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Ökofete in Leipzig - ist Nr. 25 die letzte?

Ökofete in Leipzig - ist Nr. 25 die letzte?

Sie gehört zu Leipzig: die Ökofete. Wer das infrage stellt, braucht sich bloß durch die Menschenmassen im Clara-Zetkin-Park zu drängeln, die entlang der 130 Stände schlendern, sich über aktuelle Trends rund um Umwelt-, Natur- und Klimaschutz informieren, Bio-Köstlichkeiten und Veganes probieren, einfach ein Schwätzchen halten.

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Juni 1990: Ein Radtross setzt sich vom Rathaus Richtung Auensee in Bewegung. Dort fand die erste Ökofete statt.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Es ist die 25. Ökofete - und vielleicht auch die letzte? Denn der Umweltbund Ökolöwe, der das Fest mit städtischen Zuschüssen und Standgebühren organisiert, weiß nicht, ob er es 2015 noch stemmen kann.

Begonnen hat alles im Juni 1990 am Auensee. "Wir haben damals auch Initiativen und Gruppen aus unserer Partnerstadt Hannover eingeladen", erinnert sich Roland Quester, einer der Mitbegründer des Umweltbundes Ökolöwe. Dieser "brüllt" offiziell seit 23. November 1989. An jenem Tag vereinten sich Mitglieder kirchlicher Umweltgruppen und des damaligen Kulturbundes zur ersten unabhängigen Umweltorganisation Leipzigs, die während des Zusammenbruchs des alten Systems entstand. Natürlich thematisierten die Öko-Aktivisten auch schon vor 1989 Umweltsünden wie die Pleiße-Verschmutzung. Größter Erfolg des Umweltbundes war wenige Monate nach seiner Gründung die Stilllegung des Tagebaus Cospuden.

Die erste Ökofete am Auensee wurde per Radtross vom Rathaus via City, Gerber- und Georg-Schumann-Straße angesteuert. Gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) traten rund 1000 Menschen in die Pedale, um darauf aufmerksam zu machen, dass für das umweltfreundlichste Verkehrsmittel bislang viel zu wenig getan worden war. Auf der Ökofete gab es damals heiße Debatten darüber, ob das Auto künftig wirklich das Maß aller Dinge im Stadtverkehr ist, aber auch um die jahrelang verdrängten Taubenzecken, um zu hohe Nitratwerte im Trinkwasser und vieles mehr. "Es war trotzdem mühsam. Wir haben auf eine größere Resonanz gehofft, schließlich gab es genug Umweltprobleme", ergänzt Ralf Elsässer, ein Akteur der ersten Stunde. Bei vielen Menschen überwogen aber rasch die Existenzängste.

Damals von einigen belächelt, hat sich die Ökofete zum größten Umweltfest Mitteldeutschlands gemausert. Mittlerweile können die Veranstalter es sich leisten, Anbieter wegzuschicken. "Es gibt strenge Kriterien. So gab es Gastronomen, die nachweislich keine zertifizierten Erzeugnisse angeboten haben, die haben wir nicht wieder zugelassen", erzählt Nico Singer, der Geschäftsführer des Ökolöwen. "Wir legen Wert darauf, dass unsere Großveranstaltung so umweltschonend wie möglich ist." So wurden einige Waren mit Lastenrad herangeholt. Wenn schon Auto, dann wenigstens ein "geteiltes" über Carsharing, nennt er ein weiteres Beispiel. Was auffällt: Einige Themen der Anfangsjahre sind geblieben. So wird beispielsweise vor einem aufgeblasenen Baggerrad für eine Anti-Kohle-Kette am 23. August in der Lausitz geworben. Unter den Dörfern lagern Millionen Tonnen Braunkohle: "Jeder neue Tagebau ist ein Angriff auf die Energiewende", sagt Falk Hermenau von Greenpeace. Und erzählt, dass das bedrohte Dorf Proschim mehr Strom selbst produziert als es verbraucht. "Wir wollen eine acht Kilometer lange Menschenkette von Kerkwitz in Deutschland nach Grabice in Polen bilden."

Ob es eine Neuauflage der Ökofete gibt, ist derzeit fraglich. "Vielleicht die letzte?" - steht auf einem Banner. "Wir machen das nicht aus Marketinggründen", sagt Singer. Die Förderung über Beschäftigungsprojekte wurde rigoros zusammengestrichen. Das betrifft viele Vereine. "Wir stehen vor einer Finanzierungslücke. Aktuell fehlen uns 100 000 Euro pro Jahr für unsere Projekte." Versucht wird, 1000 neue Mitglieder und Förderer zu finden. "Wenn wir das nicht schaffen, müssen wir als Verein überlegen, was wir aufgeben." Der Etat der Ökolöwen beträgt je nach Projektförderung 300 000 bis 400 000 Euro im Jahr. "Leipzig will 2015 Hauptstadt des fairen Handels werden. Die Ökofete ist ein Spiegel dessen, was in unserer Stadt für fair und regional gehandelte Produkte angeboten wird", sagt Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). Als Rückgrat dieser Bewerbung sei sie daher unverzichtbar.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.06.2014

Mathias Orbeck

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