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Offener Brief aus Massenunterkunft an OBM – Anwohner in Leipzig-West laden Flüchtlinge ein

Offener Brief aus Massenunterkunft an OBM – Anwohner in Leipzig-West laden Flüchtlinge ein

Im Streit um eine Erweiterung der Massenunterkunft für Flüchtlinge in der Torgauer Straße melden sich nun auch die Bewohner selbst zu Wort. Vier der Asylbewerber haben einen offenen Brief an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) geschrieben und bitten das Stadtoberhaupt um eine Verlegung in Wohnungen in Innenstadtnähe.

Leipzig. Auch im Leipziger Westen würden sich Anrainer und Institutionen darüber freuen, eine Nachbarschaftsinitiative lädt Flüchtlinge jetzt explizit zum Zusammenleben in den Stadtteilen ein.

In dem auf Englisch verfassten und vom „Initiativkreis: Menschen. Würdig.“ an Jung weitergereichten offenen Brief der Asylbewerber wird vom sehr schlechten Zustand der weitgehend isolierten Massenunterkunft in Leipzig-Heiterblick berichtet: „Hier gibt es überall Insekten, die Gebäude müssen dringend saniert werden, die Möbel sind defekt und der Zaun rings um das Gelände lässt uns wie Häftlinge fühlen“, schreiben Ashraf Jabal, Saleh Alantouz, Mazen Alhamwi und Hussein Hanifa.

Die geplante Sanierung der Unterkunft für 5,7 Millionen Euro würde die aktuellen Zustände zwar verbessern. Die ebenfalls geplante Erweiterung der Anlage, durch Aufwertung bisher unbewohnbarer Teile, sehen die Flüchtlinge aber trotzdem mit Sorge. Viele der Insassen seien aus den Kriegsgebieten Syriens nach Deutschland geflüchtet, leiden unter dem Erlebten und harren nun in der Massenunterkunft aus. „Jeder von uns hat Angst, wir telefonieren täglich mit unseren Familien, in der Hoffnung, dass sie noch am Leben sind“, heißt es dazu im Brief. Gerade in solch einer Situation empfinden die Flüchtlinge das Leben auf dem ehemaligen Armeegelände als problematisch. „Versuchen Sie eine Lösung zu finden, die nicht bedeutet, hier ein neues Gebäude zu bauen. Wir wollen Deutsch lernen, arbeiten und aus diesem Gefängnis raus“, heißt es weiter im Brief an OBM Jung.

Anwohner im Leipziger Westen wollen gemeinsam mit Flüchtlingen leben

Geht es nach einer Initiative von Vereinen, Kultureinrichtungen, Wohnprojekten und Anwohnern im Leipziger Westen, könnten die Bewohner der Torgauer Straße 290 gern in die Stadtteile Plagwitz, Lindenau und Co. umziehen. Das Bündnis „Willkommen im Kiez“ wünscht sich laut Mitteilung vom Donnerstag ausdrücklich ein gemeinsames Leben mit Flüchtlingen.

Mit Blick auf die Entscheidung über die Baupläne in der Massenunterkunft am 25. Februar im Stadtrat fordert die Initiative auch, die einstmals bereits beschlossene dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern in Leipzig endlich umzusetzen, „bevor sechs Millionen Euro aus dem kommunalen Haushalt in den Ausbau der Massenunterkunft in der Torgauer Straße fehlinvestiert werden“. Alternativen zu den Plänen der Kommune sollen in der kommenden Woche auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

„Refugees“-Hallenturnier von Roter Stern Leipzig am Samstag

Bereits am kommenden Samstag lädt der Sportverein Roter Stern Leipzig zum Fußball-Hallenturnier „Refugees welcome“ in die Sporthalle der HTWK an der Arno-Nitzsche-Straße ein. Hier treten ab 12 Uhr Teams von Asylbewerbern aus Borna, Grimma und Leipzig gegen Jugendliche aus der Messestadt an. „Ziel ist es, zu einer Willkommenskultur beizutragen und ein Kennenlernen und Austauschen auf einfachem Wege zu ermöglichen“, so Roter Stern Leipzig in einer Mitteilung.

Internet: www.menschen-wuerdig.org, www.rotersternleipzig.de

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Übersetzung des offenen Briefs an Leipzigs OBM Burkhard Jung

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

wir sind Vier von Hunderten, die im Flüchtlingswohnheim in der Torgauer Straße leben. Wir hörten, dass Sie hier ein neues Gebäude bauen wollen. Wie sehen ihre Pläne dafür genau aus?? Die Einrichtung einer (zusätzlichen, Anm. der Red.) Wohnanlage für Flüchtlinge, die noch mit den Erlebnissen aus Kriegsgebieten und mit anderen psychischen Problemen zu kämpfen haben, wird in deren Herzen für Aufruhr sorgen.

Sie haben keine Ahnung von der schlimmen Situation, in der wir hier leben. Hier gibt es überall Insekten, die Gebäude müssen dringend saniert werden, die Möbel sind defekt und der Zaun rings um das Gelände lässt uns wie Häftlinge fühlen. Aber was wird uns vorgeworfen?

Wir sind aus dem Krieg in Syrien hierher geflüchtet!! Sie können nicht nachempfinden, was wir in unseren Herzen fühlen. Jeder von uns hat Angst, wir telefonieren täglich mit unseren Familien, in der Hoffnung, dass sie noch am Leben sind. Wir denken den ganzen Tag an sie und an unsere Zukunft hier.

Wir sind auf der Suche nach Sicherheit gekommen, wir wollen hier studieren, arbeiten und leben. Wir lernen Deutsch, aber glauben Sie, eine solche Situation ist gut, um eine neue Sprache zu lernen?

Bitte, töten Sie nicht unsere Hoffnungen. Versuchen Sie, Wohnungen für uns innerhalb Leipzigs oder nicht weit davon entfernt zu finden. Versuchen Sie eine Lösung zu finden, die nicht bedeutet, hier ein neues Gebäude zu bauen. Wir wollen Deutsch lernen, arbeiten und aus diesem Gefängnis raus.

Ashraf Jabal, Saleh Alantouz, Mazen Alhamwi, Hussein Hanifa

Matthias Puppe

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