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Lokales „Nicht Männer, sondern Quoten-Tussis stehen starken Frauen im Wege“
Leipzig Lokales „Nicht Männer, sondern Quoten-Tussis stehen starken Frauen im Wege“
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09:01 26.11.2018
Volker Schimpff ist wortgewaltig und streitbar. Auch beim Geschlechterkampf in der Leipziger CDU hält er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Quelle: André Kempner
Leipzig

Volker Schimpff ist ein Urgestein der Leipziger CDU. Er ist seit 29 Jahren Christdemokrat, war Chef der CDU-Fraktion im Stadtrat, stellvertretender Landesvorsitzender und Ausschussvorsitzender im Landtag. Schimpff weist den Vorwurf zurück, dass in der Leipziger CDU ein Geschlechterkampf tobt und die Partei Frauen zu wenig Aufstiegschancen bietet.

Frage:
Bei der jüngsten Nominierung
der CDU-Kandidaten für die Landtagswahl spielten sich dramatische Szenen ab. Es kam zu regelrechten Kampfkandidaturen zwischen den Geschlechtern und am Ende wurde keine einzige Frau nominiert. Was hat der CDU-Kreisverband gegen Frauen?

Volker Schimpff: Waren Sie bei der Nominierung dabei? Ich war Beobachter, als die Kampfabstimmung zwischen Cornelia Blattner und Michael Weickert stattfand: Zu Beginn führte Frau Blattner deutlich – bis zur ersten Wortmeldung der Frauen-Union. Die war inhaltlich so holzschnittartig, dass sich vor mir eine Frau umdrehte und nicht mehr für Frau Blattner stimmen wollte. Wir Beobachter haben drei Frauen ausgemacht, die Anfangs für die lebenserfahrene Geschäftsfrau Blattner und nicht für ihren Konkurrenten, den Noch-Studenten Weickert, stimmen wollten, aber von dem Feministen-Kampfstil so abgestoßen waren, dass sie plötzlich für den jungen Herrn Weickert stimmten.

Sie sind gegen Feministen?

Ich bin gegen Feministen, Feministinnen und Gender-Stars. Die Quoten-Tussis haben es schließlich angerichtet, dass die einzige Frau unter unseren Bewerber unterlegen ist.

Die CDU-Frauen sind also selber schuld, dass sie nicht nominiert wurden?

Nein, aber einige Funktionärinnen, die Politik auf X- und Y-Chromosomen reduzieren wollen. Die haben der Leistungsträgerin Blattner die Nominierung versaut. Nur Frau um der Frau willen reicht nicht aus. Und mit unserem Beharren auf dem Markenkern C in der CDU haben Cornelia Blattner und ich uns ja nicht nur Freunde gemacht.

Sie meinen nicht, dass eine Volkspartei wie die CDU mit ihren Kandidaten das Volk abbilden muss – also der Tatsache Rechnung tragen sollte, dass mehr als die Hälfte aller Menschen Frauen sind?

Nicht nur die Hälfte der Menschen, sondern mehr als die Hälfte der CDU-Wähler sind Frauen. Deshalb hätte ich mich gefreut, wenn Frau Blattner auch dem nächsten Landtag angehört hätte. Aber um mehr Frauen aufzustellen, müssen erst einmal mehr Frauen kandidieren – doch Leistungsträger und keine Quoten-Frauen. Jeder weiß: Wenn die Stadträtin Sabine Heymann kandidiert hätte, wäre sie auch nominiert worden – aber sie wollte nicht. Die frühere Stadträtin Peggy Liebscher könnte seit 14 Jahren Landtagsmitglied sein – aber sie wollte nicht.

Warum fehlt Ihren Frauen der Zug zum Tor?

Da kann ich nur vermuten. Im Landtag ist man ein kleines Rädchen in der letzten Reihe. Als Top-Frau im Stadtrat oder in der Sächsischen Staatskanzlei können sie vielleicht mehr gestalten. Und vielleicht sind Frauen grundsätzlich nicht so risikobereit, in einen Wahlkampf mit ungewissem Ausgang zu gehen. Als Archäologe denke ich da auch an die Männer, die aus der Höhle stürzten und das Mammut angriffen, ohne zu wissen, wer am Schluss wen erlegt.

Es gibt auch eine andere Sicht der Dinge: In der Leipziger CDU entscheide ein kleiner Männerzirkel vor Nominierungsveranstaltungen, wer wo kandidiert, heißt es. Frauen werde da nur eine Außenseiterrolle zugebilligt.

Das ist eine faktenfremde und vorurteilsverliebte Behauptung. Für die sieben Landtagswahlkreise hatten eine Frau und acht Männer ihre Kandidatur angemeldet. Das hat niemand vorgeschrieben, theoretisch hätte es auch umgekehrt sein können.

Aber Petra Elias hat doch noch im Verfahren ihr Hut in den Ring geworfen - und ist an der Männerphalanx gescheitert.

Das war doch keine echte Kandidatur, sondern nur noch Klamauk. Wenn Frau Elias wirklich hätte nominiert werden wollen, dann hätte sie am Vormittag in ihrem eigenen Wahlreis anwesend sein und ein paar Freundinnen mitbringen müssen. Dann hätte es für sie gereicht. Aber das war von ihr wohl gar nicht beabsichtigt.

In der Leipziger CDU werden also Frauen auch künftig eine untergeordnete Rolle spielen?

Wenn starke Frauen kandidieren würden und ihnen dann nicht die Quotenpolitikerinnen die Tour versauen, dann wird es anders aussehen.

Die Leipziger CDU könnte auch zielstrebig kompetente Frauen aufbauen und weiterentwickeln, weil sie zum Beispiel bei Sozial- oder Schulthemen ein anderes Herangehen haben als Männer...

Ich bin seit Jahrzehnten dafür bekannt, eine Art Talente-Scout der sächsischen CDU zu sein. Aber heute wollen zu wenige Menschen Politik machen – auch zu wenige Frauen. Das schränkt unseren Spielraum stark ein.

Ist es nicht auch eine Aufgabe des CDU-Kreisvorsitzenden, Personal aufzubauen – und eben auch Frauen, wenn es zu wenige gibt?

Eben fragten Sie noch nach den kleinen Zirkeln, die angeblich entscheiden. Ich würde es sehr begrüßen, wenn bei der Kandidatenaufstellung im Vorfeld wieder mehr überlegt würde: Wen brauchen wir, wen wollen wir – und sich das in den Vorschlägen widerspiegelt. Vor zwei Jahrzehnten haben wir das auch in Leipzig so gemacht.

Fürchten Sie nicht, dass der CDU ihre Frauenfeindlichkeit bei den nächsten Wahlen auf die Füße fällt?

Es gibt bei uns keine Frauenfeindlichkeit. Was uns auf die Füße fallen könnte, hat ein Kanzler zu verantworten, der zufälligerweise eine Frau ist. Aber seit einigen Wochen spüren wir in der CDU eine Aufbruchstimmung – bei Männern und Frauen.

Von Andreas Tappert

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