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Noch mal 6000 Betten – nächste Hotel-Welle schwappt in die Leipziger City

Anstieg um ein Drittel Noch mal 6000 Betten – nächste Hotel-Welle schwappt in die Leipziger City

Nicht nur die geplante Wiederbelebung des legendären Hotels Astoria lässt die Beherbergungskapazitäten in Leipzig steigen. Allein in der Innenstadt sollen bis 2020 mehr als ein Dutzend neue Häuser mit etwa 6000 Betten öffnen. Für die Gesamtstadt bedeutet das einen Anstieg um mehr als ein Drittel.

Im Frühstücksraum des neuen Meininger-Hotels am Brühl fallen schlichte Holzmöbel ins Auge. Auf acht Etagen bietet die komplett renovierte Herberge (wo früher ein Ibis-Hotel zu finden war) seit Anfang April 126 Zimmer mit 404 Betten.

Quelle: Jens Rometsch

Leipzig.

Bei Retsch schlagen dann stets zwei Herzen in einer Brust, erzählt er. „Einerseits ist es sehr schön, dass viele Häuser neu dazukommen – und sie arbeiten auch alle in unserem Verband mit.“ Anderseits wisse er als gelernter Hotelier natürlich auch, dass mit jeder Neueröffnung in der City die Luft für angestammte Häuser am Rand oder vor den Toren der Stadt wieder etwas dünner wird. Allein das Meininger bietet 126 Zimmer mit 404 Betten. In der Bar im Erdgeschoss wie auf den Zimmern fallen eher schlichte Möbel aus Fichtenholz ins Auge. Bislang, sagt Retsch, seien ihm in Leipzig noch keine Hotel-Schließungen aus wirtschaftlichen Gründen bekannt geworden. „Die nächste große Welle steht uns ja aber erst noch bevor.“

Tatsächlich dürften in naher Zukunft allein in der Innenstadt mehr als ein Dutzend Hotels mit 2900 Zimmern an den Start gehen. Etwa die Hälfte davon ist bereits im Bau. Im Juli soll zudem der Grundstein für ein Ramada und ein H2-Hotel an der Ostseite des Hauptbahnhofs gelegt werden. Da heutzutage fast niemand mehr nur ein Bett in ein Zimmer stellt, vor allem die in Leipzig zurzeit boomenden Budget-Häuser aber meist auch Räume für vier, sechs oder acht Personen anbieten, dürfte die Zahl der verfügbaren Betten in den nächsten zwei bis drei Jahren um etwa 6000 auf über 22 000 ansteigen. Gemäß der offiziellen Statistik des Freistaates Sachsen gab es im vergangenen Jahr in Leipzig 16 200 Betten zu vermieten. 2011 waren es erst 13 000.

Eingesetzt hatte der große Bau-Boom im Jahr 2014, erinnert sich Silvia Horn von der renommierten Handelsberatungsfirma BBE. „In den beiden Folgejahren kamen allein in der City zehn neue Hotelbetriebe mit über 1000 Zimmern hinzu. Das alles mündete in den Markteintritt von 1200 Betten an einem einzigen Tag im September 2016.“ Wie berichtet, öffneten damals das Innside by Melia gegenüber der Thomaskirche, zwei Ibis-Hotels am Bildermuseum sowie das Ana Arthotel auf der Hainspitze.

Trotz des bevorstehenden weiteren Anstiegs mag die Fachfrau aber nicht von einer Hotel-Flut sprechen. „Das Wort Flut ist negativ besetzt. Ich sehe die Entwicklung überwiegend positiv“, sagte Horn vergangene Woche beim hochkarätig besetzten Heuer-Immobiliendialog in der Leipziger Kongresshalle. Dort wurden auch aktuelle Bauprojekte für die City, bei denen das Thema Beherbergung eine Rolle spielt, im Detail vorgestellt.

Laut Horn gibt es für die Entscheidungen der Investoren leicht nachvollziehbare Gründe. So habe sich die Zahl der Übernachtungen in Leipzig von 2011 bis 2016 um 36 Prozent auf
2,9 Millionen erhöht. Im gleichen Zeitraum stieg die Bettenkapazität aber nur um 25 Prozent (der große Schub vom September mit 1200 Betten ist hier schon berücksichtigt). Die Bettenauslastung verbesserte sich in den genannten fünf Jahren von 45 auf 51 Prozent, fuhr Horn fort. Besonders erfolgreich zeigten sich dabei jene Budget-Häuser, welche nur Frühstück offerieren – mit einem Anstieg der Betten-Auslastung von 43 auf 54 Prozent. Auch würden immer weniger Zimmer leer stehen. Im vergangenen Jahr habe Leipzig da eine Auslastung von 68 Prozent erreicht, was sich mit Frankfurt/Main (69 Prozent) messen könne und deutlich über Dresden (64 Prozent) lag. Besonders wichtig für die Betreiber sei freilich der Nettozimmerpreis: Dort konnte Leipzig bei den markengebundenen Drei- bis Fünf-Sterne-Häusern im letzten Jahr von 86 auf durchschnittlich 92 Euro zulegen. Im Verhältnis zu vergleichbaren westdeutschen Städten sei das noch immer wenig. Der Erlös pro vermietetem Zimmer stieg aber in Leipzig 2016 merklich: um zehn Prozent.

Angesichts wachsender Touristenzahlen und Wirtschaftskraft, der frisch sanierten Kongresshalle als weiterem Veranstaltungsort oder den Hoffnungen auf eine Teilnahme von RB Leipzig am internationalen Fußball (was bei Heimspielen viele Hotelgäste bringen würde), sähen die Investoren noch genügend Luft nach oben, erläuterte Horn. Allerdings sollte Leipzig aufpassen, nicht in eine ähnliche Situation wie Dresden zu geraten, wo 2016 die Zimmerpreise von 71 auf 70 Euro fielen. In der Landeshauptstadt seien zu Boom-Zeiten Überkapazitäten aufgebaut worden. „Und gegenwärtig hat Dresden auch noch ein echtes Image-Problem.“

Von Jens Rometsch

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