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Notwasserbrunnen in Leipzig: Hälfte ist angelegt, ihre Lage geheim

Katastrophenfall Notwasserbrunnen in Leipzig: Hälfte ist angelegt, ihre Lage geheim

„Leipzig baut für den Katastrophenfall vor“ – lautete am 3. Dezember 2010 eine Überschrift in der Leipziger Volkszeitung. 154 Brunnen sollten bis zum Jahr 2016 in der Stadt für die Notversorgung entweder saniert oder neu gebaut werden. Heutzutage ist das Thema aktueller denn je. Doch die Verantwortlichen im Rathaus hüllen sich über Details weitgehend in Schweigen.

Auch solche Trinkwasserwagen der Leipziger Wasserwerke spielen beim Krisenmanagement der Stadtverwaltung im Katastrophenfall eine wichtige Rolle.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.

Im Rathaus ist Angelika Freifrau von Fritsch eine wichtige Schnittstelle für den Katastrophenfall. Denn die Leiterin des Umweltamts gehört zum Verwaltungsstab, der in Krisenfällen in der Stadt das Sagen hat. „Wir sind auf alle Eventualitäten gut vorbereitet“, berichtet die Amtsleiterin. Es gebe nicht nur genaue Notfallpläne für den Ausfall des Trinkwassernetzes, sondern auch für lokale Strom-, Gas- und Fernwärmeausfälle, für Seuchen und Terroranschläge und für Hochwasser sowieso. Auch Unfälle wie die Explosion eines Gefahrguttransporters mitten in der Stadt oder ein Flugzeugabsturz würden durchgespielt. „Jede zuständige Person weiß, was sie in solchen Fällen von wo zu holen hat und tun muss“, so die Amtsleiterin.

Trotzdem ist bei Leipzigs Katastrophenschützern vieles im Umbruch. Denn die Krisenszenarien, die noch vor sechs Jahren galten, gelten inzwischen nicht mehr: Damals war noch der Kalte Krieg in den Köpfen der Planer – zum Beispiel ein Atomschlag, der die Infrastruktur in weiten Teilen des Landes nahezu komplett lahmlegt. Mittlerweile gehen die Experten von kleineren Schäden aus – zum Beispiel davon, dass „nur“ im Versorgungsgebiet der Leipziger Wasserwerke die öffentliche Trinkwasserversorgung zusammenbricht, weil beispielsweise eine der Zuleitungen aus den Elbauen nicht mehr funktioniert. Oder dass ein lokaler Strom- und Fernwärmelieferant nicht mehr liefern kann – und dies andere Lieferanten aus der Nachbarschaft übernehmen. „Dann werden Wasser-, Strom- und Fernwärme-Lieferungen über andere Leitungen organisiert, die nicht betroffen sind“, sagt von Fritsch. Genauer will sie nicht werden.

Nach LVZ-Informationen wird erst seit Jahresbeginn auf die neuen Gefährdungsszenarien umgesteuert. Auslöser ist eine Mitteilung des Bundesamtes für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz gewesen, die den Landesdirektionen zugestellt wurden. Von dieser seien dann die großen Städte einbezogen worden. Seitdem werden in vielen Kommunalverwaltungen neue Krisenpläne geschmiedet.

Diese Zeit wird benötigt, weil die Planer auch extreme Szenarien durchspielen. So wird zum Beispiel unterstellt, dass in ganz Leipzig zwei Tage lang der Strom ausfällt – und die Polizei die Versorgung durch die Supermärkte sicherstellen muss, weil die ohne Strom eigentlich nicht funktionieren. Auch die Tankstellen würden dann eigentlich nicht mehr Benzin und Diesel liefern, heißt es. Aber für sie gebe es inzwischen ebenfalls Lösungen – über die niemand reden will, um potenziellen Tätern keine Hinweise zu geben.

Durchgespielt wird auch, wie Leipzig ohne Strom und Fernwärme funktionieren kann – von zwei bis zu zehn Tagen bei minus 20 Grad Celsius ist die Rede. Turnhallen und Schulen würden dann geöffnet und mit Notstromaggregaten beheizt, heißt es. Auch hier will niemand mehr sagen.

Das neue Konzept sieht vor, Trinkwasser im Notfall auch über intakt gebliebene Teile des öffentlichen Trinkwassernetzes bereitzustellen. Reichlich die Hälfte der Notwasserbrunnen sei entstanden und würde dann ebenfalls genutzt, verlautet aus dem Rathaus. Der übrige Bedarf werde mit Wasserwagen in die betroffenen Stadtteile transportiert. Die Leipziger Wasserwerke haben solche Wagen. Und es sollen noch mehr angeschafft werden. Dieses neue System basiere auf mehreren Säulen und sei viel flexibler als das alte.

Die Standorte der Notbrunnen werden geheim gehalten. Denn niemand will riskieren, dass sich im Fall der Fälle Menschen in Panik dorthin bewegen und diese sensible Infrastruktur zerstören. Oder dass Täter sie unbrauchbar machen. Jeder Notbrunnen sei für eine hohe Förderkapazität ausgelegt, heißt es. Jeder verfüge über ein einsatzbereites Notstromaggregat, damit das Wasser auch ohne Strom sprudelt – und mehrere Zapfschläuche, um in kurzer Zeit große Menschenmengen versorgen zu können. „Im Katastrophenfall wird bekannt gegeben, wo die Leipziger Trinkwasser holen können“, so ein Insider. Niemand brauche Nachteile befürchten, wenn er zum Beispiel den empfohlenen Zehn-Tage-Vorrat nicht in seiner Wohnung aufbewahren kann, weil diese dafür zu klein ist. Landesdirektion: Es seien auch Lebensmittelvorräte angelegt und Medikamente wie Jodtabletten stünden bereit – wo, wird nicht gesagt.

Freifrau von Fritsch sagt nur so viel: „Niemand muss sich Sorgen machen, wir sind auf alles gut vorbereitet.“ Und die letzten Vorbereitungen würden zügig abgeschlossen.

Von Andreas Tappert

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