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Lokales Obdachlosenhilfe: Leipziger organisiert privat ein Kältemobil für die Messestadt
Leipzig Lokales Obdachlosenhilfe: Leipziger organisiert privat ein Kältemobil für die Messestadt
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15:10 03.03.2018
Der Leutzscher Basti Schauer, seine Frau Simone und Tochter Julia, organisieren mit Hilfe über die sozialen Netzwerke ehrenamtlich ein Kältemobil, fahren täglich mit eigenem Pkw verschiedene Treffpunkte von Obdachlosen an, um ihnen Decken, Essen und andere Dinge zu bringen, die ein Überleben auf der Straße ermöglichen sollen.  Quelle: André Kempner
Leipzig

In der Messestadt regiert weiterhin klirrende Kälte, in der vergangenen Nacht fiel das Quecksilber wieder erheblich unter den Gefrierpunkt. Das trifft vor allem die Schwächsten: Menschen, die auf der Straße leben, die häufig nicht nur tagsüber kein Dach über dem Kopf oder einen Heizkörper zum Wärmen haben. Seit Wochen gibt es in Leipzig eine Debatte darüber, ob die Einführung eines Kältebusses helfen könnte. Während Parteien und Kommune noch streiten, macht ein Leipziger Nägel mit Köpfen.

Der Leutzscher Basti Schauer organisiert seit Tagen mit Hilfe sozialer Netzwerke ehrenamtlich ein Kältemobil, fährt täglich mit eigenem Pkw verschiedene Treffpunkte von Obdachlosen an, um ihnen Decken, Essen und andere Dinge zu bringen, die ein Überleben auf der Straße ermöglichen sollen. „Ich kannte Kältemobile schon aus anderen Städten, habe so etwas in Hamburg auch selbst gesehen. Und dann fragt man sich: Warum gibt es das bei uns in Leipzig nicht – obwohl die Nachfrage doch offenbar da ist“, erzählt der 43-Jährige gegenüber LVZ.de.

Sachen ins Auto gepackt und losgefahren

Irgendwann wollte Schauer – der sonst im Leipziger Porschewerk als Instructor tätig ist – nicht mehr auf Lösungen von anderen warten und hat selbst losgelegt: „Ohne groß zu überlegen haben wir ein paar Sachen in unser Auto gepackt und sind losgefahren“, erzählt der Leutzscher. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Scheuer dann einen kurzen Hinweis, dass geneigte Mitstreiter gern helfen können. Innerhalb von wenigen Tagen wurde der Text mehr als 1000 Mal geteilt, viele User boten spontan an, ihn zu unterstützen.

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„Wir bekommen viele Hinweise, wo sich Obdachlose aufhalten und fahren die Stellen dann gezielt an. Gestern rief sogar die Polizei an und gab uns Hinweise“, sagt Scheuer. Wichtig sei bei der ehrenamtlichen Arbeit, sich auch Zeit zu nehmen: „Wir fahren hin und reden erstmal mit den Menschen dort, denn Vertrauen spielt eine große Rolle“, sagt der 43-Jährige und schiebt hinterher: „Hier geht es um das Mensch sein und nicht um Politik.“

Wie die Perspektive für sein Projekt aussehen kann, ob ihm irgendwann auch Kommune oder Vereine zur Hilfe kommen, darüber denkt Scheuer bisher nicht nach. „Wir machen das soweit wie es geht, inzwischen sind viele Helfer dazugekommen, bildet sich gerade ein Netzwerk heraus. Ich denke, wenn sich jeder ein bisschen Zeit nimmt, dann wird das funktionieren. Ich habe auch schon Anrufe von Kollegen bekommen, die vielleicht ein paar alte Werkstattwagen zur Verfügung stellen können“, so Schauer weiter.

Keine Geldspenden

Geldspenden kann und will er als Privatperson nicht annehmen, es reiche auch schon, wenn „mal eine Suppe gekocht wird“. Wer finanzielle Unterstützung leisten möchte, sollt dies bei Verbänden und Vereinen tun – wie beispielswiese bei „TiMMi ToHelp“. „Wir stehen im Austausch, fragen im Zweifel auch dort an, wenn konkret Sachen gebraucht werden“, erklärt der Kältemobil-Initiator.

Ende März soll das Thema „Kältebus in Leipzig“ auch in der Ratsversammlung verhandelt werden. Die Fraktion der Linken hatte vorgeschlagen, solch ein Projekt auf Kosten der Kommune einzuführen. Die Stadtverwaltung reagierte vorerst skeptisch, weil durch das mobile Anfahren von Obdachlosen unter Umständen verhindert werde, dass diese vom Hilfesystem der Stadt Leipzig Gebrauch machen und beispielsweise in Übernachtungshäuser oder Tagestreffs gehen. Laut Vorschlag aus dem Neuen Rathaus soll bis Ende 2018 geprüft werden, ob ein Kältebus sinnvoll wäre.

Alle Informationen im Netz: Facebook-Seite

Von Matthias Puppe

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