Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales OBM-Galerie ohne Erich Zeigner: Riesen-Wut aufs Rathaus
Leipzig Lokales OBM-Galerie ohne Erich Zeigner: Riesen-Wut aufs Rathaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:11 18.04.2018
Die Ahnengalerie im Leipziger Rathaus hat für Empörung gesorgt. Quelle: Kempner
Anzeige
Leipzig

Die Galerie mit Porträtbildern „aller demokratisch gewählten Leipziger Oberbürgermeister“ seit 1877 hat am Wochenende eine Welle der Empörung ausgelöst. Grund: In der Sammlung fehlt Erich Zeigner, der von 1945 bis zu seinem Tod 1949 das höchste Amt der Stadt innehatte. Viele LVZ-Leser brachten ihre Wut darüber zum Ausdruck. Zeigner, heißt es in den Reaktionen, habe nach dem Zweiten Weltkrieg Verantwortung übernommen, als Leipzig in Schutt und Asche lag und das schwere Erbe Nazi-Deutschlands bewältigt werden musste. Die Linkspartei nannte das Verhalten der Rathausspitze skandalös. Die von OBM Burkhard Jung (SPD) am Freitag auf dem Gang vor seinem Dienstzimmer eröffnete Galerie zeigt wie berichtet lediglich Otto Georgi, Carl Bruno Tröndlin, Rudolf Dittrich, Karl Rothe, Carl Friedrich Goerdeler, Hinrich Lehmann-Grube und Wolfgang Tiefensee.

Im Leipziger Rathaus ist am Freitag eine Galerie von sieben Oberbürgermeistern aus der Zeit von 1877 bis 1937 sowie von 1990 bis 2005 eröffnet worden.

„Die faktische Aussperrung Erich Zeigners ist ein beschämender erinnerungspolitischer Skandal“, heißt es in einer Erklärung der Linken-Stadträte Sören Pellmann, Marco Götze und Margitta Hollick.  Sie fordern die Aufnahme Zeigners in die Porträt-Galerie aufgrund seiner „enormen Verdienste um den Wiederaufbau der Stadt nach dem von Nazideutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg“.

Leipziger Stadtsprecher Matthias Hasberg rechtfertigt Auswahl

Ausgestellt würden die Bilder der demokratisch gewählten Oberbürgermeister, erklärte dazu Stadtsprecher Matthias Hasberg. Zeigner sei jedoch durch eine Militärregierung eingesetzt worden. „Das entspricht nicht unserem Demokratie-Verständnis.“ Gezeigt werden Bilder der Oberbürgermeister aus der Zeit von 1877 bis 1937 sowie von 1990 bis 2005.

Die Linkspolitiker wiesen jedoch darauf hin, dass Zeigner nach den Gemeindewahlen 1946 bei der zweiten  Sitzung der Gemeindevertretung einstimmig zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Hasberg dazu: „Die Kommunalwahlen in der sowjetischen Besatzungszone 1946 waren keine freien Wahlen.“

Die Linken aber bescheinigen der Ausstellung ein „defizitäres, letztendlich totalitarismustheoretisch geprägtes Demokratieverständnis“. Bis 1918/19 hätte die Hälfte der Bevölkerung – nämlich Frauen – gar nicht wählen dürfen. Inwiefern seien dann die bis dahin gewählten OBM demokratisch legitimiert gewesen, fragen Pellmann, Hollick und Götze. Auch das spätere mutige Handeln Carl Friedrich Goerdelers, dessen Porträt in der Galerie zu sehen ist, könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass er fast vier Jahre als OBM der „Reichsmessestadt“ im Amt war. Er war 1936  durch den von den Nazis beherrschten Rat der Stadt wiedergewählt worden.

Klaus Staeubert und Björn Meine

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Manche hatten den Winter ja schon für beendet erklärt, aber es wird noch einmal kalt in dieser Woche. Viel Schnee wird zwar nicht mehr dazu kommen, doch dafür könnten es richtig schöne Wintertage werden in Leipzig.

05.02.2018

Die australische Künstlerin Melanie Lane erhält für ihre ungewöhnliche Performance „Wonderwomen“ den mit 5000 Euro dotierten Bewegungskunstpreis. Bei der Gala in der Schaubühne Lindenfels am Samstag ging es abseits vom offiziellen Teil auch um knifflige kulturpolitische Inhalte.

07.02.2018

Gegen den Krieg im syrischen Afrin sind am Samstag zahlreiche Menschen durch Leipzig gezogen. Die Demonstranten forderten auch „Freiheit für Öcelan“.

11.03.2018
Anzeige