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Lokales ÖPNV gegen Auto in Leipzig: Gratis-Aktion der Verkehrsbetriebe im Praxistest
Leipzig Lokales ÖPNV gegen Auto in Leipzig: Gratis-Aktion der Verkehrsbetriebe im Praxistest
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16:34 11.04.2012
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Als Fahrschein gilt dabei die Kfz-Zulassung. LVZ-Online hat die gemeinsame Offerte von Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB), Mitteldeutscher Regiobahn (MRB) und Deutscher Bahn (DB) darauf getestet, wer in der Stadt die Nase vorn hat: Bahn oder Auto.

   

Mit der Gratis-Aktion wollen die LVB „Schluss mit dem Benzinpreiswahnsinn“ machen, rufen die „Zeit für den Umstieg“ auf Busse und Bahnen im Stadtgebiet (Tarifzone 110) aus. LVZ-Volontär Felix Kretz und Fotograf Dirk Knofe dachten sich: Testen wir das! Drei Stichprobenstrecken von kurz bis lang wurden festgelegt und ab ging’s.

Die erste Stichprobe nehmen wir zwischen Connewitzer Kreuz und Willy-Brandt-Platz. Punkt 7.57 Uhr soll uns die Linie 11 zur Haltestelle Hauptbahnhof bringen. In weiser Voraussicht stehen Fotograf und Volontär überpünktlich an dem südlichen Verkehrsknotenpunkt: Die Bahn der Linie Nummer 11 fährt heute drei Minuten früher los.

Eingestiegen, treffen wir Christian Fritsche. Der 32-Jährige ist bei einem Architekturbüro beschäftigt und will am Augustusplatz aussteigen. Gewöhnlich fährt Fritsche mit dem Auto zur Arbeit, nutzte am Mittwoch aber bewusst das Gratis-Angebot der LVB. „Mit dem Auto bin ich theoretisch schneller“, meint er, „hinzu kommt jetzt, dass ich noch zehn Minuten laufe“. Andererseits dürfte die Parkplatzssuche genauso viel Zeit kosten.

Connewitzer Kreuz bis Hauptbahnhof: Das Auto ist schneller

Im hinteren Teil der Bahn steht Maximilian Leistner und klammert sich an einer Halteschlaufe fest. Auf seinem täglichen Weg zum Arbeitsplatz muss der 27-Jährige von der Kurt-Eisner-Straße bis zum Goerdelerring ein mal umsteigen. Der pädagogische Mitarbeiter an der Volkshochschule Leipzig ist bekennender ÖPNV-Fahrer. Auf einer Skala von eins bis vier bewertet er die LVB mit vier – „Wenn vier ‚sehr zufrieden’ bedeutet“, sagt Leistner. Auf einen eigenen Wagen kann er gut verzichten: „Hier in Leipzig brauche ich kein Auto.“

Nach Christian Fritsche und Maximilian Leistner ist die Reihe an uns: Um 8.11 Uhr und damit 17 Minuten nach dem Connewitzer Kreuz steigen wir am Hauptbahnhof aus. Laut Fahrplan veranschlagen die LVB 15 Minuten für die Strecke – und holen sich auf dem Rückweg selbst ein. Eine Linie 11 und 13 Minuten später stehen wir wieder im Süden und steigen auf das eigene Vehikel – einen Benziner – um.

Elf Minuten braucht es laut Navi für die fünf Kilometer vom Kreuz bis zum Willy-Brandt-Platz entlang der Karli über Augustusplatz und Georgiring. Nach einem Dutzend Ampeln sind wir da und stellen fest: Das Navi hat Recht, das Auto spart ein paar Minuten. Ein Ergebnis, das auch für die gewählte Langstrecke vom Willy-Brandt-Platz bis zum Sommerfeld gilt.

Willy-Brandt-Platz bis Sommerfeld: Noch liegt Pkw vorn

Von Neuem bemühen wir den Bordcomputer um zur Endhaltestelle der LVB-Linie 7 zu kommen. Der Weg führt unter anderem über Gerber- und Berliner Straße auf die Adenaueralle und die Zielgerade Permoserstraße. 18 Minuten später ziehen wir die Handbremse am Sommerfeld. Auf den Schienen rechnen uns die LVB eine knappe halbe Stunde vor. Ein Zeit, in der manche Fahrgäste die an diesem Tag geschenkte Printausgabe der LVZ fast komplett studiert haben. Fazit: Wieder Erster! Aufholen kann der Rivale Nahverkehrsanbieter allerdings auf der gewählten Kurzstrecke.

Die Baustelle am Wilhelm-Leuschner-Platz nötigt uns mit dem Auto einen Umweg ab, bevor wir vor der Haustür der Deutschen Nationalbibliothek stehen. Statt direkt rechts in die Grünewaldstraße abzubiegen, führt die alternative Routen also über Goldschmidtstraße, Nürnberger Straße und die Straße des 18. Oktober hinunter Richtung Zentrum-Südost.

Wilhelm-Leuschner-Platz bis Deutsche Nationalbibliothek: LVB holt auf

Verkehr und Ampeln wollen diesmal weniger mitspielen. Geschlagene zehn Minuten sind nötig, bis wir am Ziel sind – wo rund um den Deutschen Platz alles zugeparkt ist. Die künstliche Intelligenz hatte uns sechs Minuten Fahrzeit prophezeit. Dagegen kommen wir per LVB-Linie 2 auf eine siebenminütige Fahrzeit zur größten deutschen Universalbibliothek. Ergo: Auf dem kurzen Weg kann der ÖPNV punkten.

Unter dem Strich zeigen die Stichproben: Allein die Fahrzeiten gerechnet, kommen wir auf vier Reifen zwar etwas zügiger voran als auf den Gleisen. Erinnern wir uns allerdings an LVB-Fahrgast Christian Fritsche: Die Fußwege von und zu den Haltestellen nehmen sich nicht viel verglichen mit der Parkplatzssuche, zumal im City-Bereich, vielleicht sogar weniger.

Der Feldtest zeigt auch: Trotz Osterferienwoche sind die Straßen nicht unbedingt freier, die Parkmöglichkeiten nicht üppiger gesät. Und mehr als ein Schulterblick bei der Fahrt durch die Stadt verrät uns: Aral und Total wollen für den Liter Super Benzin 1,69 Euro. Zum Vergleich: Eine Einzelfahrt in der LVB-Tarifzone Leipzig kostet normalerweise 2,10 Euro, ist eine Stunde ab Stempeln im Entwerter gültig. Für das Kurzstrecken-Ticket – gültig bis zu vier Haltestellen – verlangen die LVB 1,50 Euro.

Schließlich haken wir bei den LVB nach, ob es hausinterne Untersuchungen gibt, die auf extreme Zeitunterschiede zwischen ÖPNV und Auto hinweisen. „Es gibt keine Pauschalrechnung, wann und wo es unschlagbar günstig ist“, klärt LVB-Sprecher Reinhard Bohse auf, ist sich jedoch sicher: „Insgesamt lohnt es sich mindestens auf die Anschaffung eines Zweitwagens zu verzichten.“

Unschlagbar gute Laune hatten indessen die Kontrolleure während der Gratis-Aktion im Nahverkehr. Die Resonanz der Fahrgäste auf das Angebot sei überaus positiv, hieß es von mehreren LVB-Bediensteten. Für ein Foto wollten sie sich allerdings nicht hergeben. Als Fahrgast kann man sich denken warum.

Felix Kretz

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