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Lokales Noch zwei Hotels am Leipziger Brühl geplant
Leipzig Lokales Noch zwei Hotels am Leipziger Brühl geplant
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11:06 30.11.2018
An den Brühl-Arkaden hatte 2009 der Maler Michael Fischer-Art ein Wandbild „20 Jahre Friedliche Revolution" geschaffen. Nun ist dieses Kunstwerk bedroht, weil nebenan ein Neubau entstehen soll. Quelle: Volkmar Heinz
Leipzig

Wird es rings um den Leipziger Hauptbahnhof bald nur noch Hotels geben? Auf jeden Fall sollen genau gegenüber – am Eingang der Nikolaistraße – bald noch zwei große Herbergen entstehen. Wie Yves Süsskind von den Investoren auf LVZ-Anfrage mitteilte, werden sie insgesamt etwa 500 Zimmer haben.

In der Leipziger City sollen auf dem Harmelin-Areal bald zwei neue Hotels entstehen. Hier folgen Bilder aus der Geschichte und Gegenwart des Grundstücks.

Süsskind ist Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Berliner Firma S&R. Sie gehört wiederum zu einem größeren Familienunternehmen, das in Leipzig erhebliche Anteile an einigen prominenten Immobilien besitzt. Nach LVZ-Informationen gehören dazu unter anderem das Messehaus am Markt, der Messehof in der Petersstraße und das Gebäude vom Innside-by-Meliá-Hotel in der Gottschedstraße 1. Vor wenigen Monaten habe S&R nun das historische Harmelin-Haus in der Nikolaistraße 57–59 erworben, bestätigte der Geschäftsführer. Ebenso den benachbarten Parkplatz (zwischen Richard-Wagner-Straße und Brühl) als eine der letzten großen Baulücken in der City.

Ursprünglich hatte das Harmelin-Haus ein gaubengeschmücktes Walmdach, welches jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Rechts davon stand ein langes Lagerhaus. Quelle: privat

Laut Süsskind soll auf dem Parkplatz ein Hotel-Neubau mit Tiefgarage entstehen. „Wir sind dazu in Gesprächen mit dem Stadtplanungsamt, stehen aber noch ganz am Anfang“, sagte er. Für die Tiefgarage sei zum Beispiel zu beachten, dass an dieser Stelle tief im Erdreich eine Röhre des City-Tunnels verläuft. „In dem Neubau möchten wir einen weiteren Standort unserer eigenen Hotelkette Amano unterbringen. Das sind sehr designorientierte Häuser – meist im Drei-Sterne-Bereich und mit ordentlichem Abendrestaurant oder einer Bar.“ In Berlin gibt es schon ein halbes Dutzend solcher Amano-Hotels.

Größter aller Leipziger Pelzhöfe

Das direkt angrenzende, historische Harmelin-Haus werde denkmalgerecht saniert. „Dort entsteht ebenfalls ein Hotel. Dafür suchen wir Partner“, so Süsskind.

An dieser Stelle muss auf die besondere Geschichte des Areals hingewiesen werden. 1818 wurde der aus Brody in Galizien stammende Pelzwarenhändler Jacob Harmelin vor dem Leipziger Stadtrat als einer der ersten jüdischen Meßmakler vereidigt. Sein Sohn Marcus gründete 1830 eine sehr erfolgreiche Firma für Rauchwaren und Borsten, die ab 1880 die Häuser Brühl 51 und 47 (Krafts Hof) erwarb. Im Brühl 47 entstand 1905 ein repräsentativer Firmensitz. Mit dem Bau des Hauptbahnhofs wurde die Nikolaistraße über den Brühl verlängert – und die Harmelins kauften einen Streifen dazu.

Historisches Walmdach zerstört

Dort ließen sie 1913/1914 nach Plänen des Architekten Emil Franz Hänsel jenen 63 Meter langen Bau errichten, der heute Harmelin-Haus heißt. Daneben entstand ein großer Hofbereich (der heutige Parkplatz) mit Flachbauten und einem Lagerhaus an der Richard-Wagner-Straße. Dieser Hof – Krafts Rauchwarenhof – war der größte aller Leipziger Pelzhandelshöfe.

Von den Nazis wurde die Firma 1939 als jüdisches Unternehmen enteignet und liquidiert. Mehrere Harmelins kamen in Ghettos oder Konzentrationslager. Zwei Geschäftsführer flohen fast mittellos nach London. In Leipzigs schlimmster Bombennacht – am 3. Dezember 1943 – wurden der Firmensitz und alle Lagerhäuser zerstört. Das Harmelin-Haus verlor sein gaubengeschmücktes Walmdach. An der Hausrückseite entstand zu DDR-Zeiten eine Glasfassade, auch die schon lange kaputte Leuchtreklame für Meißner Porzellan (blaue Schwerter).

63 Meter langes Haus noch unsaniert

Nach der Wende bekamen Londoner Erben der Harmelins die Grundstücke rückübertragen, zerstritten sich jedoch. Erst in diesem Jahr haben sie das Areal verkauft. „Seit Juni 2018 befinden sich die Ämter der Stadt im Gespräch mit dem neuen Eigentümer“, sagte Henning Croissant vom Baudezernat. Das Harmelin-Haus sei das letzte noch unsanierte Gebäude in der Nikolaistraße. Das frühere Walmdach müsse zurückkehren. „Der Investor hat uns mitgeteilt, dass eine Erhaltung der Meißner Schwerter und des Wandbildes von Michael Fischer-Art geprüft wird.“

Weitere Hotelprojekte in Leipzig

In der Innenstadt sprießen neue Hotels wie Pilze aus dem Boden. Das legendäre Astoria wird endlich saniert, soll Ende 2020 als Fünf-Sterne-Haus (mit 250 Zimmern) und fünf Ballsälen öffnen. Am 3. Dezember 2018 startet Leipzigs drittes Motel One (300) im Grimmaischen Steinweg. 2019 kommen ein Vier-Sterne-Haus des spanischen Riesen NH (197) am Burgplatz, das Holiday Inn Express (162) in der Brandenburger Straße, Capri by Fraser (151) und Premier Inn (182) in der Goethestraße sowie ein H2 Hotel (336) und Hyperion (193) an der Ostseite des Hauptbahnhofs hinzu. Weitere Herbergen in neuen Quartieren am Bahnhof sind schon geplant.

Riesiges Wandbild bedroht

Dies dürfte zumindest für das 3000 Quadratmeter große Wandbild neben dem Parkplatz sehr schwierig sein. 2009 hatte der prominente Künstler den Giebel der Brühl-Arkaden (gehört der TLG Immobilien) zum Thema Friedliche Revolution gestaltet. In diesem Jahr gab er sein Atelier in dem Gebäude auf und zog nach Borna um. „Zum 20. Geburtstag der Revolution war das Bild gedacht. Ich fände es schon schade, wenn es zum 30. Geburtstag wegkommt“, so Fischer-Art.

Von Jens Rometsch

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