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Jungfernfahrt: Die XL-Bahn tourt jetzt auf der Linie 4 durch die Stadt

Leipziger Verkehrsbetriebe Jungfernfahrt: Die XL-Bahn tourt jetzt auf der Linie 4 durch die Stadt

Endlich ist es soweit: Die neue XL-Straßenbahn der Leipziger Verkehrsbetriebe geht in Betrieb. Am Donnerstag taufte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) das erste Fahrzeug.

Am Donnerstag war es soweit: Das erste Fahrzeug der neuen XL-Straßenbahn ging in Betrieb.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Mit Premierenfieber schickten am Donnerstag die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) ihre erste XL-Straßenbahn in den Linienbetrieb. Denn die Zeitspanne für die technische Anpassung an die Besonderheiten des Leipziger Straßenbahnnetzes war mit rund einem halben Jahr extrem kurz, und die Techniker des polnischen Herstellers Solaris hatten buchstäblich bis zur letzten Minute an dem Fahrzeug geschraubt.

Zur Jungfernfahrt auf der Linie 4 war auch Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) an die Angerbrücke gekommen. „Auf einigen Straßenbahnlinien ist es eng geworden, wir brauchen dringen längere Fahrzeuge“, kommentierte er die Neuanschaffung. Und Norbert Menke – Geschäftsführer der stadteigenen LVV-Holding, die die neuen XL-Bahnen fast komplett bezahlt – sprach von einem Meilenstein seiner Investitionsinitiative. Eine neue XL-Bahn koste rund drei Millionen Euro, rechnete er vor. Bei der geplanten Anschaffung von 41 Fahrzeugen komme ein stattlicher Betrag zusammen. Und LVB-Geschäftsführer Ulf Middelberg erklärte, dass bis zum Jahresende in Leipzig 14 Bahnen des neuen XL-Typs eintreffen werden. Vier sind schon da, drei davon werden noch technisch angepasst.

Unmittelbar vor dem Start durfte Oberbürgermeister Jung die neue Bahn taufen. Er musste dafür seinen persönlichen Lieblingsort in Leipzig offenbaren und dessen Bezeichnung als Taufnamen verwenden. „Für mich liegt der schönste Ort in Leipzig im Auwald“, erklärte der OBM. Ihm gefalle dort besonders die Weiße Brücke, die über den Floßgraben führt. Dort würden Liebespaare Vorhängeschlösser anbringen, obwohl dies verboten sei, sagte er verschmitzt. Leipzigs erste XL-Bahn heißt deshalb jetzt „Weiße Brücke“ – der Namenszug wurde von Jung handschriftlich aufs Fahrzeugheck geschrieben und anschließend mit Rotkäppchensekt begossen. Nach den Sommerferien wollen die LVB alle Leipziger auffordern, für die nächsten XL-Bahnen ähnliche Namensvorschläge zu machen. „Die erste Bahn wird jetzt drei bis vier Wochen auf der Linie 4 unterwegs sein – dann schieben wir weitere Bahnen nach“, kündigte LVB-Technik-Geschäftsführer Ronald Juhrs an. 40 LVB-Fahrer seien bereits auf dem neuen Typ geschult, die ersten zehn kämen jetzt zum Einsatz.

Für die Jungfernfahrt von der Angerbrücke zur Haltestelle Gohlis/Landsberger Straße setzten die LVB Fahrlehrer Kai Richter ein. Er fuhr die Bahn behutsam an, im Fahrzeug musste niemand um seine Standsicherheit bangen. „Wir haben die Fahrdynamik an unsere Leipziger Verhältnisse angepasst“, erläuterte während der Fahrt XL-Projektleiter Mario Blumstengel. Die größten Anpassungen seien aber wegen der Spurweite des Leipziger Straßenbahnnetzes von 1458 Millimetern vorgenommen worden, denn normalerweise liege die Regelspurweite bei 1435 Millimetern. Für Getriebe und Kupplungen sei dies ein großer Unterschied, so Blumstengel.

Ins Auge springen den Fahrgästen beim Einsteigen sofort die großen Doppeltüren und die Panoramafenster, die einen ungewohnt großzügigen Blick auf die Straßenszenen ringsum gestatten. „Die Fenster bestehen aus Thermoglas“, betonte der Projektleiter – sie halten also relativ gut Hitze und Kälte vom Innenraum fern. Bei der Beleuchtung im Fahrzeug haben sich die LVB für zwei Weißtöne entschieden – einen warmen und einen kalten, die nach den Außentemperaturen ausgewählt werden sollen, um das Temperaturgefühl der Fahrgäste positiv zu beeinflussen.

Taufe der XL-Straßenbahn auf den Namen "Weiße Brücke" durch OBM Burkhard Jung (SPD) im Straßenbahnhof Angerbrücke in Leipzig. v.l. Burkhard Jung, Ulf Middelberg, Mario Blumenstengel, Dr.Norbert Menke und Ronald Juhrs.

Taufe der XL-Straßenbahn auf den Namen "Weiße Brücke" durch OBM Burkhard Jung (SPD) im Straßenbahnhof Angerbrücke in Leipzig. v.l. Burkhard Jung, Ulf Middelberg, Mario Blumenstengel, Dr.Norbert Menke und Ronald Juhrs.

Quelle: André Kempner

Die neue XL-Fahrzeuggeneration ist auf eine Lebensdauer von 32 Jahren ausgelegt. Nach 8, 16 und 24 Jahren gibt es Hauptuntersuchungen. Der Hersteller gewährt eine fünfjährige Garantie, für wesentliche Komponenten noch deutlich mehr. „Die Garantie beginnt erst zu laufen, wenn die Fahrzeuge richtig im Netz unterwegs sind“, verriet Geschäftsführer Juhrs. Bei der ersten Bahn sei dies nach 12 500 Kilometern der Fall, bei den nächsten nach jeweils 1500 Kilometern.

Andreas Tappert

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