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Lokales Öko-Strom aus Leipzig-Connewitz
Leipzig Lokales Öko-Strom aus Leipzig-Connewitz
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00:22 30.09.2017
Joachim Eckstein (66) von der Energiegenossenschaft Leipzig e.G. vor der Gemeinschaftsunterkunf in der Arno-Nietzsche-Straße. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Energiegenossenschaft Leipzig e.G. (EGL) will expandieren: Für rund 100.000 Euro soll auf einer Gemeinschaftsunterkunft in der Arno-Nietzsche-Straße eine neue Bürgersolaranlage errichtet werden. Nach aktuellem Stand wird sie rund 80 Kilowatt peak (kWp) groß sein und jährlich ungefähr 75.000 Kilowattstunden sauberen Solarstrom erzeugen.

Die 2013 gegründete EGL hat inzwischen 120 Mitglieder und bislang ein Solarprojekt auf dem Hupfeld-Center in Böhlitz-Ehrenberg erfolgreich umgesetzt. Der dort gewonnene Solarstrom, der in etwa dem Verbrauch von 20 Privathaushalten entspricht, wird zum größten Teil direkt von den im Gebäude ansässigen Gewerbebetrieben verbraucht.

Für das neue Vorhaben wurde vor vier Wochen mit der Stadt Leipzig ein Dachnutzungsvertrag unterzeichnet, der eine Laufzeit von 20 Jahren hat. Wie schon bei der Anlage in Böhlitz-Ehrenberg sollen auch diesmal wieder ökologisch interessierte Leipziger mindestens zwei Anteile à 100 Euro zeichnen und dieses Engagement auf bis zu 20.000 Euro aufstocken können. „Wir wollen mit unserem neuen Projekt auch neue Mitglieder akquirieren“, betont EGL-Vorstandsvorsitzender André Wüste. Wie viele aufgenommen werden können, hänge davon ab, wie stark sich die vorhandenen Mitglieder für das neue Vorhaben engagieren. „Ich rechne mit bis zu 100 neuen Mitgliedern“, so Wüste.

Eine Ausschüttung ihres ersten Gewinns in Form einer ertragsabhängigen Dividende von 1,5 bis zwei Prozent erfolgte bislang noch nicht. „Wir hatten eine Genossenschaftsprüfung, für die wir unsere erwirtschafteten Gewinne eingesetzt haben“, berichtet Wüste. „Wenn alles gut läuft, planen wir fürs nächste Jahr unsere erste Ausschüttung.“ Die meisten Mitglieder seien aber aus idealistischen Gründen dabei. „Sie wollen in erster Linie eine sinnvolle, nachhaltige Geldanlage.“

Die Genossenschaft richtet auch ihr neues Vorhaben in Connewitz wirtschaftlich aus. „Der Strom soll zunächst in das öffentliche Netz eingespeist und über das EEG vergütet werden“, erklärt Vorstandsmitglied Matthias Mattiza. „Wir prüfen zudem auch, ob eine Direktvermarktung möglich ist. In beiden Fällen wäre der Betrieb der Anlage rentabel“, betont Vorstandsmitglied Matthias Mattiza. In Böhlitz-Ehrenberg wird der dort gewonnene Solarstrom, der in etwa dem Verbrauch von 20 Privathaushalten entspricht, zum größten Teil direkt von den im Gebäude ansässigen Gewerbebetrieben verbraucht. Der Connewitzer Strom soll für rund zwölf Cent je Kilowattstunde in das öffentliche Netz eingespeist werden.

Seit Frühjahr 2016 bietet die EGL auch einen eigenen Stromtarif an, den sogenannten „Leipziger Bürgerstrom“. Dazu trat die Genossenschaft in den Verbund der „Bürgerwerke eG“ ein und vermarktet gemeinsam mit 72 anderen deutschen Energiegenossenschaften Ökostrom, der ausschließlich aus Bürgerenergieanlagen und einem Wasserkraftwerk stammt. „Hinter dem Angebot stehen rund 12.000 Mitglieder dieser Genossenschaften“, so Wüste. Käufer dieses Bürgerstroms zahlen in Leipzig einen Preis von rund 29,1 Cent je Kilowattstunde.

Die EGL will weiter expandieren. Eine ursprünglich avisierte Beteiligung an einem Windrad, das in der Region Leipzig steht und schon Strom produziert, hat sich allerdings zerschlagen, ebenso ein weiteres Photovoltaikprojekt direkt in Leipzig. „Wir haben in den vergangenen beiden Jahren viele Projekte untersucht“, erzählt Wüste. „Bei einigen war die Dachpacht zu hoch, andere haben sich aus statischen Gründen zerschlagen. Weil wir mit dem Geld unserer Mitglieder wirtschaften, sind wir sehr vorsichtig.“

Derzeit wird an einem neuen Windrad-Projekt gearbeitet, das sich allerdings nicht in der Region, sondern in Brandenburg befindet. Weil es relativ groß ist, wollen es vier Energiegenossenschaften aus verschiedenen Bundesländern gemeinsam angehen. „Wir erhoffen uns auch mehr Unterstützung vom Bund, wenn es zu einer Regierungsbeteiligung der Grünen kommen sollte“, sagt Wüste. „Vor allem dezentrale kleinere Bürgersolaranlagen und genossenschaftliche Projekte sind wir auf gute Rahmenbedingungen angewiesen.“

Das Konzept der neuen Bürgersolaranlage in der Arno-Nitzsche-Straße wird am Donnerstag ab 18 Uhr im Stadtteilbüro Leipziger Westen, Karl-Heine-Straße 54, vorgestellt.

Mehr Informationen: www.energiegenossenschaft-leipzig.de

Von Andreas Tappert

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