groll von dannen gezogene Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly nun signalisiert habe, wieder auf der anderen Seite des Augustusplatzes aktiv werden zu wollen. Nicht zuletzt will man das Gewandhaus auch hinsichtlich Vermarktung zum Vorbild nehmen, um somit mehr Menschen in das bisher mit etwa 40 Millionen Euro kommunalen Zuwendungen zwar kostspielige, aber nur selten gut besuchte Haus zu locken.

Mit Blick auf das gewünschte Mehr im Opernsessel geraten deshalb nun auch die Inszenierungen von Peter Konwitschny auf den Prüfstand. Schirmer sagte, er befinde sich derzeit mit dem Chefregisseur im Gespräch über dessen Zukunft. Schirmer wolle allerdings keinesfalls Konwitschnys Arbeit am Opern-Ring von Christoph Willibald Gluck unterbinden; „Das wäre ja wie ein Todesurteil. Ich habe schließlich eine Fürsorgepflicht für alle Mitarbeiter des Hauses, auch für Peter Konwitschny.“ Man wolle aber genau prüfen, was mit den Inszenierungen gemacht werden könne, ziehe dabei auch eine Veräußerung an andere Opernhäuser in Betracht.

Nicht zuletzt soll das Opernhaus künftig  für jüngere Menschen attraktiver gemacht werden, heißt es von Seiten der Stadt Leipzig. Neuintendant Schirmer, der dieses Ziel keinesfalls als Lippenbekenntnis verstanden haben wollte, erklärte dazu, dass er neben einem Wagner-„Ring“ für Kinder auch diverse andere, verkürzte Opernfassungen für junge Ohren und Augen inszeniert haben möchte. Wie sich die trotzdem noch klaffende Lücke zwischen Kindheit und Vorruhestand im Generationenspektrum der Opern-Besucher schließen lasse, wusste Schirmer allerdings noch nicht zu beantworten: "Das ist eines unserer größten Probleme", sagte er. Im Herbst dieses Jahres will die Oper zumindest schon einmal eine Publikumsumfrage durchführen und so eine realistische Besucheranalyse erstellen.

Matthias Puppe

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