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Oberbürgermeister Jung enthüllt Gedenktafel für US-Soldaten - „Erst befreit, dann verraten"-Plakat

Oberbürgermeister Jung enthüllt Gedenktafel für US-Soldaten - „Erst befreit, dann verraten"-Plakat

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und die amerikanische Generalkonsulin in Leipzig, Kathrine Brucker, haben am Montagvormittag eine Gedenktafel an der „Runden Ecke" für die US-Truppen enthüllt, die vor 66 Jahren die Stadt eingenommen haben.

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Eine neue Gedenktafel erinnert an die Befreiung Leipzigs durch amerikanische Streitkräfte. Sie wurde von Harald Alff gestaltet und in der Bronzegießerei Noack gegossen. Die Enthüllung übernahm am Montag (17. April 2011) auch Oberbürgermeister Jung.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. "Es ist sehr wichtig, daran zu erinnern, dass Amerikaner diese Stadt vom Nationalsozialismus befreit haben", sagte Jung vor dem Gebäude am Dittrichring 24, an dem die Tafel angebracht ist. Dieser Fakt sei in der DDR über Jahrzehnte verschwiegen, der Fokus auf die Rote Armee gelegt worden.

Wie aus Quellen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit hervorgehe, hätten viele Leipziger die Ankunft der Amerikaner mit der Hoffnung auf Demokratie verbunden, stellte das Stadtoberhaupt klar. Viele Bürger hätten aber gedacht, dass dieses Ziel auch mit den Sowjets zu erreichen sei.

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Leipzig. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und die amerikanische Generalkonsulin in Leipzig, Kathrine Brucker, haben am Montagvormittag eine Gedenktafel an der „Runden Ecke" für die US-Truppen enthüllt, die vor 66 Jahren die Stadt eingenommen haben. „Erst befreit, dann verraten" stand auf einem Plakat, das ein Leipziger unter die Gedenktafel gestellt hatte.

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„Sie haben sich geirrt. Auch Bürgermeister Erich Zeigner", sagte Jung. Zeigner regierte die Stadt von Sommer 1945 bis zu seinem Tod im April 1949. Erst gehörte er der SPD an, wurde dann aber Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), einer unter Druck der Sowjets entstandenen Partei aus Sozialdemokraten und Kommunisten. „Es ist ein Hohn, dass das US-Hauptquartier am Dittrichring später zum Sinnbild für weitere Unterdrückung geworden ist", fuhr Jung fort. Dort befand sich in der DDR die Stasi-Zentrale.

„Erst befreit, dann verraten" stand auf einem Plakat, das Bernd Kühn unter die Gedenktafel gestellt hatte. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Amerikaner nach dem Krieg geblieben wären", sagte der 1938 geborene Leipziger, den die damaligen Ereignisse auch heute noch nicht loslassen. „Dann wären aus 12 Jahren Diktatur nicht 56 geworden." Die US-Truppen hatten im Frühjahr 1945 zwar Leipzig eingenommen, waren aber nur bis zum Sommer geblieben und übergaben aufgrund der Beschlüsse von Jalta die Verwaltung dann an die Sowjets.

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Eine neue Gedenktafel erinnert an die Befreiung Leipzigs durch US-Soldaten. Hier ein Archivfoto aus dem Waldstraßenviertel.

Quelle: Archiv Pro Leipzig

US-Generalkonsulin Kathrine Brucker hatte zuvor festgestellt, dass die Ehrung der 2. und 69. Infanteriedivision eine „große Geste" der Stadt und ihrer Bürger sei. Sie habe die Gelegenheit gehabt, mit Veteranen zu sprechen, auch mit einem, der 1945 in Leipzig dabei gewesen sei. Diese Männer seien immer noch stolz darauf, Deutschland von der nationalsozialistischen Diktatur befreit zu haben. Und sie seien glücklich, dass sich ihr Einsatz angesichts der Demokratie im Land gelohnt habe.

„Befreiung durch amerikanische Streitkräfte": Unter diesem Motto stand die Veranstaltung. Ob die Zeit vor 66 Jahren nicht eine Zeit der Befreiung und der Niederlage gewesen sei? „Diese Sicht der Dinge ist angesichts des von den Nazis entfachten Krieges und des Holocausts menschenverachtend", sagte Jung. Auf den Einwand, dass während der Befreiung auch Leid über Deutsche kommen sei, antwortete das Stadtoberhaupt: „Ich halte den Begriff ‚Niederlage' in diesem Zusammenhang aber für falsch. Es war damals für viele Familien sicher eine bedrückende Zeit, deshalb würde ich eher von Zeit der Trauer sprechen." Man dürfe zudem nie Ursache und Wirkung des Krieges vergessen.

„Ich habe durch den großen Bombenangriff 1943 meine ganze Familie verloren: meine sechsjährige Schwester und meine Mutter", sagte der 72-jährige Bernd Kühn mit Tränen in den Augen und zitternden Händen. „Für mich war es dadurch beides: Befreiung und Niederlage."

Michael Dick

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