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Lokales Oktoberfest in Leipzig: Atemlos in Dirndl oder Lederhose
Leipzig Lokales Oktoberfest in Leipzig: Atemlos in Dirndl oder Lederhose
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23:14 22.10.2017
Christian Kostiuk und Denis Pfannmüller (von links) sind zufrieden mit der Resonanz auf ihre Veranstaltung in Leipzig. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Das Wetter ist bescheiden an diesem Samstagabend. Es regnet in langen Streifen, und kalt ist es auch. Immer mehr Menschenmassen strömen in Lederhosen, Dirndl-Kleidern, Karohemden und mit bunten Blumen in den Haaren auf die Alte Messe, wo vor dem Hit-Markt ein riesiges Zelt steht, das die Scharen magisch anzuziehen scheint.

Leipziger schunkeln in Dirndl und Lederhosen. Fotos: Andre Kempner.

Je näher der neugierige Beobachter kommt, desto lauter hämmert von dort der Song „Amsterdam“ durchs Dunkel – und wer die Kontrolle am Zelteingang passiert hat, ist auf einmal in einer anderen Welt: In dem 70 mal 30 Meter großen Reich von Denis Pfannmüller, der mit seiner Frau Elisa und zwei Partnern aus Hamburg seit vier Jahren das „Leipziger Oktoberfest“ veranstaltet. „Es läuft richtig gut“, schwärmt der 49-jährige Kaufmann aus Frankfurt/Main, der seine Gäste in Krachlederner und Bayern-Weste empfängt. „Mittlerweile sind wir freitags und samstags ausverkauft. Die Karten gehen meist schon Monate vorher weg.“

Bier und Weißwurst

Und noch etwas hat sich geändert: An den Sonnabenden kommen inzwischen 95 Prozent der Partygäste in Trachtenkleidern. Denn Leipzigs große Mode-Häuser wie Karstadt, Breuninger und Galeria-Kaufhof sind längst auf das Geschäft mit den folkloristischen Textilien aufgesprungen. Sogar der Discounter Kik offeriert für kleines Geld Ausgefallenes, das Internet sowieso.

Gegen 19 Uhr jongliert die Bedienung Krüge mit Bier und Bretter mit Leckereien zu den 400 besonders wichtigen Personen auf der VIP-Terrasse links oben – da, wo ein Ticket 89 Euro kostet und bis zum Abwinken getrunken werden kann. Die übrigen 2600 Partygänger lassen Erdinger-Oktoberfestbier für 8,90 Euro das Maß kommen oder Weißwürste für fünf Euro. Von der Bühne schmettern die „Wilden Engel“ jetzt „Alt wie ein Baum“ und die ersten fangen an, so stark zu schunkeln, dass Bierbäuche und Dekolletees um die Wette wippen. Beim Vicky-Leandros-Lied „Ich liebe das Leben“ singen Hunderte gut geöl- ter Kehlen mit. Auch die VIP’s werden munter. Die ersten klettern auf die Bänke. Jetzt geht’s los !

Atemlos in Leipzig

Das war nicht immer so. Als Pfannmüller und seine Partner vor vier Jahren auf der Alten Messe an den Start gingen, war nicht nur Donnerstag, Freitag und Samstag Party angesagt, sondern auch noch Mittwoch und Sonntag. Doch beide Veranstaltungstage sind inzwischen gestrichen – anders als beim richtigen Oktoberfest in München. Es gibt noch mehr Unterschiede. Deshalb spricht Veranstalter Pfannmüller lieber von einem „Eventformat“, das sich ans Original anlehnt. „In München ist der Eintritt frei, bei uns kostet er an der Abendkasse 18 Eu-ro. Dort ist der Platz nur vier Stunden reserviert und gegen 22 Uhr Schluss, bei uns geht es dagegen für jeden von 17 bis 24 Uhr.“

Um 20 Uhr fangen die Gäste im Festzelt an zu toben. „Atemlos“ schallt es nun von der Bühne, und jeder hat schon mindestens eine Maß intus. Vor den „Wilden Engeln“ wird getanzt – sofern es das Gedränge zulässt. Autsch, das war mein Fuß, liebe Nachbarin. Alles singt, alles lacht, alles klettert auf die Tische.  Auch die VIP’s  in ihrer Riesen-Loge nähern sich dem Siedepunkt. Sie schunkeln und singen, was Körper und Stimme noch hergeben. Mittendrin statt nur dabei ist der Leipziger Immobilienentwickler Hagen Lehmann, der gleich Tische für 16 Mitarbeiter gebucht hat. „Das ist die schönste Feier des Jahres“, schreit der Geschäftsführer von Immoscoring gegen den Lärm an. „Wir sind gekommen, weil 2017 für uns ein gutes Jahr war.“

Auf den Tischen wird getanzt

Kurz nach 21 Uhr stürmt Robert Laube alias Jack Gelee die Bühne. Als er seinen Party-Hit „Ich will mit Dir ein Selfie“ singt, gibt’s im Zelt kein Halten mehr: Auf allen Tischen wird getanzt, auf den Bänken so hoch gehüpft, dass sich das Holz biegt. Die Menge rast. Die Bedienung wieselt im Akkord durch die Massen. Die Hitze ist enorm. Und die Ohren dröhnen.

Der einzige, der noch völlig nüchtern wirkt, ist Pfannmüller. Er schaut bei der Security und bei den Garderoben vorbei. „Im nächsten Jahr werden wir wahrscheinlich das Zelt dämmen“, erzählt er. Anwohner hätten sich beschwert, dass es zu laut sei. „Deshalb drehen wir schon ab 23 Uhr die Verstärker nicht mehr ganz so weit auf.“ Die Stadtverwaltung hat ihm schon angeboten, von der Alten Messe auf die Kleinmesse umzuziehen und so dort den Umsatz anzukurbeln. Die Kombination könnte passen, denn auch beim richtigen Oktoberfest in München gibt es bekanntlich Fahrgeschäfte. Doch Pfannmüller und seiner Mannschaft gefällt es auf der Alten Messe bestens. „Jeder kennt uns, es gibt Parkplätze en masse und die Zahl der direkten Anwohner ist nicht groß“, sagt er.

Namenhafte Künstler sorgen für Stimmung

Doch gleichzeitig hätte der Veranstalter nichts gegen noch mehr Leute. Deshalb engagiert er auch namhafte Künstler. In diesem Jahr dabei: Jürgen Drews und Anna-Maria Zimmermann. 2018 sollen dann Mickie Krause und Peter Wackel kommen. Außerdem wird in der aktuellen Fest-Kampagne erstmals am 30. Oktober und damit an einem Montag geöffnet sein – weil der nächste Tag ein  Feiertag ist. Für diese Party gibt es noch Karten.

Im Zelt sind die Partygänger jetzt außer Rand und Band. Die „Engel“ sind in „West-Virginia“, die Tische wackeln bedenklich. Wer einmal Lunte gerochen hat, kommt mit Sicherheit wieder. Und wer diesmal noch ohne Kostüm da war, trägt im nächsten Jahr bestimmt Dirndl oder Lederhose.

Von Andreas Tappert

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