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Lokales Jeder vierte Leipziger will Burkhard Jung als Sparkassen-Präsident
Leipzig Lokales Jeder vierte Leipziger will Burkhard Jung als Sparkassen-Präsident
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23:06 11.09.2018
Wie geht es für Burkhard Jung (SPD) weiter? Bleibt er OBM, wird er Sparkassenchef – oder verliert er alles? Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Eine knappe Mehrheit der Leipziger wünscht sich, dass Burkhard Jung (60, SPD) Oberbürgermeister bleibt und im nächsten Jahr nicht zum Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV) wechselt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Uniqma im Auftrag der LVZ durchführte. Danach befürwortet nur jeder Vierte Jungs Bewerbung zum OSV-Präsidenten. Sachsenweit gönnen ihm sogar nur acht Prozent der Wähler den mit mehr als einer halben Million Euro Jahresgehalt dotierten Lobby-Posten.

OBM-Wahl könnte vorgezogen werden

Am 24. Oktober wählt der Ostdeutsche Sparkassenverband. Jung, der vom Sächsischen Städte- und Gemeindetag nominiert ist, bewirbt sich zusammen mit dem Bautzener Landrat Michael Harig (CDU), hinter dem der Sächsische Landkreistag steht, um das Präsidentenamt. Bisher konnten sich beide Seiten nicht auf einen Kandidaten einigen, wie es vom Vorstand des OSV angestrebt wird. Am 1. Juni 2019 soll der neue Präsident sein Amt antreten. Für Leipzig würde das im Fall einer Wahl von Jung bedeuten, dass die regulär Anfang 2020 stattfindende Oberbürgermeisterwahl vorgezogen werden müsste.

Bautzener geben Jung mehr Zustimmung

Bemerkenswert: Im Landkreis Bautzen, aus dem Jungs Kontrahent bei der Bewerbung um das Sparkassen-Amt kommt, liegt seine Zustimmung als OSV-Präsident mit elf Prozent sogar drei Prozentpunkte über dem sachsenweiten Durchschnitt.

Parteienpräferenz spielt eine Rolle

Landesweit wollen 54 Prozent der für die repräsentative Umfrage befragten 703 Personen, dass Jung als Oberbürgermeister in Leipzig weitermacht. Genauso hoch ist der Anteil der OBM-Befürworter in Leipzig. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 war der SPD-Politiker noch mit 45 Prozent der Stimmen wiederholt zum Oberbürgermeister gewählt worden. Je nach Parteienpräferenz bewerten die Wähler Jungs persönliche Karrierepläne unterschiedlich. Mit nur vier Prozent fällt die Zustimmung zu einem Wechsel zum OSV bei den FDP-Wählern am geringsten aus, mit zwölf Prozent dagegen bei den AfD-Anhängern am höchsten. Allerdings liegt bei den Sympathisanten der AfD der Anteil derer, die Jung weiter im Neuen Rathaus regieren sehen wollen, mit 38 Prozent am niedrigsten. Vor allem die Wähler von Grünen (77 Prozent) und der FDP (71 Prozent) wünschen sich einen Verbleib Jungs an der Rathausspitze. Bei den Sympathisanten der Linken sind es 68 Prozent, bei denen der CDU 58 Prozent.

SPD-Wähler wollen Jung in Leipzig halten

Von den Wählern seiner eigenen Partei sprechen sich 67 Prozent dafür aus, dass Jung Oberbürgermeister bleibt, nur sieben Prozent sagen, er soll sein Amt aufgeben und zum OSV gehen. Zu groß dürfte bei ihnen die Furcht sein, mit Jung könnte bei einem Wechsel nach Berlin die lange Ära der SPD-Oberbürgermeister in Leipzig zu Ende gehen. Denn von Jungs Wechselplänen waren die Leipziger Sozialdemokraten kalt erwischt worden. Der Parteivorsitzende gab kurz darauf seinen Rücktritt bekannt. Die SPD hatte bis dahin keine Nachfolger aufgebaut und war wohl davon ausgegangen, dass Jung 2020 auch ein drittes Mal antritt.

Bunsen-Statement als Stimmungstest?

Unklar ist indessen, was eine Aussage des Präsidenten des Sächsischen Unternehmerverbandes, Hartmut Bunsen, in der Causa Jung bedeutet. Bunsen hatte gegenüber der LVZ erklärt, sollte die OSV-Bewerbung scheitern, spreche sich die Wirtschaft für eine weitere Amtszeit Jungs als Oberbürgermeister aus. Einzelne politische Beobachter werten dies als gezielten Stimmungstest für einen möglichen Rückzug Jungs von der OSV-Bewerbung.

Aussichten schwinden

Jungs Chancen für eine Wahl zum Präsidenten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes trüben sich dagegen immer mehr ein. Denn mit jedem Tag, an dem Jung und sein Kontrahent Harig an ihren Kandidaturen festhalten, schwinden ihre Aussichten, den Posten wirklich zu erhalten. Der Grund: Der OSV will den wichtigen Posten zwar mit einem Sachsen besetzen – aber wenn aus Sachsen mehr als eine Bewerbung kommt, gilt diese Zusage nicht. Dies um so mehr, da sich auch die beiden sächsischen Spitzenverbände im OSV nicht auf einen der beiden Kandidaten einigen können.

Verbände äußern sich nicht

LVZ-Recherchen bestätigten dies am Dienstag erneut: Der Sächsische Städte- und Gemeindetag soll danach weiterhin hinter der Bewerbung von Burkhard Jung stehen; der Sächsische Landkreistag dagegen hinter dem Bautzner Landrat Harig. Beide Spitzenverbände wollen sich aber nicht zu diesen Personalien äußern.

Neue Chance für Ermrich?

Bekannt wurde Dienstag ebenfalls, dass sich die Spitzenverbände der drei anderen im OSV vertretenen Bundesländer – also Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt – immer klarer im Streit um die Neubesetzung des Präsidentenposten positionieren. Sie gehen offenbar inzwischen davon aus, dass auch in den verbleibenden sechs Wochen keiner der beiden sächsischen Bewerber seine Kandidatur zurückziehen wird. Intern signalisieren sie jetzt nach LVZ-Informationen, dass sie in diesem Fall bei der entscheidenden Abstimmung des OSV am 24. Oktober dafür stimmen werden, die Amtszeit des aktuellen OSV-Präsidenten Michael Ermrich um zwei Jahre zu verlängern. Wenn es dazu kommen sollte, würden Jung und Harig leer ausgehen. Wie berichtet, hat Burkhard Jung bereits signalisiert, in diesem Fall eventuell erneut als Leipziger OBM zu kandidieren.

Online-Umfrage gestartet

Sie waren nicht unter den Befragten? Dann können Sie jetzt bei der Online-Umfrage auf der Startseite von LVZ.de Ihre Meinung zur Zukunft von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung abgeben.

Von Klaus Staeubert und Andreas Tappert

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