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Lokales Opernintendant bleibt Leipziger Opernball fern: „Ich möchte da nicht Walzer tanzen“
Leipzig Lokales Opernintendant bleibt Leipziger Opernball fern: „Ich möchte da nicht Walzer tanzen“
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00:21 23.10.2017
Ulf Schirmer Quelle: Andre Kempner
Leipzig

 Wer hätte gedacht, dass der Leipziger Opernball mal zum Politikum wird? In diesem Jahr wird er es: Der Hausherr der Oper, Intendant Ulf Schirmer, bleibt dem Ball am 4. November fern. Das Thema „Moskauer Nächte“ hat ihn zu diesem Schritt bewogen. Schirmer begründet dies mit der Ukraine-Krise und den internationalen Spannungen, die von Moskau ausgelöst werden. Er habe persönlich viel mit Künstlern zu tun, die vom Ukraine-Konflikt betroffen sind. Außerdem verweist er auf den regimekritischen russischen Theaterregisseur Kirill Serebrennikow, der in Moskau verhaftet worden ist – ein Vorgang, der auch den Deutschen Bühnenverein schockiert. „Für offizielle Feiern sehe ich da als Mensch wenig Anlass, ich möchte den Ball flach halten und nicht Walzer tanzen“, so der 58-Jährige. Dennoch wird der Hausherr anwesend sein: „Ich begrüße die Gastkünstler, natürlich auch die vom Moskauer Bolschoi-Theater, und schaue hinter den Kulissen nach dem rechten.“ Ob sich ihm weitere leitende Mitarbeiter des Hauses anschließen, kann der Intendant nicht mit Sicherheit sagen: „Das stelle ich jedem frei.“

Schirmer bezog schon vor einem Jahr Stellung

Seinen Standpunkt hat Schirmer schon vor einem Jahr deutlich gemacht, als das Thema Moskau auf die Tagesordnung kam. Sowohl der Oberbürgermeister als auch die Referatsleiterin für Internationale Beziehungen haben versucht, ihn umzustimmen, aber erfolglos. „Meine Gründe wurden angehört und diskutiert, aber niemand hat Druck ausgeübt, das rechne ich allen hoch an.“ Allerdings hat Schirmer sich auch professionell verhalten und seine persönliche Meinung in der Ballvorbereitung nicht spüren lassen. So lieferte er ein Grußwort für das Programmheft.

„Ich hätte mich gefreut, wenn er gekommen wäre, aber man muss seine Entscheidung respektieren“, sagt Gabriele Goldfuß, zuständig für die internationalen Beziehungen Leipzigs. Von ihr kam die Anregung, Moskau zum Ballthema zu machen, weil beide Städte eng zusammenarbeiten, von der Messe bis zum Denkmalschutz, und sich die Partnerschaft erfreulich entwickelt. „Gerade jetzt sollte man im Gespräch bleiben und mit Hilfe der Kunst Brücken bauen“, findet Vivian Honert-Boddin von der Opernball GmbH. Als sie vor zehn Jahren als Cheforganisatorin antrat, knüpfte sie an Leipzigs Internationalität an und macht jedes Jahr eine andere Leipziger Partnerstadt zum Ballthema – auch über die offiziellen Städtepartnerschaften hinaus.

Ausverkaufter Ball

Das Publikum hat mit den „Moskauer Nächten“ offenbar auch kein Problem, denn der Ball ist ausverkauft. Der russische und der amerikanische Generalkonsul werden nebeneinander sitzen. Auch der russische Botschafter und der Minister der Moskauer Stadtregierung für internationale Beziehungen kommen. Das Bolschoi-Theater entsendet seine Primaballerina und den Zweiten Meistertänzer des Balletts. Die Wirtschaft ist ebenfalls einbezogen: Am Vorabend veranstaltet die Industrie- und Handelskammer zusammen mit der Stadt das „Wirtschaftsforum Russland“ im Porsche-Werk.

Von Kerstin Decker

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