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OTMR in Leipzig: Der Mensch zwischen digitalem und echtem Leben

Konferenz und Barcamp OTMR in Leipzig: Der Mensch zwischen digitalem und echtem Leben

Bereits zum vierten Mal fand am Freitag die OTMR-Konferenz in Leipzig statt. Im InterCity-Hotel trafen dabei Online-Technologien auf Marketing und Recht.

Bereits zum vierten Mal fand am Freitag die OTMR-Konferenz in Leipzig statt. Im InterCity-Hotel trafen dabei Online-Technologien auf Marketing und Recht.

Quelle: OTMR 2017

Leipzig. Leila Summa, Markus Beckedahl, Thomas-Gabriel Günther, Peter Wittkamp und Jan Lukas Strozyk: Die Speakerliste der vierten Ausgabe der Digitalkonferenz OTMR (Online Technologie & Marketing trifft Recht) konnte sich sehen lassen. Die mehr als 120 Teilnehmer im Leipziger Intercity-Hotel erlebten neben den Speakern 18 Seminare und Arbeitsgruppen zu vielen Aspekten des digitalen Lebens. Die Veranstaltung wird von der Leipziger Anwaltskanzlei Spirit Legal LLP organisiert.

Kriminalist Thomas-Gabriel Günther berichtete über die Methoden, mit denen sich mutmaßliche Pädo-Kriminelle auf Chat-Plattformen, aber auch in Internetspielen oder Messenger-Apps an Kinder und Jugendliche nähern.

Quelle: OTMR 2017

Leila Summa, die bereits in Führungspositionen bei Facebook und Xing tätig war, rief zum liebevollen Kampf um die Arbeitskräfte von heute und die Talente von morgen auf. In ihrer Keynote wies sie darauf hin, dass der Fachkräftemangel gerade erst beginnt. „Zwar haben wir circa 2,6 Millionen Arbeitssuchende in Deutschland, doch nicht annähernd alle haben die notwendigen Qualifizierungen und Spezialisierungen für die offenen Stellen, die angeboten werden“.

Sie riet den Zuhörern, nicht allein auf neuartige künstliche Intelligenzen im Internet und automatisierten Bots zur Besetzung ihrer offenen Stellen zu vertrauen, sondern sich auch an das bewährte Empfehlungsmarketing zu erinnern: „Gute Talente empfehlen gute Talente.“ Denn laut der Zahlen, die sie durch ihre Tätigkeit bei Xing gewonnen hat, würden „knapp 50 Prozent der dort registrierten Mitglieder mit einem baldigen Jobwechsel liebäugeln“. Die Arbeitgeber müssten sich entsprechend attraktiv machen und „aufhübschen“.

2015: Vorwurf des Landesverrats

Netzaktivist und Journalist Markus Beckedahl sah sich im Sommer 2015 mit dem Vorwurf des Landesverrats konfrontiert. Er und sein Mitstreiter Andre Meister, so der Vorwurf der Behörden, hätten beim Nachrichten-Portal netzpolitik.org zwei geheime Dokumente des Verfassungsschutzes veröffentlicht. Fast über Nacht wurde Beckedahl zur Gallionsfigur des Kampfes um Informationsfreiheit und investigative Recherche in Deutschland.

Das Verfahren wurde eingestellt, doch ein Nachgeschmack bleibt. War das ein Versuch, die Pressefreiheit in Deutschland zu beschneiden, oder ein Einschüchterungsversuch des Verfassungsschutzes? Der Mitbegründer der erfolgreichen Netzkonferenz re:publica berichtete von seiner Arbeit und seinem Wirken als Netzaufklärer.

Gar nicht egal sind Peter Wittkamp die zehntausenden Follower auf den Social Media-Kanälen der Berliner Verkehrsgemeinschaft (BVG): Unter dem bekannten Hashtag #weilwirdichlieben haben Wittkamp und Kollegen die digitalen Kommunikationskanäle des Transportunternehmens aufgebaut. Was als halbjährliches Experiment gedacht war, läuft bereits seit zweieinhalb Jahren erfolgreich und wird so schnell auch kein Ende finden.

Sexuelle Avancen durch Messenger-Apps und Internetspiele

„Die BVG haben einen messbaren Popularitätsschub erfahren und viele Nutzer reagieren durch den humoristischen Ansatz unserer Twitter- und Facebook-Kanäle deutlich entspannter auf Verspätungen oder Behinderungen im öffentlichen Nahverkehr.“ Mit dem massenhaft geklickten Kontrolleurs-Video „Is mir egal“ konnten die Macher den wohl bekanntesten ihrer viralen Hits landen.

Deutlich weniger lustig ging es bei Thomas-Gabriel Günther zu. Der studierte Kriminalist berichtete über die Methoden, mit denen sich mutmaßliche Pädo-Kriminelle auf Chat-Plattformen, aber auch in Internetspielen oder Messenger-Apps an Kinder und Jugendliche nähern. „Alle Spiele mit Chat-Funktionen sind davon betroffen, gleich ob am PC, auf iOS -oder Android-Geräten.“ Eindeutige sexuelle Avancen sind dort an der Tagesordnung, ebenso die fortgesetzte Aufforderung an die Kinder, Nacktbilder zu machen und zu senden oder die Kameras der Geräte einzuschalten.

Erschreckend vor allem auch, mit welcher scheinbaren Gleichgültigkeit die Betreiber der Spiele oder Download-Plattformen, über welche die Spiele heruntergeladen werden, solche offensichtlichen Vorgänge ahnden– nämlich so gut wie gar nicht. „Viele Eltern wissen noch immer nicht, was auf diesen Plattformen oder in den Spiele-Chats mit ihren Kindern passiert“, so Günther. Deutschlands wohl bekanntester Cyberpolizist fordert mehr Präsenz des Staates im Internet und die rigorose Aufklärung und Ahndung derartiger Übergriffe. „Werden diese nicht geahndet, wird es zu immer mehr und krasseren Normüberschreitungen kommen“, ist sich der Gesetzeshüter sicher.

Profilierung durch Leaks?

Über das Aufspüren von Wirtschaftskriminellen anhand von Daten erläuterte Investigativ-Journalist Jan Lukas Strozyk vom Norddeutschen Rundfunk (NDR). Der Autor berichtet von seiner langwierigen Arbeit an den „Panama-Papers“. Er ist einer der Rechercheure, die sich unter anderem beim NDR an die Aufarbeitung dieser riesigen Sammlung von Dokumenten machten, die ein enormes Firmengeflecht zur Steueroptimierung und Steuerverhinderung mit Sitz in dem mitteamerikanischen Land darstellt. Rund 11,5 Millionen Datensätze mussten gesichtet werden – eine zeit- und nervenraubende Arbeit, die rund 400 Journalisten in einem internationalen Recherchenetzwerk zu erledigen hatten.

Daten-Journalist Strozyk, der bereits an den „Luxemburg Leaks“ mitarbeitete, rechnet für die kommenden Monate und Jahre mit weiteren brisanten Sammlungen von Geheimpapieren, aber auch mit einer Art Graumarkt für derartige Aufzeichnungen. „Möglicherweise werden wir auch Leaks aus eher zweifelhaften Quellen sehen, die der Profilierung oder Vorteilsgewinnung einiger Whistleblower dienen werden“. Vorsicht bleibt da geboten.

Diese und viele andere Aspekte des Netzlebens wurden in einem Barcamp, einer Folge improvisierter Workshops, behandelt. Thematisch drehten sich die Seminare um die Digitalisierung der Arbeitswelt, die daraus folgenden Herausforderungen für klein- und mittelständige Unternehmen, Datenschutz im Alltag und Technologie-Akzeptanz im täglichen Leben. Ein solcher Barcamp-Tag ist hoch interessant, kostet aber auch viel Energie. Das geht nicht nur den Konferenz-Teilnehmern so, sondern auch den technischen Hilfsmitteln, welche die Internetnutzung erst ermöglichen. Bei einem abschließenden Seminar zu Live-Übertragungen ins Internet, dem Streaming, gab das streamende Mobiltelefon der Referenten nach der Hälfte auf. Überhitzt. Ende.

Von Frank Schmiedel

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