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Notenspur-Projekt: Geschäftsstelle vor dem Aus

Notenspur-Projekt: Geschäftsstelle vor dem Aus

Da läuft was aus der (Noten-)Spur: "Wir müssen Ende März unsere Geschäftsstelle schließen", sagt Werner Schneider, der Chef des Notenspur-Fördervereins. "Wir bekommen keine städtische Förderung mehr. Null Euro.

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Leipzig verweist öffentlich - wie hier in der Katharinenstraße - gern auf seine "Notenspur". Die Geschäftsstelle des Vereins vermag das Gesamtprojekt aber ohne Förderung nicht mehr zu organisieren.

Quelle: André Kempner

" Die Geschäftsstelle ist quasi der Nabel des Leipziger Vorzeigeprojekts, mit dem die Trägerinitiative erst im Vorjahr einen europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb zum Thema "Lebendige Erinnerungskultur" gewann - bei 437 Bewerbern! Ein eingefahrener Sieg, der Leipzig zugleich den Titel "Lebendigste Erinnerungsstadt" einbrachte, wie Schneider betont. Nur will das Notenspur-Projekt mit all seinen Facetten organisiert sein. Was an einem Punkt ehrenamtlich nicht zu meistern sei: in der Geschäftsstelle. "Um von da aus all unsere Arbeit mit wenigstens einer Personalstelle am Laufen zu halten, würden wir jährlich 50 000 Euro benötigen. Im Vorjahr bekamen wir schon nur noch 25 000 Euro, konnten uns gerade so über Wasser halten. Jetzt aber hat das einschneidende Konsequenzen", so Schneider.

Abgesagt werden musste bereits eine für April geplante Führung für Kinder und Jugendliche zu Orten jüdischer Musikkultur. "Auf Anfragen zu Projektwochen für 300 Grundschüler noch in diesem Schuljahr wissen wir aktuell keine Antwort. Und verzichtet haben wir schweren Herzens auch schon auf ein Projekt für Schulen zur jüdischen Woche im Sommer", erläutert Schneider. "Ungeklärt ist gegenwärtig zudem, aus welchen Mitteln die bisher von uns durchgeführte Förderung der Tourismuswirtschaft künftig bestritten wird - 2014 waren das 20 000 auf Nachfrage der Branche von uns erstellte, mehrsprachige Flyer." Nicht zuletzt leide unter der Nicht-Förderung die Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel: Ein zentraler Bestandteil sei dabei ein neues Kulturprojekt mit vier europäischen Ländern, dessen Organisator der Notenspur-Förderverein ist. Hierfür würden - zusätzlich zu Mitteln aus dem Programm "Kreatives Europa" - auch Eigenmittel benötigt. "Doch ohne Förderbekenntnis der Stadt zur Arbeit unseres Vereins bekommen wir keine Kofinanzierung des Landes mit mehrjähriger Perspektive für die Europa-Geschichte hin."

Warum es aus dem Neuen Rathaus keinen Cent mehr gibt, erklärt Schneider wie folgt: "Die Notenspur ist als Musikprojekt gestartet, hat sich jedoch zum Stadtprojekt gemausert - mit den Themen Kultur, Stadtentwicklung, Bildung, Tourismus, interkultureller Austausch, Vernetzung von Grünbereichen, sanfte Mobilität, jüdische Geschichte. Stets natürlich in Verbindung mit Musik", sagt er. "Aber genau dieser, von Kulturmanagern, Stadtentwicklern und Bildungsexperten gelobte Ansatz fällt uns auf die Füße." Als spartenübergreifendes Projekt passe es einfach nicht in die Schubladen der Dezernatsstrukturen. Innerhalb der Verwaltung gebe es jedenfalls keine ressortübergreifende Unterstützungsstruktur für das Projekt, musste er erfahren. Dieses Zuständigkeitsproblem habe für die Notenspur-Geschäftsstelle zum Förder-Aus geführt.

Rathaus-Sprecher Matthias Hasberg bewertet den Fall ganz anders: Der Inhalt von Schneiders Förderantrag "war nicht mit unseren Förderrichtlinien vereinbar. Wir mussten ablehnen. Schließlich geht es hier um Steuergelder." Die Projekte Notenspur und Notenrad an sich würden ja aber weiter Mittel erhalten.

Schneider tröstet das wenig: "Allein so ein europäisches Großprojekt wie das Kulturerbe-Siegel ist ehrenamtlich einfach nicht zu stemmen", klagt er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.03.2015

Raulien, Angelika

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