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Lokales OBM-Wahl – wie geht es jetzt mit Jung weiter?
Leipzig Lokales OBM-Wahl – wie geht es jetzt mit Jung weiter?
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06:01 28.09.2018
Reicht die Kraft noch für eine weitere siebenjährige Amtszeit? Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hält sich zurzeit alle Optionen offen. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Dass sich Burkhard Jung (60, SPD) eine erneute Kandidatur als Oberbürgermeister vorstellen kann, hat er bereits vor Monaten öffentlich angekündigt. Allerdings mit der Einschränkung, dass seine Partei ihn dafür aufstellt. Die hielt sich auch gestern mit so einer Zusage zurück. „Burkhard Jung wäre eine hervorragende Wahl für den OSV gewesen“, verlautbarten auf Anfrage Katharina Kleinschmidt und Maximilian Rinck, die die Leipziger SPD derzeit kommissarisch führen. Der Leipziger SPD bleibe nun jedoch ein sozialdemokratischer Oberbürgermeister mit langjähriger Erfahrung in der Kommunalpolitik erhalten. „Wie bereits Mitte des Jahres erklärt, gilt aber auch jetzt: Wer im Jahr 2020 für die SPD zur Wahl antritt, wird die Partei mit ihren Mitgliedern zu gegebener Zeit entscheiden.“

Insider: SPD hat nicht viele Optionen

Beobachter gehen davon aus, dass die SPD Jung im Jahr 2020 durchaus wieder als OBM-Bewerber ins Rennen schicken könnte. Denn die interne Suche nach einem anderen Kandidaten hat sich als schwierig erwiesen. „Unsere Partei hat nicht viele Optionen“, beschreibt ein Beteiligter die Lage. Die besten Chancen hätte wohl die SPD-Integrationsministerin und Landtagsabgeordnete Petra Köpping. Diese werde es aber höchstwahrscheinlich ablehnen, gegen Jung zu kandidieren. Ihr werden gute Chancen eingeräumt, auch in den nächsten sächsischen Landtag einzuziehen. Ihre Partei könnte sie auf der SPD-Landesliste nach Martin Dulig auf den sicheren Listenplatz zwei setzen.

Bednarsky: Jung wollte einen „Tiefensee“ hinlegen

Offen ist allerdings, ob sich die SPD-Basis noch einmal hinter Jung stellt. Denn viele Genossen sollen ihm übel nehmen, dass er Leipzig für den hoch dotierten Sparkassen-Posten vorzeitig und unabgesprochen den Rücken kehren wollte. Dies sehen offenbar andere in Leipzig ähnlich. „Geld oder Leipzig: OBM Jung hat mit dem geplanten Wechsel zur Spitze der Sparkasse den ,Tiefensee’ versucht und einen politischen Bauchklatscher hingelegt“, kommentierte gestern Linken-Chef Adam Bednarsky die Entwicklung mit Blick auf den früheren SPD-Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee. Dieser war trotz gegenteiliger Ankündigung schon wenige Wochen nach seiner Wahl nach Berlin gewechselt. „Auch wenn eine Verbesserung der eigenen Jobsituation vielleicht persönlich nachvollziehbar sein könnte, als OBM ist es politisch nicht nachvollziehbar. Mit einem OBM Jung im Absprungmodus kann die SPD nicht in die Wahl 2020 ziehen.“

Clemen: Amtsinhaber ist kein Platzhirsch

Die CDU vertritt eine ähnliche Position. „Wir sind nicht der Ansicht, dass Jung bei der OBM-Wahl der Platzhirsch sein wird“, erklärte der Kreisvorsitzende Robert Clemen. „Wir werden einen Kandidaten aufstellen, der auch gegen Burkhard Jung ins Rennen gehen kann. Wir haben jetzt genug Zeit, diese Wahl in Ruhe und Gelassenheit vorzubereiten.“

Krefft: Wir sind nicht überrascht

Für Leipzigs Grüne hat sich Jungs Niederlage bei seiner Bewerbung um den Sparkassenposten schon geraume Zeit abgezeichnet. „Wir sind nicht überrascht“, kommentierte Fraktionschefin Katharina Krefft die Entscheidung des OSV-Vorstandes. „Für uns ist es schwierig, dass der Oberbürgermeister nicht klar geäußert hat, was er will.“ Sie gehe davon aus, dass Jung noch einmal für eine siebenjährige Amtszeit als OBM kandidiert. „Er wird dabei auch seinen Amtsinhaberbonus in die Waagschale werfen“, glaubt Krefft. „Aber das ist seine Entscheidung, die zu respektieren ist.“

Morlok: Es fehlt strategische Planung und Führung

Für Sachsens Ex-Wirtschaftsminister und FDP-Stadtrat Sven Morlok ist Jungs Bewerbung um den Präsidenten-Posten des Sparkassenverbandes „legitim“. „Es gehört zum politischen Geschäft, sich neu zu orientieren“, so der Liberale. „Das muss er den Wählern erklären, wenn er noch einmal antreten sollte.“ Die FDP werde auf jeden Fall wieder mit einem eigenen Kandidaten bei der nächsten OBM-Wahl dabei sein. „In Leipzig sind viele Probleme liegen geblieben“, kritisiert Morlok den Amtsinhaber. „Es ist auch vieles verschlafen worden, zum Beispiel bei der Kita- und Schulplanung, bei den Verkehrszenarien und beim Nahverkehrsplan. Da fehlt es an strategischer Planung und Führung.“

Kriegel: Er ist verbrannt

Die AfD bekräftigte gestern, dass sie die Ära der SPD-Bürgermeister in Leipzig beenden will. „Burkhard Jung hat hoch gepokert“, sagte Christian Kriegel, Sprecher des Kreisverbandes. „Viele Leipziger werden es ihm übel nehmen, dass der Oberbürgermeisterposten für ihn nur zweite Wahl ist. Wir glauben nicht, dass die Leipziger ihm diesen Wortbruch verzeihen.“ Aus AfD-Sicht sei Jung „durch sein Agieren um den mit 500 000 Euro Jahresgehalt ausgestatteten Sparkassenposten endgültig als Oberbürgermeister verbrannt“. Kriegel: „Sollte er noch einmal antreten, werden wir als AfD ihm auf jeden Fall einen starken Kandidaten entgegenstellen.“

Jung: Widme bis zum Ende der Amtszeit meine ganze Kraft der Stadt

Jung verschickte gestern eine Erklärung, in der er sich nicht auf eine weitere Kandidatur festlegt. „Der Verbandsvorstand des OSV hat eine Entscheidung getroffen, die wir alle respektieren“, heißt es darin. „Ich widme bis zum Ende der Amtszeit meine ganze Kraft weiter der Stadt Leipzig.“ Im Stadtrat wurde er etwas deutlicher. „Ich werde Ihnen mindestens bis März 2020 erhalten bleiben“, sagte Jung dort. Das „mindestens“ könnte im Umkehrschluss auch bedeuten: Er will 2020 noch einmal antreten.

Von Andreas Tappert

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