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Lokales Französische Protestbewegung „Nuit Debout“ kommt nach Leipzig
Leipzig Lokales Französische Protestbewegung „Nuit Debout“ kommt nach Leipzig
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00:34 18.04.2016
Nuit Debout auf der Sachsenbrücke in Leipzig. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Die  Protestbewegung „Nuit Debout“ aus Frankreich hat einen Ableger in Leipzig gefunden. Am Sonntag trafen sich dutzende, zumeist junge Menschen auf der Sachsenbrücke im Clara-Zetkin-Park, um über soziale Probleme und mögliche Lösungen zu sprechen. „Es geht darum, sich die Politik wieder anzueignen“, schrieben die Initiatoren im Vorfeld der Veranstaltung im sozialen Netzwerk Facebook. Allerdings ist bislang unklar, wer genau sich hinter dem Aufruf in der Messestadt verbirgt.

Unter dem Motto „Nuit Debout“ (Nacht im Stehen) demonstrieren seit dem 31. März Nacht für Nacht Menschen auf dem Platz der Republik in Paris. Landesweit gingen zuletzt Hunderttausende gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform der sozialistischen Regierung auf die Straße. „Nuit Debout“ ist eine spontane Protestbewegung, die mit Slogans wie „Aufstand gegen ungerechte Gesetze“ oder „Wir dürfen träumen“ auch ihre Unzufriedenheit und Wut über die hohe Arbeitslosigkeit und die schlechte Wirtschaftslage in Frankreich zum Ausdruck bringt. Französische Medien ziehen Parallelen zu den Protestbewegungen Occupy Wall Street in New York und den Indignados in Madrid, die als Reaktion auf soziale Ungleichheit, Bankenspekulationen oder den Sparkurs der spanischen Regierung entstanden waren.

Auch in Leipzig stehen soziale Fragestellungen im Zentrum. Ein Teilnehmer, der nicht namentlich genannt werden will, umreißt die Themenpalette so: „Es geht um sozialverträgliches Wohnen, prekäre Arbeitsverhältnisse, Integration von Migrantengruppen, Kürzungen im Bildungssystem.“ Kritik an der Europapolitik werde laut, „wenn Verbindungen zu Großkonzernen gepflegt werden, obwohl hier vor Ort viele mittelständische Unternehmen Unterstützung bräuchten.“

Die „Nuit Debout“ im Clarapark sei zunächst eine Plattform für verschiedene Gruppen mit verschiedenen Zielen gewesen, „für engagierte Menschen, die sich politisch nicht vertreten fühlen“, so der Teilnehmer weiter. „Es ist erst einmal eine Ideensammlung, um eine gemeinsame Stoßrichtung zu finden.“

In Frankreich hat sich die "Nuit Debout" zum Massenphänomen entwickelt. Quelle: dpa

Ein vorgefertigtes Konzept oder gar eine feste Struktur gibt es demnach nicht. Die Leipziger „Nacht im Stehen“ präsentierte sich am Sonntag als Forum für alle Interessierten, begleitet von Musik und in Picknick-Atmosphäre. Einer, der auch ans offene Mikrofon trat, war Jürgen Kasek, Vorsitzender der Grünen in Sachsen. Den Ansatz der „Nuit Debout“ in Leipzig sieht er darin, „verschiedene soziale Bewegungen zu verbinden, um sich für eine sozial gerechte Welt zu engagieren und neoliberale Sichtweisen zu hinterfragen“.

Auch Kasek konnte zunächst nicht sagen, wer die Veranstaltung organisiert hat. Wahrscheinlich sei aber, dass es sich um eine studentische Initiative handele. Vor Ort seien dann Vertreter verschiedenster Gruppen – etwa aus der der Umweltbewegung oder vom Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ – zusammengekommen. „Ich glaube, es ist eine Neugier da“, sagte Kasek in Bezug auf die erste „Nuit Debout“.

Noch ist unklar, wohin die Bewegung in der Messestadt läuft. Dem Vernehmen nach soll es weitere Veranstaltungen geben – Details legen die Teilnehmer jedoch erst in der gemeinsamen Diskussion fest.

Von Michael Frömmert (mit dpa)

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